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Dänemark und Deutschland : Neues Seekabel verbindet Windparks in der Ostsee

Der Windmühlenpark Middelgrunden in Dänemark Bild: ddp

Startschuss für ein deutsch-dänisches Gemeinschaftsprojekt, das die Stromnetze in Europa enger miteinander verbinden soll. Nicht nur Wirtschaftsminister Altmaier ist voll des Lobes.

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          Europas Stromnetze wachsen etwas enger zusammen. Nach fast vier Jahren Bauzeit steht die Inbetriebnahme eines neuen Interkonnektors in der Ostsee kurz vor der Fertigstellung.

          Niklas Záboji
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Combined Grid Solution genannte Seekabel soll die dänische Region Sjælland auf einer Länge von zwei Mal 25 Kilometern mit Mecklenburg-Vorpommern verbinden, den grenzüberschreitenden Handel mit Elektrizität vereinfachen und so einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Zugleich verbindet die Combined Grid Solution drei bestehende und geplante Windparks in der Ostsee.

          Der deutsche Netzbetreiber 50Hertz und sein dänisches Pendant Energinet rühmten das Projekt bei der Inbetriebnahmefeier am Dienstag als „weltweit ersten hybriden Offshore Interkonnektor“. Als „technische Innovation“ habe das Seekabel „Vorbildcharakter für zukünftige Stromnetze im Offshore-Bereich“.

          Altmaier: Leuchtturmprojekt

          Der Bau befinde sich auf der Zielgeraden und werde Ende dieses Jahres abgeschlossen. Die Übertragungsleistung beträgt 400 Megawatt, die Kosten belaufen sich auf rund 300 Millionen Euro. Einen Teil davon übernimmt die EU.

          „Hybriden Offshore-Interkonnektoren gehört die Zukunft“, sagte Catherina Sikow-Magny, Energiemarkt-Direktorin in der EU-Kommission. „Um dies zu unterstützen, werden wir die notwendigen regulatorischen Rahmenbedingungen dafür schaffen.“

          Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lobte das Vorhaben und die damit verbundene Ingenieursleistung. „Die Combined Grid Solution ist ein europäisches Leuchtturmprojekt für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich Windenergie auf See, die künftig eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einem klimaneutralen Europa spielen kann“, sagte er.

          Weniger Windräder auf See als auf Land

          Deutschland ist in Europa der zweitgrößte Markt für die Offshore-Windkraft. Großbritannien kommt laut der Branchenvereinigung Windeurope auf einen Anteil von 45 Prozent, Deutschland auf 34 Prozent. Auf Platz drei steht Dänemark mit 8 Prozent. Bislang lag der Fokus mehrheitlich auf der Nordsee, doch auch die Ostsee wird an Bedeutung gewinnen, glaubt Windeurope-Geschäftsführer Giles Dickson: „Wir schätzen, dass von insgesamt 450 Gigawatt, die bis 2050 durch Offshore-Wind in Europa produziert werden, etwa 85 Gigawatt auf die Ostsee entfallen.“ 

          Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik kommen die deutschen Offshore-Windparks auf 3500 bis 4000 Volllaststunden. Sie arbeiten rechnerisch also das halbe Jahr und somit mehr als doppelt so häufig wie Windräder an Land mit voller Leistung. Es sind in Deutschland allerdings deutlich weniger Windräder auf See installiert, mit 7,5 Gigawatt nur ein Siebtel der installierten Leistung an Land. Der Anteil der Windkraft am Stromverbrauch beträgt derzeit ein Viertel, der Anteil am Gesamtenergieverbauch ist deutlich geringer.

          „Die Bedeutung von Offshore-Wind auch als grundlastfähiger Strom wird in Zukunft mehr und mehr zunehmen“, ist Peter Reitz, Geschäftsführer der europäischen Energiebörse EEX, dennoch überzeugt. „Das stellt auch neue Anforderungen an die Netze.“ Die Kapazitäten für den Stromaustausch würden derzeit um mehr als 40 Prozent erhöht und die Combined Grid Solution werde ein wichtiger Schritt sein, um das Ganze zukunftsfähig zu machen.

          50Hertz-Chef Stefan Kapferer betonte, das neue Seekabel gebe dem Netzbetreiber „gleich mehrere Optionen an die Hand, Frequenz und Spannung im Übertragungsnetz jederzeit zu halten, noch flexibler mit der Integration von Erneuerbaren Energien umzugehen und die Stabilität des Gesamtsystems zu erhöhen“. Es sei daher „ein wichtiger Baustein in unserer Strategie, die Stromnachfrage in unserem Netzgebiet bis 2032, über das Jahr gerechnet, zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien decken zu können“. Der deutsche Staat hält über die Förderbank KfW 20 Prozent an 50Hertz.

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