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Schweizer Hersteller : Eine Milliarde für ostdeutsche Solarindustrie

Eine Solaranlage in Bitterfeld, wo Meyer Burger investieren wird. Bild: Roger Hagmann

Ein Schweizer Unternehmen will 3000 Arbeitsplätze schaffen und dabei die Anlagen insolvent gegangener Mitbewerber nutzen. Dabei macht das Unternehmen selbst seit Jahren deftige Verluste.

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          Der Schweizer Solartechnikausrüster Meyer Burger Technology AG will in großem Umfang in Ostdeutschland investieren. Das Unternehmen plant, in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) und Freiberg (Sachsen) eine Solarzellen- und Modulfertigung aufzubauen. Mit Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro sollen die Kapazitäten von zunächst jährlich 800 Megawatt bis 2026 auf 5 Gigawatt hochgefahren werden. Dadurch würden bis zu 3000 Arbeitsplätze geschaffen, teilt das Unternehmen mit, das selbst derzeit nur 730 Mitarbeiter beschäftigt.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          „Wir freuen uns sehr darauf, zwei der traditionsreichsten Solarstandorte Europas wiederzubeleben“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Gunter Erfurt. Die Schweizer wollen die Gebäude und Anlagen der ehemaligen Solarzellenhersteller Sovello und Solarworld nutzen, die bereits vor Jahren in die Insolvenz geschlittert sind. Aus der Insolvenzmasse von Solarworld erwerben sie überdies ein 14.000 Quadratmeter großes Logistik- und Distributionszentrum in Freiberg, sofern die Gläubigerversammlung der Solarworld Industries GmbH ihr Plazet gibt.

          Meyer Burger ist allerdings selbst nicht auf Rosen gebettet. Der Konzern, der einst Umsätze in Milliardenhöhe erreichte, 2019 aber nur noch 262 Millionen Franken erlöste, macht seit Jahren deftige Verluste. Der Aktienkurs liegt am Boden. Die Investitionsoffensive in Ostdeutschland ist Ausfluss eines ungewöhnlichen Strategiewechsels: Bisher fertigte das Unternehmen aus Thun Anlagen für die Produktion von Solarmodulen. Fortan will es diese Module jedoch selbst herstellen. Das Unternehmen tritt also in Konkurrenz zu seinen bisherigen Kunden.

          Das Geld für den teuren Kurswechsel will sich der Vorstand über eine Kapitalerhöhung im Volumen von 165 Millionen Franken holen, über die die leidgeprüften Aktionäre an diesem Freitag in einer außerordentlichen Versammlung abstimmen. Benötigt wird eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen. Die Mittel sollen für den ersten Aufbauschritt in Sachsen und Sachsen-Anhalt reichen, wo man im ersten Halbjahr 2021 mit der Produktion beginnen will. Für die zweite Ausbauphase will der Vorstand Kredite von 180 Millionen Franken aufnehmen.

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