https://www.faz.net/-gqe-a66ix

Größter Produzent in der EU : Dänemark gibt Öl- und Gasförderung in der Nordsee bis 2050 auf

  • Aktualisiert am

Dänische Ölplattformen werden bis 2050 ihre Arbeit einstellen. Bild: dpa

In Kopenhagen beschließt das Parlament das Aus bis 2050. In London kündigt die Regierung an, die Klimaziele zu erhöhen. Für beide Länder bedeuten das einen scharfen Schwenk darin, wie sie Wohlstand erzeugen.

          2 Min.

          Dänemark will bis zum Jahr 2050 die gesamte Öl- und Gasförderung in der Nordsee einstellen. Das Parlament stimmte am Donnerstagabend entsprechenden Plänen der Regierung zu. „Wir setzen jetzt dem fossilen Zeitalter ein endgültiges Ende“, sagte Klima- und Energie-Minister Dan Jörgensen. Auch die geplante achte Lizenzierungsrunde und alle künftigen Ausschreibungen sollen gestrichen und 2050 zum letzten Jahr werden, in dem von Dänemark fossile Brennstoffe in der Nordsee gefördert werden.

          Dänemark ist der größte Produzent von Öl und Gas in der Europäischen Union. Das Land hat sich im vergangenen Jahr eines der ehrgeizigsten Klimaziele auf der Welt gesetzt und will den Treibhausgasausstoß bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 70 Prozent senken und 2050 klimaneutral sein.

          Auch die britische Regierung erhöht ihr Tempo, klimaneutral zu werden. Gut eine Woche vor der Online-Klimakonferenz zum fünften Jahrestag des Pariser Klimaabkommens hat sie angekündigt, ihre Klimaziele zu erhöhen. Bis 2030 sollen demnach die Treibhausgasemissionen um 68 Prozent gesenkt werden im Vergleich zum Niveau von 1990. Großbritannien wolle damit nach dem EU-Austritt seine globale Vorreiterrolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung unter Beweis stellen, hieß es in einer Mitteilung der Regierung.

          Kohle, Öl und Gas halten den Motor der Weltwirtschaft am Laufen – zum Leidwesen der Atmosphäre. Lesen Sie hier, wer die Treiber des Klimawandels sind.

          Zu der Online-Konferenz am 12. Dezember hatten die Vereinten Nationen und die britische Regierung anstatt des coronabedingt auf 2021 verschobenen UN-Weltklimagipfels eingeladen. Die jährliche Konferenz hätte im November im schottischen Glasgow zusammenkommen sollen. Der nächste Gipfel gilt als besonders wichtig: Die Staaten sollen bis dahin ihre Klimaschutz-Pläne ehrgeiziger machen. Denn noch reichen sie in der Summe längst nicht aus, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 zu erfüllen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen.

          Dänemarks Bevölkerung ist vom Motto „Weg vom Öl“ überzeugt

          Dänemark hat wie Norwegen einen beträchtlichen Teil seines Wohlstands dem Erdöl zu verdanken, das seit den sechziger Jahren aus der Nordsee gewonnen wird. Das Bruttoinlandsprodukt ist mit rund 53.000 Euro etwa doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. Mit rund 314.000 Barrel Förderung am Tag wird der heimische Bedarf von 191.000 Barrel locker erfüllt, so dass noch ein großer Teil des Öls in den Export geht. Beim Erdgas ist das Verhältnis zwischen Weltmarkt und heimischer Nutzung noch höher.

          Doch gleichzeitig ist die dänische Bevölkerung deutlich früher als andere in Europa der Devise „Weg vom Öl“ gefolgt. Das hatte strukturelle Effekte auf die Wirtschaft des Landes. Der Windkraft-Konzern Vestas Wind Systems ist der sechstgrößte des Landes. Der Pro-Kopf-Ausstoß des Treibhausgases CO2 liegt trotz der weit überdurchschnittlichen Wirtschaftsleistung mit 5,5 Tonnen sogar unter dem EU-Durchschnitt von 6,5 Prozent.

          Durch die Küstenlage profitiert das Land dabei vom permanent strömenden Wind. Dieser Umstand hat auch in Großbritannien die Energiewende erleichtert. Durch die frühzeitige Einführung eines eigenen CO2-Preises oberhalb des im EU-Emissionshandel ermittelten Preises hat das Land schneller und günstiger als Deutschland den Weg in Stromversorgung durch erneuerbare Energien gefunden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine überwältigende Mehrheit der Republikaner im Senat steht hinter Donald Trump und hat gegen die Fortsetzung des Amtsenthebungsverfahren gegen ihn gestimmt.

          Verfahren gegen Trump : Fast alle Republikaner im Senat gegen Impeachment

          Nur fünf republikanische Senatoren stimmen mit den 50 Demokraten für den Fortgang des Amtsenthebungsverfahrens gegen den früheren amerikanischen Präsidenten. Die anderen halten es für verfassungswidrig. Damit wird eine Verurteilung extrem unwahrscheinlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.