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Skurriler Befund : Wie der Klimawandel das Erreichen des Klimaziels begünstigt

Im vergangenen Jahr lag die Ökostromerzeugung Berechnungen zufolge vor der Stromerzeugung aus Kohle- und Atomkraftwerken. Bild: dpa

Die intensive Sonnenstrahlung und die starken Winde führen dazu, dass die deutschen Emissionsziele vielleicht doch noch erreicht werden. Die Bundesregierung kann sich dennoch nicht zurücklehnen.

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          Auf skurrile Weise hilft der Klimawandel Deutschland dabei, seinen klimapolitischen  Zielen näherzukommen. Die intensivere Sonneneinstrahlung und der stärkere Wind haben dafür gesorgt, dass aus alternativen Energieträgern 2019 erstmals mehr Strom erzeugt wurde als aus Kohle- und Kernkraftwerken zusammen. Die Windenergie habe die Braunkohle als wichtigste Quelle abgelöst, sagte ein Sprecher des Bundesverbands Erneuerbare Energien BEE in Berlin. „Polemisch könnte man sagen: der Klimawandel hat dabei geholfen.“

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Zuvor hatte die Denkfabrik Agora Energiewende bekanntgegeben, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch 2019 auf nahezu 43 Prozent gestiegen sei. Das waren fast 5 Prozentpunkte mehr als 2018. Zugleich habe der Ausstoß von Kohlendioxid um mehr als 50 Millionen Tonnen oder 6 Prozent auf 811 Millionen Tonnen abgenommen. Die Emissionen seien nun um 35 Prozent niedriger als 1990. Bisher hatte es oft geheißen, das Ziel, 2020 mindestens 40 Prozent weniger auszustoßen als im Referenzjahr 1990, sei unerreichbar. Die neue Untersuchung zeigt, dass die Bundesrepublik davon gar nicht mehr so weit entfernt ist.

          Das Ziel sei „überraschend in greifbare Nähe“ gerückt, teilt Agora Energiewende mit, eine Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation. Auch der BEE sprach von einem „überraschend deutlichen Rückgang“. Beide Einrichtungen wiesen allerdings darauf hin, dass die Verringerung auf die Erzeugung von Elektrizität beschränkt gewesen sei. Indes hätten die CO2-Emissionen im Verkehr und von Gebäuden noch zugenommen. Dort seien mehr klimarelevante Brennstoffe wie Diesel, Benzin, Heizöl oder Erdgas eingesetzt worden.

          Ein Zeichen setzen

          Nach Ansicht der Fachleute bedeuten die neuen Zahlen deshalb auch nicht, dass sich Deutschland zurücklehnen und seine Anstrengungen zum Klimaschutz abschwächen sollte. Kürzlich hatte die Bundesregierung ein neues Klimapaket vorgelegt und es im Gesetzgebungsverfahren mit dem Bundesrat auf Druck der Grünen noch verschärft. So waren die Einstiegspreise für CO2-Zertifikate im neu geschaffenen nationalen Emissionshandel erhöht worden.

          Sind diese Verschärfungen angesichts der neuen Werte also übertrieben und eher dem Alarmismus geschuldet als der klimapolitischen Notwendigkeit? Im Gegenteil, sagen die Fachleute. In der Stromerzeugung hätten sich die gestiegenen Preise im EU-Emissionshandel ausgezahlt. Dieser Erfolg müsse nun mit den höheren nationalen Zertifikatpreisen auf Verkehr und Gebäudeheizungen ausgedehnt werden. Der BEE hätte sich noch höhere Einstiegspreise gewünscht, sagte der Sprecher, wichtig sei aber, dass ein Zeichen gesetzt werde und die Industrie darauf reagiere: etwa VW mit seiner Strategie zur Elektromobilität oder Tesla mit dem Bau eines Werks für Stromautos bei Berlin.

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