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Endlager für Atommüll : Deutschland sucht, das Ausland findet

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Abendsonne und Atomkraft: Auf der finnischen Insel Olkiluoto gibt es Kraftwerke und bald auch ein Endlager. Bild: Sebastian Balzter

Ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll wird es hierzulande frühestens 2050 geben. In anderen Ländern geht das deutlich schneller – vor allem in Finnland und unweit der deutschen Grenze.

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          Wenn man der Bundesregierung eines nicht vorwerfen kann, dann dass sie die Suche nach einem Atommüll-Endlager überstürzt angeht. Im Jahr 2031 soll der Standort feststehen, 2050 die Einlagerung beginnen – wenn alles gutgeht. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist dennoch überzeugt vom deutschen Weg. Deutschland sei bei der Lösung des Atommüll-Problems weiter als die meisten anderen Länder mit Atomkraftwerken, sagte sie am Montag.

          Zumindest FINNLAND kann Schulze damit nicht meinen. Auf der Insel Olkiluoto, im Südwesten des Landes, sollen schon in vier bis fünf Jahren die ersten gebrauchten Brennstäbe eingelagert werden. „Es sieht gut aus“, sagte Janne Mokka, Chef der Betreibergesellschaft, der F.A.Z. kürzlich auf die Frage, ob dieser Zeitplan trotz Corona zu halten sei. Aller Voraussicht nach habe man Mitte der zwanziger Jahre „das erste funktionsfähige Endlager für hochradioaktiven Abfall auf der Welt“. Die Finnen, die knapp ein Drittel ihres Stroms aus Kernenergie beziehen, haben vor, den atomaren Abfall in Kupferkapseln einzuschließen und sie 450 Meter unter der Oberfläche in fast zwei Milliarden Jahren altem Granitgestein zu lagern. Nicht nur geologisch hat Finnland die besseren Voraussetzungen für ein Endlager. Auch die Bürger stehen dem Thema offener gegenüber. „Hier in Finnland sind alle überzeugt davon, dass sich diejenige Generation, die von der Atomkraft profitiert und den Strom aus den Atomkraftwerken verbraucht, auch um den Abfall kümmern und ein Endlager bauen muss“, sagte Betreiber-Chef Mokka. Selbst die Grünen seien für das Endlager auf der Insel.

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