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Raumfahrtprojekte der ESA : Der Weltraummüll soll verschwinden

Die Computergrafik zeigt einen Satelliten der Raumfahrtmission ClearSpace-1 der ESA. Bild: dpa

Die Raumfahrtagentur ESA plant neue Projekte, die das Weltall sicherer machen sollen – und auch die Erde. Zu den neuen Aufgaben gehört eine Mission, die zwar noch klein, doch besonders wichtig ist: Die Verringerung des Schrotts im All.

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          Das Verständnis des Treibhauseffekts auf der Erde wurde durch Weltraummissionen zum Planeten Venus vorangetrieben. Ohne die Raumfahrt gäbe es heute keine leistungsfähigen Solarzellen; und die Brennstoffzellen-Technologie wäre ohne die Eroberung des Alls durch den Menschen heute lange nicht so weit. Solche Beispiele zitiert der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, Jan Wörner, mit Vorliebe, um die Bedeutung der Raumfahrt hervorzuheben. „Sie kann irdische Probleme überwinden“, sagte der Deutsche am Mittwoch bei der Jahrespressekonferenz seiner Organisation in Paris.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die europäischen Politiker sind sich des wachsenden Stellenwerts des Alls bewusst; daher haben sie der ESA bei der Ministerratskonferenz in Sevilla im vergangenen November eine kräftige Budgetsteigerung auf 14,5 Milliarden Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren zugestanden. Die ESA will einen Teil der Mittel für mehr Sicherheit nutzen – des Alls und der Erde. Zu den neuen Aufgaben gehört eine Mission, die zwar noch klein, doch Wörner besonders wichtig ist: Die Verringerung des Weltraummülls. Weil immer mehr Satelliten ins All geschossen werden – in jüngerer Zeit vor allem kleine Modelle zur Verbesserung der Telekom-Verbindungen –, wird das Thema immer drängender.

          Experten schätzen die Zahl der funktionsunfähigen Satelliten, die im All ihre Runden drehen, auf mehr als 3000. Im vergangenen September kam es zu einem Beinahe-Zusammenstoß zwischen dem 500 Millionen Euro teuren ESA-Erdbeobachtungssatelliten Aeolus und einem Satelliten des amerikanischen Herstellers SpaceX von Elon Musk. Mit dem Schweizer Start-up-Unternehmen Clear Space bereitet die ESA daher eine Mission vor, die 2025 ein erstes Stück Müll beseitigen soll. Es handelt sich um einen Adapter der Trägerrakete Vega von gut 100 Kilogramm und rund 2,5 Metern Durchmesser. Er soll durch eine Art Greifer gepackt und in der Erdatmosphäre zum Verglühen gebracht werden. „Wir sind die einzige Agentur weltweit, die ein Programm für Weltraumsicherheit hat“, berichtet Wörner.

          Sonneneruptionen sollen besser prognostiziert werden

          Aus seiner Sicht spricht das Müllthema auch für die Wiederverwertbarkeit von Trägerraketen. Technologisch und wirtschaftlich sei das zwar sehr anspruchsvoll; nicht zuletzt stelle sich die Frage, wie die europäischen Standorte bei einer geringen Produktionszahl ausgelastet wären. Doch auch die ESA geht nun langsam diesen Weg. 2022 oder 2023 soll erstmals das Trägersystem Space Rider von Französisch-Guyana aus ins All starten und später auf den Azoren landen.

          Zum Sicherheitsthema gehört für die ESA zudem eine Mission zur besseren Vorhersehbarkeit von Sonneneruptionen. Bei diesen immer wieder auftretenden Phänomenen speit die Sonne einen riesigen Plasmaschwall unter Umständen Richtung Erde aus, der dort aufgrund starker Magnetfelder viel Schaden anrichten kann. Bei einem solchen Solarsturm kam es 1972 im Vietnamkrieg zur Explosion von dreißig Unterwasserminen. 1859 löste eine besonders starke Eruption Kurzschlüsse in den Telegraphendrähten und damit zahlreiche Brände in den Vereinigten Staaten und Europa aus. Heute wären die Konsequenzen wegen der weitverzweigten Stromnetze sowie der Elektronik für Kommunikation und Navigation noch viel verheerender, zudem würde unser Schutzschild gegen kosmische Strahlung löchrig werden. „Wenn solch eine Sonneneruption morgen ohne Vorwarnung passiert, dann ist hier Zappenduster“, warnt Wörner. Eine größere Vorhersehbarkeit wäre wichtig, weil die Folgen eines Solarsturms auf der 150 Millionen Kilometer entfernten Erde schon acht Stunden später zu spüren sein könnten.

          Nach einem Science-Fiction-Film klingt es auch, wenn Wörner über Asteroiden spricht, die auf der Erde einschlagen könnten. Doch die Bedrohung sei Realität. Daher kooperiert die ESA mit der Nasa in einem Testprogramm zum Ablenken eines Asteroiden. Die Nasa will 2022 eine Raumsonde mit mehr als sechs Kilometer pro Sekunde auf einem Mond einschlagen lassen, der den Asteroiden Didymos in etwa 11 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde umkreist. 2024 will die ESA eine Sonde losschicken, um die Auswirkungen zu messen.

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