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Wandel der Autobranche : „Wir sind ins Hintertreffen geraten“

Arbeit an der Zukunft: Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt sich im Jahr 2019 die Elektroauto-Produktion von Volkswagen in Zwickau zeigen. Bild: AFP

Elektroautos sollen helfen, das Klima zu schützen. Laut einer neuen Studie könnte das bis zum Jahr 2025 zehntausende Stellen in Deutschland kosten. Der VDA fordert mehr Engagement für den Industriestandort.

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          Die Fertigung von Autos mit Diesel- und Benzinmotoren sichert heute die Existenz hunderttausender Menschen in Deutschland. Laut dem Münchner ifo-Institut hingen im Jahr 2019 gut 614.000 Arbeitsplätze in Deutschland direkt und indirekt von Verbrennungsmotoren ab, da diese Mitarbeiter Dieselmotoren, Auspufftöpfe, Schaltgetriebe oder Kraftstoffe herstellten. Weil sich wegen der bisher geltenden Klimaschutzziele aber der Anteil der produzierten Elektroautos in den nächsten Jahren erhöhen wird, steigt auch der Druck auf diese Arbeitnehmer.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Laut einer neuen Studie, die das ifo-Institut im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie erstellt hat und am Donnerstag präsentierte, müssen sich deshalb in den nächsten Jahren zehntausende Mitarbeiter darauf einstellen, sich entweder weiterzubilden oder aber womöglich ihren  Arbeitsplatz zu verlieren, wenn der Hochlauf der Elektromobilität sich wie erwartet fortsetzt. 

          Prognosen sind schwierig

          Bis zum Jahr 2025 sind von dem Wandel zur Elektromobilität laut ifo-Institut zwischen 137.000 und gut 170.000 Beschäftigte in der Automobilbranche betroffen. Gleichzeitig werden zwischen 75.000 und 87.000 Beschäftigte in Ruhestand gehen, so dass sich die tatsächliche Zahl der bedrohten Stellen in der Branche rechnerisch auf einen Wert zwischen rund 50.000 und 95.000 beläuft.

          Wie viele Stellen davon tatsächlich wegfallen, lasse sich nicht genau prognostizieren, hieß es am Donnerstag. Die Lücke zwischen den vom Wandel zur Elektromobilität betroffenen Beschäftigten und der anstehenden altersbedingten Beschäftigungsfluktuation verdeutliche aber, „wie tiefgreifend der laufende Transformationsprozess in den kommenden Jahren sein wird“, heißt es in der Studie. „Es sind bereits heute erhebliche Anstrengungen nötig, um den Transformationsprozess zu meistern und gleichzeitig die negativen Beschäftigungswirkungen abzufedern.“ Dazu zählt das ifo-Institut unter anderem Weiterbildung und Umschulung von Mitarbeitern.

          Herausforderung Klimaziele

          Auf lange Frist gesehen erhöht sich die Zahl der von der Transformation betroffenen Mitarbeiter, die Lücke der Arbeitsplätze mit Anpassungsdruck wird aber kleiner. Bis zum Jahr 2030 betrifft der Wandel zur Elektromobilität laut der Studie zwischen 165.000 und 222.000 Mitarbeiter in der Autobranche. Zugleich werden aber gut 140.000 Arbeitnehmer aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Damit verbleiben zwischen rund 25.000 und 82.000 Arbeitsplätze, die transformiert werden müssen. „Die Herausforderungen werden im Hinblick auf die Beschäftigung bis zum Jahr 2025 größer sein“, konstatiert die ifo-Studie.

          „Die Zahlen zeigen, welche enorme Herausforderung bei der Anpassung vor allem bis zum Jahr 2025 vor uns stehen“, sagte Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). „Bis 2030 können mehr als 200.000 Arbeitsplätze gerade in der mittelständischen Zulieferindustrie wegfallen, die unter den aktuellen Bedingungen nicht neu geschaffen werden können.“

          Auch angesichts der aktuellen Pläne der Bundesregierung, die Klimaziele zu verschärfen, forderte Müller die Politik auf, mehr für den Industriestandort Deutschland zu tun. Hohe Steuern, Abgaben und Energiekosten und mangelnde Bildungsinvestitionen ließen Deutschland im internationalen Standortwettbewerb immer weiter zurückfallen. „Wir sind ins Hintertreffen geraten und haben Rahmenbedingungen, die weder Innovation noch Investitionen ausreichend fördern. Wir müssen die Chance nutzen unsere Klimapolitik mit Innovationen und Technologieoffenheit zum Wachstums- und Jobmotor zu machen, nur so kommt Deutschland wieder an die Spitze und kann Beschäftigung sichern.“

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