https://www.faz.net/-gqe-a1j93

Klimawandel : CO2-Steuer oder Emissionshandel?

Was hilft der Umwelt mehr: Emissionshandel oder CO2-Steuer? Bild: dpa

Ein neues Papier von Ökonomen zeigt: Der europäische Emissionshandel ist gnadenlos effizient, aber die direkte Verteuerung von CO2 mittels Steuer ist ihm in einem Punkt überlegen. Ein Kompromiss böte sich an.

          4 Min.

          Der europäische Emissionshandel ist effizient, aber herzlos. Weil seit seiner Einführung vor 15 Jahren in Stein gemeißelt ist, wie viel Klimagase Kraftwerksbetreiber und Industriebetriebe Jahr für Jahr ausstoßen dürfen, verpufft die Wirkung von freiwilligen, gutgemeinten Mehranstrengungen. Mehr noch: Wenn Konzerne wie Bosch und Siemens eine schnellere Abkehr von Öl und Gas vollziehen, als es die EU-Klimaziele und der daraus abgeleitete Reduktionspfad für die gehandelten Zertifikate vorsehen, drückt das den Preis. Die Zertifikate werden am Markt günstiger, und die anderen rund 11.000 Anlagenbetreiber in der EU können sich zu geringeren Kosten eindecken. Dem Klima ist dadurch nicht geholfen: In die Atmosphäre entweicht genauso viel CO2 wie ohne Mehranstrengungen – und manche Zementfabrik in Spanien dürfte Investitionen in klimafreundliche Technologien wegen des schwächeren Preisdrucks gar auf die lange Bank schieben.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Zeiten gewachsenen Umweltbewusstseins, in denen viele Unternehmen rasch „grün“ werden wollen und offenbar auch mehr und mehr Verbraucher bereit sind, auf eigene Kosten etwas zum Klimaschutz beizutragen, scheint eine direkte Verteuerung von CO2 mittels Steuer vorteilhafter. Zumindest würden Emissionen für andere nicht günstiger, wenn die EU-Mitgliedstaaten einfach nur eine fixe Abgabe je Tonne erheben würden, wie es der Neoklassiker Arthur Cecil Pigou vor 100 Jahren in seinem Standardwerk „The Economics of Welfare“ vorschlug. Stahlerzeuger würden dem Staat zwar so oder so weniger Einnahmen bescheren, wenn sie im Zuge des „Green Deals“ von Koks auf Wasserstoff umstellten – und deshalb deutlich weniger kostenpflichtige Tonnen Kohlendioxid ausstoßen. Anders als im Emissionshandel wäre mit einer Steuer aber augenblicklich ein Beitrag zum Klimaschutz erbracht.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Französische Sicherheitskräfte nach dem Messerangriff vor dem früheren Redaktionsgebäude der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris

          Regierung in Paris alarmiert : Von Islamisten unterwandert

          Der Islamismus breitet sich in der französischen Gesellschaft immer weiter aus und dominiert mittlerweile ganze Stadtviertel. Die Regierung in Paris will ihn mit schärferen Gesetzen zurückdrängen.
          Rupert Stadler sitzt in München im Gerichtssaal.

          Früherer Audi-Chef : Mit der S-Klasse zum Gericht

          Rupert Stadler hat eine neue Rolle: Er muss sich im Diesel-Prozess verantworten. Früher, in seiner Rolle als Vorstandschef der prestigeträchtigen VW-Marke Audi, fand er mehr Gefallen an öffentlichen Auftritten.