https://www.faz.net/-gqe-abfe9

HeidelbergCement : Management wird künftig nach Erfüllung von CO2-Zielen bezahlt

Straßenblockade vor einem Werk von HeidelbergCement am Mittwoch Bild: dpa

Der Konzern forciert sein Engagement für mehr Nachhaltigkeit und klimafreundlichen Beton. Die Bemühungen gehen manchen nicht weit genug.

          3 Min.

          In früheren Jahren wären vielleicht die Infrastrukturprogramme der neuen US-Regierung und andere Konjunkturprogramme ein großes Thema für die Hauptversammlung der HeidelbergCement AG (Heidelcement) gewesen. Dort, wo gebaut wird, läuft es gut für diesen Konzern. Aber mittlerweile ist Klimaschutz wichtiger geworden.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Als im Herbst der neue Vorstandsvorsitzende Dominik von Achten dem Kapitalmarkt seine Strategie „beyond 2020“ präsentierte, wurde deutlich, dass mehr in Nachhaltigkeit investiert werden muss. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das mehr Klarheit über das Jahr 2030 hinaus einfordert, dürfte dem Konzern unterdessen noch einiges mehr abverlangen als bisher geplant.

          „Wir wollen unseren Beitrag leisten und beschleunigen unsere bisher schon anspruchsvollen Ziele auf dem Weg zu klimaneutralem Beton“, versprach Aufsichtsratschef Fritz-Jürgen Heckmann zum Auftakt der virtuellen Hauptversammlung. „Die Politik hat in rasender Geschwindigkeit reagiert“, bemerkte in seiner Ansprache von Achten mit Blick auf die schnelle Entscheidung des Bundesregierung, bis 2030 für eine Minderung des CO2-Ausstoßes um 65 (statt bisher um 55) Prozent sorgen zu wollen.

          5 bis 8 Prozent der Treibhausgasemissionen

          „Wir nehmen die Herausforderung sehr gerne an“, fügte von Achten hinzu: „Wir werden mit aller Verve daran mitarbeiten, wir sind es der Gesellschaft schuldig.“ Der Vorstand wird es unmittelbar auf dem eigenen Konto sehen, ob die Ziele erreicht wurden. Das neue Vergütungssystem sieht vor, dass die variablen Bestandteile der Gehälter von der Reduktion der CO2-Emission abhängen.

          Verpassen Sie keinen Moment

          Sichern Sie sich F+ 3 Monate lang für 1 Euro je Woche und lesen Sie alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Der Vorschlag habe eingeschlagen wie ein Blitz, berichtete Dominik von Achten den Aktionären, von denen indes einige das Bemühen für nicht ausreichend halten. Nach Einschätzung des Vorstands sind etwa ein Viertel aller Aktionäre von Heidelcement den sogenannten „ESG-Investoren“ zuzurechnen, die auf Nachhaltigkeitsaspekte (Environment, Social, Governance) besonderen Wert legen. Auch draußen vor der Konzernzentrale brachten Umweltschützer während der Hauptversammlung ihre Sorge um ausreichenden Klimaschutz zum Ausdruck.

          Schon am Tag zuvor hatten Aktivisten die Zufahrt zu einem Werk blockiert. Die Relevanz des Heidelberger Konzerns für das Thema ist erheblich: die Zementherstellung macht global 5 bis 8 Prozent der Treibhausgasemissionen aus, und die Heidelberger sind die Nummer 2 in dieser Branche. Der Hersteller arbeite auch daran, den eigenen Weg über das Jahr 2030 hinaus zu konkretisieren, erklärte von Achten auf die Frage eines Aktionärsvertreters. „Wir benötigen klare Rahmenbedingungen“, forderte er aber auch. Unter anderem müsse ein Transportsystem für CO2 auf die Agenda, das betreffe viele Industrien.

          „Wir arbeiten an verschiedenen Verfahren zur CO2-Abscheidung

          Neue Technologien spielen für eine CO2-ärmere Zementherstellung eine große Rolle, wurde während der Hauptversammlung mehrfach aufgezeigt. So wird beispielsweise in einem nahe der Küste gelegenen Zementwerk in Norwegen das anfallende CO2 abgefangen und im Meeresboden verpresst, damit es nicht in die Atmosphäre gelangt. Das sei keine CO2-Vermeidung, räumte von Achten auf die Frage eines Aktionärs ein: „Das ist keine langfristige Lösung, aber ein notwendiger Schritt, sonst kommen wir nicht vorwärts.“ Eine andere Variante wäre die Verwendung des Kohlendioxids zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen, ein Verfahren, das gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg getestet wird.

          „Wir arbeiten an verschiedenen Verfahren zur CO2-Abscheidung, um zu schauen, welcher Weg am schnellsten nach Rom führt“, sagte der Vorstandschef. Selbst der Einsatz von Mikroalgen und Sonnenlicht am Standort Marokko werde geprüft. Bei der Skalierung der Lösungen wolle Heidelcement der Vorreiter sein.

          Das Geschäftsmodell stelle man aber nicht grundsätzlich in Frage, betonte der Vorstand auf Aktionärsfragen. Holzbau etwa könne Beton nicht generell ersetzen und außerdem werde das im Holz gespeicherte Kohlendioxid nach einigen Jahrzehnten ja doch frei, argumentierte der Vorstandschef. Unterdessen arbeitet der Konzern durchaus auch an neuen Produkten. So wurde ein erstes Haus ganz ohne Stahl gebaut, indem mit Hilfe von 3-D-Druckverfahren ein besonders entwickelter Mörtel die Mauern aufbaute.

          Konjunkturprogramme dürften helfen

          Zu den kurzfristigen wirtschaftlichen Rahmendaten verwies der Vorstand auf ein starkes Auftaktquartal, das auch fürs Gesamtjahr ein Wachstum bei Umsatz und Ergebnis erwarten lasse. Die von vielen Regierungen aufgelegten Konjunkturprogramme dürften sich positiv auf die Bautätigkeit und damit auf die Nachfrage nach Zement auswirken, hatte Dominik von Achten schon am Vorabend der Hauptversammlung mit Blick auf die Quartalszahlen kommentiert. Für das erfolgreiche Jahr 2020 (in dem trotz Umsatzrückgang die Rendite verbessert wurde) erhalten die Aktionäre eine Dividende von 2,20 Euro und damit 10 Cent mehr als vor zwei Jahren. Im vergangenen Jahr war wegen der unabsehbaren Folgen der Corona-Pandemie die Dividende auf 60 Cent gekürzt worden.

          Die Aktie der HeidelbergCement AG notierte am Tag der Hauptversammlung bei Kursen um 77,50 Euro, somit 1,5 Prozent unter dem Vortageskurs. Goldman-Sachs-Analyst Patrick Creuset verwies darauf, dass ab dem zweiten Halbjahr der Gegenwind bei den Energiekosten erheblich sein könnte.

          Weitere Themen

          CureVac-Impfstoff floppt Video-Seite öffnen

          Geringe Wirksamkeit : CureVac-Impfstoff floppt

          Der Corona-Impfstoff hat Untersuchungen zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent. CureVac will die Studie aber bis zu ihrer finalen Auswertung mit weiteren Corona-Fällen fortsetzen.

          Topmeldungen

          Deutscher Sieg über Portugal : Ein Abend, an dem Funken sprühen

          Mit der überwältigenden Mischung aus Wucht und Wille erfüllt die DFB-Elf ihren Auftrag gegen Portugal. Auch die Konkurrenz in Fußballeuropa dürfte diese deutsche Verwandlung mit einigem Staunen gesehen haben.

          Deutsche Einzelkritik : Müller nervt Portugal, Gosens ragt heraus

          Beim Sieg über Portugal macht Robin Gosens wohl die Partie seines Lebens. Auch andere DFB-Akteure zeigen sich deutlich verbessert. Aber einer scheint nicht der Lieblingsspieler von Bundestrainer Joachim Löw zu sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.