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Kohleförderung in Australien : Das „schwarze Gold“ lockt Hochtief

Kohle am Hafen Abbot Point in Queensland Bild: VU/laif

Die Proteste von Klimaschützern dürften noch präsent sein. Doch nicht nur Siemens engagiert sich in der Kohleförderung in Australien. Auch der Essener Baukonzern gehört dazu.

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          Der Siemens-Konzern hatte vor wenigen Monaten noch bitteres Lehrgeld gezahlt, weil er sich am Rande in Australiens Kohleförderung engagiert. Klimaschützer hatten ihn aufgrund seines Auftrages für die riesige Kohlemine des indischen Adani-Konzerns in Australien scharf angegriffen. Die Hochtief-Gruppe allerdings ist deutlich stärker im Bodenschatzgeschäft des fünften Kontinents aktiv. Gerade hat der zum Konzern zählende Minen-Ausrüster Thiess dort einen weiteren Großauftrag bekommen.

          Jonas Jansen
          (joja.), Wirtschaft
          Christoph Hein
          (che.), Wirtschaft

          Adani hingegen gerät immer weiter unter Druck. Der Essener Baukonzern Hochtief profitiert davon, dass in der Tagebau-Kohlemine Lake Vermont im australischen Bundesstaat Queensland für weitere fünf Jahre geschürft wird. Die derzeitige Kapazität liegt bei 9,4 Millionen Tonnen Kohle jährlich. Der Eigentümer Jellinbah Group hat den Betrieb schon länger an Thiess ausgelagert. Thiess, der sich von dem Vertrag einen Mehrumsatz von 2,5 Milliarden australischen Dollar (1,54 Milliarden Euro) verspricht, gehört zum australischen Baukonzern Cimic, der wiederum zu mehr als drei Vierteln in Händen von Hochtief liegt.

          Kohleausfuhr ab 2021 über Hafen am Barrier Reef

          Die Auftragssumme entspricht in etwa derjenigen für die erste Ausbaustufe der benachbarten Carmichael-Mine von Adani in Queensland. Die allerdings gerät, neben allen finanziellen Problemen, auch intern unter Druck: So ist der Vorstandsvorsitzende von Adani in Australien, Lucas Dow, am Freitag nach gut zwei Jahren in Australiens umstrittenstem Bodenschatz-Job überraschend zurückgetreten.

          Sein Nachfolger wird der bisherige Projektleiter David Boshoff, der erst im November vom Rohstoffriesen BHP kam. Dow bleibt Adani als Direktor erhalten. Die erste Kohle wollen die Inder im nächsten Jahr über einen Hafen am Barrier Reef ausführen.

          Darüber wird auch die Kohle der Thiess-Mine vor allem nach Japan exportiert. Für Cimic kommt der Auftrag zur rechten Zeit: Das in Sydney börsennotierte Unternehmen plant, seinen Anteil am weltgrößten Bergbau-Ausrüster über die Börse abzugeben. Dafür spricht Cimic derzeit mit Privatinvestoren, die einen Anteil an Thiess noch vor dem Börsengang übernehmen könnten. Das allerdings wird immer schwerer, je stärker die weltweite Abneigung von Banken, Pensionsfonds und Versicherungen gegen Kohle wächst.

          Aufträge für mehr als eine Milliarde australische Dollar

          Für Hochtief, das selbst zur Hälfte dem spanischen ACS-Konzern gehört, ist die Beteiligung an den Australiern lohnenswert. Die Essener haben gerade ihre Investitionen um 174 Millionen Euro auf 518 Millionen Euro erhöht, auch „um von den Wachstumschancen im Minenbetrieb“ zu profitieren, wie der Hochtief-Vorstandschef Marcelino Fernández Verdes sagte.

          Cimic schwärmt im Geschäftsbericht von „steigenden Möglichkeiten“ zur Kundengewinnung im In- und Ausland, besonders im Kohlegeschäft. Es brummt, trotz scharfen Gegenwinds: Allein Adani hat für seine Kohlemine inzwischen schon Aufträge für mehr als eine Milliarde australische Dollar erteilt. Cimic bietet auch in Kanada für weitere Kohleaufträge mit, die Planungsgesellschaft Sedgman hat etwa zuletzt ein 60 Jahre altes Kohlekraftwerk in British Columbia aufgerüstet, das nun statt 7,2 Millionen Tonnen im Jahr 9 Millionen Tonnen fördern kann.

          Cimic rechnet mit einer „relativ stabilen“ Nachfrage nach Kraftwerkskohle bis 2040. Sie macht 13 Prozent des Cimic-Umsatzes von 17,2 Milliarden australischen Dollar aus, gut die Hälfte des gesamten Minengeschäfts von rund 4,5 Milliarden Dollar.

          Die australische Tochtergesellschaft steuert für Hochtief auch den Löwenanteil der eigenen Treibhausgasemissionen im Konzern (Scope 1) bei: 2,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent von insgesamt 2,8 Millionen Tonnen kamen aus der Asien-Pazifik-Division. Zum Vergleich: Die landesweiten Treibhausgasemissionen hat das australische Wirtschaftsministerium für das Jahr 2019 auf 532,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent geschätzt.

          Mehr als 90 Prozent Emissionen durch Dieselverbrauch

          Obwohl Energieminister Angus Taylor weiter auf Kohle drängt, dreht sich der Wind freilich: Der Bundesstaat Sydney will eine „Zone für erneuerbare Energie“ ausweisen, in der mit 8.000 Megawatt so viel Energie erzeugt werden soll, wie alle Kohlekraftwerke zusammen produzieren. Die Investitionen liegen bei knapp 13 Milliarden australischen Dollar, es sollen 3.300 Stellen entstehen. Kohle steuert derzeit noch 10.000 Megawatt zur Energieversorgung im Bundesstaat bei.

          Cimic schreibt selbst im Nachhaltigkeitsbericht, dass mehr als 90 Prozent der eigenen Emissionen durch den Dieselverbrauch im Kohlegeschäft von Thiess entstehen. Die Effizienz konnte das Unternehmen aber steigern, die Emissionen nahmen im Vorjahresvergleich um 2 Prozent ab, während der Umsatz in der Mineralverarbeitung um 13 Prozent gestiegen ist. Aus erneuerbaren Energien stammen bislang nur 0,2 Prozent des Energieverbrauchs.

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