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Klöckner stellt Statistik vor : Vergifteter Streit ums Glyphosat

  • -Aktualisiert am

Ein Landwirt in Baden-Württemberg spritzt sein Kartoffelfeld mit einem Fungizid gegen Kraut- und Knollenfäule. Bild: dpa

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sinkt, die Verwendung von Glyphosat sogar besonders stark. Das liege am Wetter, nicht an der Politik, kritisiert der BUND. Ministerin Klöckner findet: „Ohne Pflanzenschutzmittel wird es nicht gehen.“

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          Als Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch die jährliche Statistik ihres Hauses zum Einsatz von Unkraut- und Schädlingsvernichtern vorstellte, ging es erst mal weniger um Zahlen, sondern um Bilder. Klöckner zeigte Fotos, wie sich die gemeine Spinnmilbe an einem Kartoffelacker satt frisst und wie der Schorfpilz Äpfel befällt. „Man kann sich kaum vorstellen, dass so etwas vom Verbraucher gewünscht ist“, sagte sie mit Blick auf einen mit braunen Flecken übersäten Apfel. Ihre Botschaft ist klar: „Ohne Pflanzenschutzmittel wird es nicht gehen.“

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Ohnehin sei deren Gebrauch im vergangenen Jahr zurückgegangen. Um 6,7 Prozent sank die verkaufte Menge gegenüber 2018, auf das niedrigste Niveau seit zwanzig Jahren. Für das besonders umstrittene Mittel Glyphosat verzeichnet das Ministerium sogar einen Rückgang um 11,3 Prozent. Damit setze sich der Abwärtstrend seit 2012 fort.

          „Es geht darum, Ernten zu sichern“

          Wann das von Umweltschützern geforderte Aus für Glyphosat kommt, vermochte Klöckner nicht zu sagen. Nur so viel: Solange das Mittel in der EU zugelassen sei – und das ist noch bis Ende 2022 der Fall –, wohl kaum. Eine Strategie, wie der Einsatz weiter reduziert werden solle, habe sie vorgelegt. „Wir warten aufs Umweltministerium, was das angeht.“ Forderungen nach einem kompletten Verzicht auf Schädlingsbekämpfer wies sie zurück: „Es geht darum, Ernten zu sichern.“ Wie wichtig heimische Lebensmittel seien, habe sich in der Corona-Krise gezeigt.

          Die Naturschutzverbände stellt das – wenig überraschend – nicht zufrieden. Die rückläufigen Zahlen seien ein Ergebnis des heißen und trockenen Wetters „und kein politisches Ergebnis“, kritisierte der BUND. Eine ambitionierte Strategie zur Verringerung der Pestizide fehle weiterhin. Der Nabu forderte eine „Abkehr von der Chemisierung unserer Landschaft“. Der Industrieverband Agrar konterte: „Wenn die vergangenen Jahre eines widerlegt haben, dann das Vorurteil, Landwirte spritzen Pflanzenschutzmittel ohne Maß und Verstand.“

          Das Kabinett brachte derweil eine Verwaltungsvorschrift zu einem anderen Reizthema zwischen Landwirten und Politik auf den Weg. Mit Nitrat belastete Gebiete sollen künftig bundesweit einheitlich ausgewiesen werden, auf 50 Quadratkilometern soll mindestens eine Messstelle stehen. Nitrat gelangt ins Grundwasser, wenn Landwirte ihre Felder zu stark düngen. Vor allem in Regionen mit viel Tierhaltung sind die Nitratwerte seit Jahren zu hoch.

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