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Energiewende : Russlands ausgelaugte Ölfelder

Ostsibirien: Das Yarakta Ölfeld in der Region Irkutsk Bild: Reuters

Russlands Öl-Reserven sind riesig. Mit der Energiewende stellt sich allerdings eine neue Frage: Wird so viel Öl in Zukunft überhaupt noch gebraucht?

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          Russland ist ein Petro-Staat, der hauptsächlich von der Ölförderung lebt. Daran hat sich in den beinahe zwanzig Jahren, in denen Wladimir Putin das Land führt, wenig geändert. Auch wenn er immer wieder mahnt und verspricht, die Wirtschaft umzubauen und statt Rohstoffen Hochtechnologie und Software zu verkaufen: Im vergangenen Jahr brachte das Öl dem Staatshaushalt mehr als ein Drittel der Einnahmen ein und lag damit weit vor allen anderen Wirtschaftszweigen, auch vor dem Gassektor. Beide zusammen machen etwa die Hälfte des Budgets aus. Putin spricht gerne von den „kolossalen“ Ölreserven seines Landes, mit denen Russland weltweit an achter Stelle liegt. Bei den Ölexporteuren liegt Russland bisher auf Rang zwei hinter Saudi-Arabien, bei der Förderung auf Rang drei. Lange Zeit schien es, als könne sich das Land daher Zeit lassen für die Modernisierung der Wirtschaft. Doch das Modell könnte schneller als bisher gedacht ins Wanken geraten.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Das größte Problem der russischen Ölwirtschaft ist lange bekannt: Die Qualität der vorhandenen Reserven wird Jahr für Jahr schlechter. Viele der größten Ölfelder Westsibiriens, von wo mehr als die Hälfte der gesamten Fördermenge stammt, sind inzwischen ausgelaugt. Die meisten von ihnen wurden schon zu Sowjetzeiten in Betrieb genommen, und auch wenn die Fördertechnik sich weiterentwickelt hat und selbst alte Vorkommen immer länger und effektiver ausgebeutet werden können, sinkt die Förderung dort erheblich. In der größten Ölförderregion, dem Autonomen Kreis der Chanten und Mansen im Westen Sibiriens, fiel die Produktion zwischen 2008 und 2019 um 15 Prozent, obwohl die Zahl der Bohrungen im selben Zeitraum um 66 Prozent anstieg.

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