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Frühwarnsysteme : Mit Hightech gegen die Wilderer-Mafia

Wildhüter gegen Wilderer: Wer die Oberhand behält, entscheidet sich immer mehr durch die Ausstattung mit moderner Technik. Bild: Reuters

Die illegale Jagd auf Elefanten und Nashörner ist ein Milliardengeschäft. Artenschützer sagen, dass nur noch modernste Technik verhindern kann, dass die Tiere ausgerottet werden.

          6 Min.

          Fast lautlos streift eine Gruppe Männer auf einem Pfad durch die ostafrikanische Steppe. Sie sind mit Gewehren bewaffnet, schleppen geschossene Tiere mit sich. Unbemerkt erfasst sie plötzlich ein elektronischer Bewegungsmelder. Eine winzige versteckte Kamera, kaum größer als ein Finger, schaltet sich ein und macht mehrere Fotos. In Sekunden analysiert ein Mini-Computer die Bilder: Was bewegt sich da – Tiere oder Menschen? Der Computer erkennt die Umrisse und Bewegungen der Männer und schaltet auf Alarm. Wenige Augenblicke später wird ein Bild per Satellitenverbindung zum Camp der Park-Ranger geschickt. Ihre Eingreiftruppe rückt aus. „Schließlich haben sie die Wilderer mit Spürhunden fünf Stunden durch den Busch gejagt“, erzählt Eric Dinerstein stolz. „Am Ende konnten 20 Wilderer festgenommen werden, sie hatten mehrere hundert Kilo Bushmeat bei sich.“

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Ihren Erfolg haben die Wildhüter dem von Dinerstein mitentwickelten Anti-Wilderer-Systems TrailGuard zu verdanken. Im Grumeti-Reservat in Tansania wurde es im Jahr 2018 erstmals erprobt. Dinerstein, ehemals Cheftechnologe des WWF, arbeitet seit einigen Jahren für die Tierschutzorganisation Resolve in Washington. Zusammen mit Intel und Microsoft entwickeln sie moderne Systeme für den Artenschutz. TrailGuard soll den Kampf gegen die Wilderei revolutionieren. „Die Wilderei ist wie eine Epidemie“, sagt Dinerstein. Jedes Jahr würden Millionen Tiere getötet, etwa 25.000 bis 35.000 Elefanten und über tausend Nashörner, zudem Hunderttausende Gnus, Antilopen, Zebras und andere. „Ich glaube, mit moderner Technik könnten wir die Zahlen um 80 bis 90 Prozent reduzieren und das Aussterben ganzer Arten verhindern“, meint Dinerstein.

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