https://www.faz.net/-gqe-a7w2m
Bildbeschreibung einblenden

Energiewende in Europa : Erstmals mehr Ökostrom als fossiler in der EU

Abendrot über Windenergieanlagen im Windpark «Odervorland» im Landkreis Oder-Spree. Bild: dpa

Europa steigt gleichzeitig aus Kohle, Atomkraft und Mineralöl aus. Das müssen erneuerbare Energien auffangen. Im vergangenen Jahr wurde die Stromversorgung erstmals mehr aus erneuerbaren als aus fossilen Quellen gewonnen.

          2 Min.

          Angeführt von der Nutzung erneuerbarer Energieträger in Dänemark, Irland und auch in Deutschland, hat die Europäische Union im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom aus alternativen Quellen erzeugt als aus fossilen Rohstoffen. Das Verhältnis betrage jetzt 38 zu 37 Prozent, gaben die britischen und deutschen Denkfabriken Ember und Agora Energiewende am Montag bekannt. „Europa konnte 2020 das grünste Stromjahr aller Zeiten verzeichnen“, teilten die Organisationen bei der Vorlage ihrer gemeinsamen Analyse „The European Power Sector in 2020“ mit.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Vorangetrieben wurde der Wandel vor allem durch die schnelle Zunahme der Wind- und Solarstromerzeugung. Diese hat sich den Angaben zufolge seit 2015 fast verdoppelt, 2020 stammte ein Fünftel des EU-Stroms aus solchen Anlagen. Die höchsten Anteile wurden in Dänemark mit 61 Prozent gemessen, gefolgt von Irland mit 35 und Deutschland mit 33 Prozent. Das sonnenreiche Spanien landete mit 29 Prozent auf Platz vier.

          „Europa hat einen Meilenstein erreicht“

          Zugleich hat sich die Kohleverstromung seit 2015 halbiert, allein im Jahr 2020 sank sie um ein Fünftel. Kohlekraftwerke liefern den Daten zufolge nur noch 13 Prozent des europäischen Stroms. Die Erzeugung von Elektrizität aus Erdgas sank 2020 ebenfalls, allerdings nur um 4 Prozent. Die Autoren erklären das mit dem stark gestiegenen Preis für Emissionszertifikate.

          Photovoltaik auf Sizilien
          Photovoltaik auf Sizilien : Bild: Reuters

          Erdgas gilt unter den fossilen Trägern als vergleichsweise „sauber“, weshalb weniger Verschmutzungsrechte nötig sind. Das führte dazu, dass Strom aus importiertem Gas 2020 in Deutschland, Polen und in der Tschechische Republik sogar erstmals billiger war als jener aus der heimischen und im Tagebau geförderten Braunkohle.

          „Europa hat zu Beginn eines Jahrzehnts globaler Klimaschutzaktivitäten einen Meilenstein erreicht“, lobte Dave Jones, Stromanalyst bei Ember und Hauptautor des Berichts. „Das rasante Wachstum von Wind- und Solarenergie hat die Kohle in die Knie gezwungen.“ Das sei indes erst der Anfang, denn Europa wolle ganz aus der Kohle- und Gasverstromung aussteigen, müsse Kernkraftwerke ersetzen sowie den steigenden Bedarf an Ökostrom für Elektroautos, Wärmepumpen und Elektrolyseuren zur Wasserstofferzeugung decken.

          Dem Papier zufolge sank die europäische Stromnachfrage 2020 um 4 Prozent und erreichte im April während der ersten Covid-19-Welle einen Tiefstand. Die Studie ergab auch, dass der Strom um 29 Prozent weniger CO2-intensiv war als 2015. Die Kohlenstoffintensität erreichte ein Rekordtief von 226 Gramm CO2 je Kilowattstunde.

          Der Zuwachs von Wind- und Solarstrom habe mit 51 Terawattstunden weit über dem Durchschnitt der Vorjahre gelegen, heiß es. Für die Klimaneutralität seien jedoch 100 Terawattstunden nötig. Die Nationalen Energie- und Klimapläne der EU-Mitglieder erhöhten diesen Wert bis 2030 nur auf 75 Terawattstunden.

          Weitere Themen

          Der Neue bei McKinsey

          FAZ Plus Artikel: Fabian Billing : Der Neue bei McKinsey

          Fabian Billing leitet von März an das Deutschland-Geschäft der Strategieberatung. Der 46-Jährige übernimmt in einer schwierigen Phase und soll das Geschäft stark ausbauen.

          Topmeldungen

          Corona-Impfung am Freitag in Bremen

          F.A.S. exklusiv : Politiker wollen Impfwillige belohnen

          Unionspolitiker möchten Vorteile für Geimpfte zulassen. Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats spricht von einer moralischen Pflicht, sich impfen zu lassen, aber keiner gesetzlichen Impfpflicht.
          Übernimmt in einer chaotischen Zeit: Fabian Billing wird der neue Deutschland-Chef bei McKinsey.

          Fabian Billing : Der Neue bei McKinsey

          Fabian Billing leitet von März an das Deutschland-Geschäft der Strategieberatung. Der 46-Jährige übernimmt in einer schwierigen Phase und soll das Geschäft stark ausbauen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.