https://www.faz.net/-gqe-aav04

Green-Tech-Atlas 2021 : Markt für Umwelttechnik verdoppelt sich in zehn Jahren

Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit in Berlin Bild: dpa

Gute Nachrichten trotz Corona: Die deutschen Öko-Anbieter bleiben Weltmarktführer. Umweltministerin Schulze will sie weiter fördern, aus den Außenhandelskammern sollen „Chambers for Green-Tech“ werden.

          3 Min.

          Von der Corona-Krise weitgehend unberührt wächst der internationale Markt für Umwelttechnik rasant. Und die deutschen Anbieter bleiben darin Vorreiter. Das geht aus dem „Green-Tech-Atlas 2021“ des Bundesumweltministeriums und des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK hervor, der am Mittwoch vorgestellt werden soll.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Den Ergebnissen zufolge, die der F.A.Z. vorab vorliegen, betrug das weltweite Marktvolumen für Anbieter von Umwelttechnik und Ressourceneffizienz im vergangenen Jahr rund 4600 Milliarden Euro, 400 Milliarden mehr, als vor fünf Jahren vorhergesagt worden waren. In den kommenden zehn Jahren bis 2030 wird eine Verdopplung auf 9400 Milliarden Euro erwartet. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von 7,3 Prozent. Noch besser sieht es in Deutschland aus. Dort wird ein durchschnittliches Jahreswachstum von 8,1 Prozent erwartet, von heute 392 Milliarden auf dann 856 Milliarden Euro.

          Die Konkurrenz schläft nicht

          Die Bundesrepublik spielt in dem Feld nach wie vor eine Schlüsselrolle, wie die Autoren der Beratungsgesellschaft Roland Berger errechnet haben. 15 Prozent der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung stammen aus der Umwelttechnik. International sind die Deutschen an der Spitze: Betrug der deutsche Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung der Welt 2020 rund 3 Prozent, waren es bei der Umwelttechnik 14 Prozent. Allerdings hatte der Wert 2007 schon einmal 17 Prozent betragen.

          Die Konkurrenz schläft also nicht, und sie sitzt vor allem in China und in den Vereinigten Staaten. Deshalb ruft Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zum Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit auf, etwa durch weitere Spezialisierungen und durch die Stärkung von Innovationen. Auch die Industriepolitik, also die Flankierung und Unterstützung der Entwicklung durch den Staat, nimmt Schulze in den Blick. Damit mehr Produkte und Dienstleistungen hierzulande entwickelt und erprobt werden, bedarf es ihrer Ansicht nach verbindlicher Umweltstandards, der Förderung des nachhaltigen Konsums sowie mehr Transparenz und Verantwortung in der Wirtschaft, insbesondere bei den Lieferketten.

          Zur Finanzierung der nötigen Investitionen sieht die Ministerin immer mehr nachhaltige Finanzprodukte entstehen. Schwung erhält diese Entwicklung durch die geplante EU-Klassifizierung nachhaltiger Aktivitäten, die sogenannte grüne Taxonomie. Sie legt auch fest, welche Techniken im Sinne des „Green Deals“ eine öffentliche Förderung erhalten können. Dazu hatte kürzlich in Brüssel die gemeinsame Forschungsstelle (JRC), der wissenschaftlichen Dienst der EU-Kommission, einigen Wirbel verursacht. In einem von der Kommission in Auftrag gegebenen Gutachten klassifizierte die JRC Investitionen in Atomkraft als grüne Geldanlagen.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Löscharbeiten in Israel nach Raketenangriffen aus dem Gazastreifen

          Deutschland und Israel : Verbundenheit auf Abruf

          Jetzt reden wieder alle von Israels Sicherheit: Was von gut gemeinter Staatsräson bleibt – und was gerade in dieser Situation an ihre Stelle treten müsste. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.