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IG-Metallchef im Gespräch : „Wir müssen industrielle Wüsten verhindern“

Jörg Hofman während einer Protestkundgebung der IG Metall vor dem Syntegon-Firmensitz im März 2021 Bild: dpa

Jörg Hofmann fordert mehr Hilfen für Arbeitnehmer und Regionen, die vom grünen Umbau der Wirtschaft betroffen sind. Die neuen Jobs müssten da entstehen, wo die alten wegfallen.

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          Herr Hofmann, in Berlin tobt plötzlich ein Überbietungswettbewerb beim Klimaschutz. Wie finden Sie als Arbeitnehmervertreter das?

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich finde das verwunderlich. Fast alle Parteien, die da jetzt mitmischen, haben in Ihren Programmen den Satz aufgenommen, dass beim Klimaschutz ein Ausgleich zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem gewahrt werden muss. Aber in der derzeitigen Debatte wird von Teilen der Politik die Ökonomie und des Soziale völlig ausgeblendet – nämlich die Frage: Was bedeutet eine Zielverschärfung beim Klimaschutz eigentlich für Unternehmen und Arbeitnehmer?

          Der Klimaschutz bedroht deutsche Unternehmen und Jobs?

          Der Klimaschutz bedroht nur dann Jobs, wenn wir ihn falsch angehen. Die Gefahr sehe ich zurzeit. Nehmen Sie die Autoindustrie als Beispiel. Die Autohersteller haben die Möglichkeit, Beschäftigung durch Insourcing zu sichern, also indem sie Arbeiten, die bisher von Zulieferern übernommen wurden, in den eigenen Werken erledigen. Aber für einen Zulieferer, der bisher ausschließlich von Bauteilen für Verbrennungsmotoren gelebt hat, verschärfen höhere Klimaschutzziele die Probleme. Die Aufträge dieser Unternehmen werden noch schneller wegbrechen als bisher zu erwarten war. Die Gefahr, dass hier Unternehmen wirtschaftlich auf der Strecke bleiben und deren Beschäftigte arbeitslos werden, wächst. Hier braucht es kluge Industriepolitik, die frühzeitig gegensteuert.

          Weil das Elektroauto schneller kommen wird?

          Wenn Deutschland seine CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent senken will, wie jetzt angestrebt, dann bedeutet das für den Verkehrssektor, dass wir viel mehr E-Autos brauchen: Statt 8 bis 10 Millionen müssen dann Ende des Jahrzehnts in Deutschland 14 bis 16 Millionen Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf der Straße sein. Über diese Zahlen sind sich Fachleute ziemlich einig. Aber um ein E-Auto zu bauen, brauchen sie im Antriebsstrang nur die Hälfte der Arbeitsstunden wie bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Auch das gefährdet sehr viele Arbeitsplätze.

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          Aber schafft die E-Mobilität nicht auch neue Arbeitsplätze?

          Natürlich. Aber eben nicht so viele wie wegfallen. Hinzu kommt: Einige Unternehmen meinen den Wechsel zur E-Mobilität als Gelegenheit nutzen zu müssen, um Fabriken ins Ausland zu verlagern. In Deutschland gefertigte Komponenten für Verbrenner-Fahrzeuge werden durch Bauteile für E-Autos ersetzt, die in ausländischen Werken hergestellt werden. Das muss aufhören.

          Von welchen Unternehmen sprechen Sie?

          Continental ist ja ein bekanntes Beispiel. Ich sage nicht, dass das alle Zulieferbetriebe so machen. Dennoch belasten solche Verlagerungen die deutsche Arbeitsplatz-Bilanz beim Wechsel zur Elektromobilität. Staatliche Förderung muss an die Sicherung von Standorten und Beschäftigung geknüpft werden.

          Deutschland sollte es also langsamer angehen mit dem Klimaschutz?

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