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Corona-Folgen : Der Stromverbrauch sinkt in Deutschland

  • -Aktualisiert am

In Deutschland wird derzeit 8,7 Prozent weniger Strom verbraucht als noch Anfang März. Bild: dpa

Weil viele Fabriken und Geschäfte geschlossen sind, geht der Stromverbrauch in Deutschland zurück. Allerdings nicht so stark wie in anderen Ländern.

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          Die Corona-Krise wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus. Viel mehr Menschen als bislang bleiben zu Hause, während Hotels, Restaurants und andere Geschäfte schließen oder kaum noch Kunden haben. Das wirkt sich auch auf den Stromverbrauch in Deutschland aus: Derzeit wird hierzulande 8,7 Prozent weniger Strom verbraucht als noch Anfang März. Das hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) berechnet, deren Mitgliedsunternehmen für jeweils rund 90 Prozent des Strom- und des Erdgasabsatzes in Deutschland stehen.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft

          Der Rückgang liegt vor allem daran, dass die Industrie weniger Strom verbraucht als bislang, weil zahlreiche Fabriken derzeit weniger oder gar nicht arbeiten. Hingegen sind Mitarbeiter in anderen Branchen öfter von zu Hause aus tätig, wodurch sie öfter elektronische Geräte in den eigenen vier Wänden anschalten und die Internetnutzung ebenfalls steigt. Der BDEW geht zwar von einem erhöhten Stromverbrauch in privaten Haushalten sowie an Internetknoten und Rechenzentren aus, da Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen und im Homeoffice arbeiten. Dieser Anstieg wird jedoch durch den weggefallenen Stromverbrauch der Industrie überkompensiert. Anfang der Woche wurden in Deutschland etwa 1,3 bis 1,4 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht. Zu Beginn des Monats März waren es rund 1,5 Milliarden Kilowattstunden.

          Wie stark sich das in der Klimabilanz Deutschlands bemerkbar macht, hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab. Entscheidend wird sein, wie lange Industrie und Gewerbe in Teilen pausieren und wie rasch die Unternehmen ihre Geschäfte wieder aufnehmen werden. Vorläufigen Berechnungen zufolge ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoinlandsstromverbrauch in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf etwas mehr als die Hälfte gestiegen. Als Corona-Effekt wird hierbei ein Rückgang der Industrieproduktion Ende März genannt, was in Verbindung mit einer insgesamt vergleichsweise schwachen Konjunktur zum Rückgang des Stromverbrauchs um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr beitrug. Stärker machten sich Windstürme im Februar und viele Sonnenstunden im März bemerkbar. In den ersten drei Monaten wurde in Deutschland eine Strommenge von 148 Milliarden Kilowattstunden verbraucht. Im Vorjahreszeitraum waren es 151 Milliarden Kilowattstunden.

          Hoher Stromanteil von Industrie und Gewerbe

          Zum Anfang der Corona-Pandemie in Deutschland waren die Folgen für den Stromverbrauch kaum sichtbar. Das hat sich nun geändert. Laut BDEW war der Stromverbrauch in der vergangenen Woche um 7,4 Prozent niedriger als in der ersten Märzwoche. In den ersten drei Tagen der laufenden Woche betrug der Rückgang 8,7 Prozent im Vergleich zur ersten Märzwoche. Diese Veränderungen beziehen sich auf den Gesamtstromverbrauch, weswegen ebenfalls Saison- und Temperatureffekte eine Rolle spielen können und diese nicht allein auf die aktuelle Corona-Krise zurückzuführen ist. Der BDEW spricht allerdings von einer aussagekräftige Indikation, da saisonale oder witterungsbedingte Effekte deutlich geringeren Einfluss auf den Stromverbrauch hätten.

          „Wir gehen aufgrund der Pandemie von tendenziell sinkenden Stromverbräuchen aus, da beispielsweise die Industrieproduktion rückgängig ist und auch der Bereich Gewerbe, Dienstleitungen und Handel die Auswirkungen spürt. Beide Bereiche zusammen verbrauchen fast 75 Prozent des Stroms in Deutschland“, teilt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) auf Anfrage mit, unter deren Mitgliedsunternehmen die Stadtwerke und anderen Energiebetriebe sind.

          In anderen Ländern sind die Folgen der Corona-Krise wesentlich stärker: In Italien lag der Verbrauch in den ersten drei Tagen der laufenden Woche 30 Prozent unter dem der ersten Märzwoche.  In Frankreich waren es 20 Prozent, in Spanien 19 Prozent und in den Niederlanden 18 Prozent.

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