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Energieagentur schlägt Alarm : Die Welt verbraucht mehr Energie denn je

Der energiebedingte CO2-Ausstoß ist so hoch wie nie: Rauch und Wasserdampf steigen aus den Schornsteinen und Kühltürmen des Kohlekraftwerks Laziska bei Kattowitz in Polen. Bild: dpa

Für die Internationale Energieagentur besteht dringender Handlungsbedarf, was die Verringerung der Emissionen angeht. Es gebe genügend Warnsignale wie die steigende Nachfrage nach SUVs und die Zunahme extremer Wetterlagen.

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          Die Fachleute der Internationalen Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris gelten als führende Sachverständige, wenn es um die Beurteilung energiepolitischer Entwicklungen geht. Mit dieser Autorität haben sie am Mittwoch versucht, die internationale Öffentlichkeit wachzurütteln. „Wie mit einem Laser muss die Welt den Brennpunkt dringend auf die Verringerung der weltweiten Schadstoffemissionen richten“, sagte Fatih Birol, der IEA-Exekutivdirektor bei der Vorlage des Weltenergieberichtes.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Denn der energiebedingte Ausstoß von Kohlendioxid war im vergangenen Jahr global höher denn je: Allein 2018 kamen 1,9 Prozent dazu – der kräftigste Zuwachs seit 2013. Wenn die Menschheit so weitermacht wie bisher, wird noch nicht einmal 2050 der Höhepunkt erreicht sein, geht aus dem Bericht hervor.

          Der Grund ist vor allem der steigende Energiebedarf. Im vergangenen Jahr kletterte er bezogen auf die Primärenergie global um kräftig 2,3 Prozent – der stärkste Anstieg seit 2010. 70 Prozent des Zuwachses gehen auf die Vereinigten Staaten und China zurück. Extreme Wetterlagen, vor allem heiße Sommer, welche die Klimaanlagen antrieben, aber auch Kältephasen mit viel Heizbedarf, standen nach Schätzung der IEA für ein Fünftel des Anstieges. Dabei enttäuscht bis heute die Entwicklung des Energiemix: Der Anteil fossiler Energieträger betrug im vergangenen Jahr 81 Prozent – sogar noch höher als die 80 Prozent aus dem Jahr 2000.

          Sinkende Kosten für Solarenergie machen Hoffnung

          Die IEA beschreibt auch ein Szenario, das alle Versprechen der Regierungen für die Zukunft berücksichtigt, darunter auch den Kohleausstieg in Deutschland. Die deutsche Klimapolitik bezeichnet Birol in diesem Zusammenhang im internationalen Vergleich als „eine der engagiertesten und progressivsten Strategien“. Doch auch unter Berücksichtigung der verschiedenen Regierungsankündigungen würde global der Energieverbrauch bis 2040 jährlich noch um 1 Prozent wachsen – gegenüber 1,3 Prozent im Fall einer unveränderten Politik. Und der Anteil fossiler Energieträger im gloablen Verbrauch sänke bis 2040 nur von 81 auf 74 Prozent. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, wäre dagegen ein Rückgang auf 58 Prozent erforderlich.

          So kann die IEA in ihrem jüngsten Bericht nur begrenzt Mut machen. Die Anstrengungen für Energieeffizienz, wie Isolierungsmaßnahmen, sind auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen, bedauert die IEA. Sie beklagt auch, dass alle über Elektroautos redeten, doch auf Wachstumskurs lägen vor allem geländewagenähnliche Vehikel, kurz SUV genannt, die im Schnitt je Kilometer rund ein Viertel mehr Öl verbrauchen als mittelgroße Wagen. Im vergangenen Jahr standen SUV für 42 Prozent aller Autoverkäufe – mehr als doppelt so viel wie zehn Jahre zuvor.

           An Hoffnungszeichen meldet die IEA indes, dass die Kosten für Solarenergie immer günstiger werden. Gerade für Afrika sei das eine Chance, wo die installierten Kapazitäten allerdings erst dem Niveau der Niederlande entsprechen. Immerhin: Bis 2050 werde die Sonne nach den IEA-Schätzungen global der größte Energieträger bei der Stromerzeugung sein, wenn die heute gemachten Regierungsversprechen eingehalten werden, gefolgt von Gas, Kohle, Wind- und Wasserkraft. Bei den „Offshore“-Windanlagen sei allerdings noch nicht der gleiche Aufschwung zu sehen wie bei der Solarenergie. Die Regierungen müssten dort intervenieren, um die Kosten zu senken, fordert die IEA.

          Alle Szenarien stehen unter dem Vorbehalt großer Unsicherheit, wie die Energieagentur selbst einräumt. Vor einigen Jahren hat niemand den Aufstieg der Vereinigten Staaten zu einem der größten Energielieferanten der Welt vorhergesagt. Aufgrund der Funde von Schiefergas und -öl sind die Amerikaner heute im Saldo ein Exporteur von Gas, und bald werden sie auch ein Nettoexporteur von Öl sein, so die IEA.

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