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Mit Kohleausstieg : Corona könnte Deutschland sein Klimaziel erreichen lassen

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Windräder stehen im Sonnenaufgang bei Sieversdorf in Brandenburg. Bild: dpa

Weniger Umdrehungen in der Wirtschaft bedeuten weniger CO2-Ausstoß. Krisenzeiten sind deshalb andererseits gute Zeiten fürs Klima. Vielleicht schafft Deutschland sein längst beerdigtes Klimaziel also doch noch – das Umweltministerium ist zuversichtlich.

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          Um 40 Prozent wollte Deutschland dieses Jahr seine CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 reduzieren. Dieses Ziel hatte die Bundesregierung eigentlich schon längst beerdigt. Nun rückt das Ziel unerwartet wieder in greifbare Nähe – es brauchte dafür nur eine globale Virus-Pandemie. Helfen tut außerdem das jüngst beschlossene Aus für die deutschen Kohlekraftwerke.

          Vor allem der Rückgang des CO2-Ausstoßes von Kohlekraftwerken führte 2019 schon zu einem Minus von 6,3 Prozent bei den Treibhausgasen, wie Umweltministerium und Umweltbundesamt (UBA) am Montag mitteilten. Im Vergleich zu 1990 wurde so 35,7 Prozent weniger CO2 produziert. „Wir werden eine Reduzierung der Emissionen durch Corona erleben. Das ist ja offensichtlich“, sagte UBA-Chef Dirk Messner. Schon 2009 hatte Deutschland durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich weniger Treibhausgase ausgestoßen. Die Virus-Krise und seine Folgen könnten die Bundesrepublik nun 2020 doch noch über die Ziellinie von 40 Prozent weniger als 1990 schieben.

          Messner und Umweltministerin Svenja Schulze warnten jedoch: „Es hilft uns nicht, wenn ein Jahr die Emissionen runtergehen und im nächsten wieder hoch.“ Corona sei ein einmaliger Ausnahmefall. Er könne aber auch eine Chance bergen, wenn die Menschen jetzt Ergebnissen und Warnungen der Wissenschaft mehr Beachtung schenkten und dies auf die Klimakrise übertrügen. Bei einem Neustart der Wirtschaft nach der Coronakrise stelle sich die Frage: „Wie genau kann Wirtschaft auch wieder starten, dass es nachhaltig ist.“

          Emissionshandel half dem Klima

          Im vergangenen Jahr wirkten sich die gegenüber 2018 fast verdoppelten Börsenpreise für Verschmutzungsrechte zum CO2-Ausstoß aus. Sie machten vor allem Kohlekraftwerke unwirtschaftlich, so dass der Energiesektor fast 17 Prozent weniger CO2 produzierte als 2018. Schulze und Messner sprachen sich dafür aus, endlich den Koalitionsstreit um Abstände von Windrädern zu Wohngebäuden zu beenden, um den Ausbau voranzubringen.

          Auch in der Industrie machten sich die Preise bemerkbar, wo trotz Wirtschaftswachstums ein Rückgang der Emissionen von fast vier Prozent verzeichnet wurde. Mit Blick auf 2020 ist allerdings zu beachten, dass die Preise in einer Wirtschaftsflaute gewöhnlich sinken, was einem weiteren Rückgang entgegen wirken würde.

          Der Verkehrssektor, der seit 1990 praktisch kein CO2 eingespart hatte, legte den Angaben zufolge auch im vergangenen Jahr wieder leicht zu. Grund ist die wachsende Zahl von Lastwagen und Autos mit zudem stärkeren Motoren, obwohl diese effizienter wurden.

          Für die Bundesregierung ist vor allem das international verpflichtende Klimaziel 2030 entscheidend. Deutschland muss bis dahin gegenüber 1990 rund 55 Prozent CO2 einsparen. Gutachten von Umwelt- und Wirtschaftsministerium haben kürzlich vorhergesagt, dass mit Hilfe des Klimapakets gut 50 Prozent geschafft werden.

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