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Rechenzentrum mit Ökostrom : Doppelt so hoher Stromverbrauch wie ganz Hanau

Vision: So soll das Rechenzentrum auf dem Areal der ehemaligen Kaserne aussehen Bild: Stadt Hanau

Auf dem Gelände der ehemaligen Großauheim-Kaserne in Hanau könnte ein Rechenzentrum entstehen. Die Planung ist einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Betrieben werden soll das Zentrum nur mit Ökostrom.

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          Die Planung für Rechenzentren auf dem Gelände der früheren Großauheim-Kaserne in Hanau ist einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Der Entwurf für einen Bebauungsplan liegt vor, und der Magistrat hat diesem zugestimmt, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) berichtet. Nun fehlt noch die Zustimmung der Stadtverordneten, die in ihrer Sitzung am Montag, 17. Mai, voraussichtlich die endgültige Entscheidung über das Vorhaben treffen. Die Stadt hat nach Worten des Oberbürgermeisters mit dem Investor, dem Unternehmen P3 Hanau, Bedingungen ausgehandelt, zu denen ein nachhaltiger Betrieb, zum Beispiel mit der Nutzung von Strom aus erneuerbaren Quellen, gehört.

          Jan Schiefenhövel
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Großauheim-Kaserne an der Depotstraße am südöstlichen Stadtrand ist die letzte noch brachliegende Militärfläche, die in den vergangenen Jahrzehnten von den amerikanischen Streitkräften benutzt wurde. Geplant sind nach Angaben der Stadt dort mehrere Gebäude für Rechenzentren. Diese verbrauchen künftig zusammen Strom mit einer Leistung von 180 Megawatt im Jahr. Das ist rund ein Drittel der Leistung, die das Kohlekraftwerk Staudinger im Grundlastbetrieb mit seinem Block 5 erzeugt.

          Strom aus erneuerbaren Quellen

          In ganz Hanau einschließlich der Großindustrie wird nur halb so viel Strom verbraucht. Damit wird das neue Rechenzentrum zu den größten in Deutschland gehören und ist auch im europäischen Vergleich ein Großprojekt, wie Kaminsky hervorhob.

          Die Stadt kann nach seinen Worten nicht nur mithilfe des Bebauungsplans Einfluss nehmen. Sie hat mit dem Bauherrn einen städtebaulichen Vertrag mit Kriterien für den Betrieb der Rechenzentren geschlossen. Darin wird festgelegt, dass der benötigte Strom bei Betriebsbeginn zu 80 Prozent und nach fünf Jahren zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen wie Windkraft oder Solarenergie stammen muss. Energieeffizienz und die Kühlung der Anlagen müssen den Kriterien des Umweltzertifikats „Blauer Engel“ entsprechen. Außerdem wird überlegt, ob die Abwärme zu nutzen ist. Nach Angaben von Kaminsky werden mit dem Vertrag neben dem Bauherrn auch die künftigen Nutzer der Rechenzentren verpflichtet. Der Oberbürgermeister nannte die Ansiedlung eines Rechenzentrums eine große Chance für die derzeit ungenutzte ehemalige Militärfläche. Dieses Vorhaben ziehe kaum Verkehr an, anders als etwa die Ansiedlung eines Logistikbetriebs, der täglich von Lastwagen angesteuert werde. Das Gewerbesteueraufkommen solcher Zentren sei lohnend für die Stadt. Das Umfeld von Rechenzentren biete sich zudem als Standort für weitere Unternehmen der Informationstechnologie an.

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          Außer den Rechenzentren sind noch weitere Bauten auf dem Kasernengelände vorgesehen. So wollen die Hanauer Stadtwerke zusammen mit ihrer Muttergesellschaft, dem Frankfurter Energieversorger Mainova, vier umweltfreundliche Blockheizkraftwerke errichten, wie Kaminsky erläuterte. Diese werden nach seinen Angaben Fernwärme für das Hanauer Stadtgebiet liefern. Damit werde die Fernwärme ersetzt, die bisher aus dem Kraftwerk Staudinger komme. Die Verträge mit dem Kraftwerk laufen im Jahr 2024 aus und sollen der Stadt Hanau zufolge nicht verlängert werden.

          Im südlichen Teil der Kaserne entsteht nach den Plänen eine Solaranlage mit einer Jahresleistung von sieben Megawatt. Nach den Vorstellungen von Kaminsky kann diese Energie für die Rechenzentren verwendet werden.

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