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Unterirdische Speicher : CO2 lässt sich bald nach Island verschiffen

Fixierter Kohlenstoff in einem Basaltbohrkern im isländischen Hellisheidi, im Hintergrund ein Geothermalkraftwerk Bild: Golli Thorbjornsson

Island will in größerem Stil CO2 speichern – und der Atmosphäre so dauerhaft entziehen. Auch in Deutschland werden die Rufe nach einer Renaissance der Speichertechnik lauter.

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          Island will künftig in größerem Stil Kohlendioxid von Industriekunden aus Großbritannien und Kontinentaleuropa einschiffen und im Untergrund speichern. Der Startschuss für das schon länger geplante CO2-Mineralienspeicher-Terminal fällt nach Informationen der F.A.Z. an diesem Donnerstag.

          Niklas Záboji
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zur Anwendung kommen soll dabei die Technologie des sogenannten Carbfix-Projekts, das 2006 vom Energieversorger Reykjavík Energy und Wissenschaftlern aus mehreren Ländern entwickelt wurde. Mittlerweile gilt das Verfahren, bei dem CO2 in Basalt injiziert und binnen zwei Jahren in Karbonatgestein umgewandelt wird, als wissenschaftlich anerkannt. So wird das Klimagas dauerhaft der Atmosphäre entzogen. Die EU finanziert die Entwicklung.

          Die Errichtung des Importterminals soll in diesem Jahr beginnen. Von 2030 an wollen die Isländer jährlich 3 Millionen Tonnen CO2 einführen können. Europäische Industriekunden soll die Einlagerung künftig günstiger kommen, als das Klimagas einfach in die Luft zu blasen. Während der Preis für eine Tonne im Handel mit Emissionszertifikaten am Mittwoch auf mehr als 45 Euro stieg, versprechen die Isländer Kosten von weniger als 20 Euro je Tonne.

          Unternehmen stünden in den Startlöchern

          Auch in Deutschland mehren sich die Stimmen, Verfahren zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) nicht zu vernachlässigen. War die Politik trotz erfolgreicher Erprobung in Brandenburg vor ein paar Jahren eingeknickt gegenüber dem Druck von Umweltverbänden, steht CCS nun vor einer Renaissance.

          „Technologien zur direkten Vermeidung von Treibhausgasemissionen, wie etwa der Ausbau erneuerbarer Energien oder energieeffizienzsteigernde Maßnahmen, reichen für das Ziel der Klimaneutralität allein nicht aus“, schrieb der Bundesverband der Deutschen Industrie in einem vorige Woche veröffentlichten Positionspapier. Neben CCS macht er sich darin auch für die Weiternutzung von „verbrauchtem“ CO2 in der Produktion stark, dem sogenannten CCU.

          „CCS ist etwas, was man unter anderem für die Zement- und Kalkindustrie unbedingt braucht“, sagte Frank Peter von der Denkfabrik Agora Energiewende der F.A.Z. – und zwar schon in der mittleren Frist. Unternehmen stünden in den Startlöchern, schon vor 2030 zu investieren. Peter hält es deshalb für sehr wichtig, mit der regulatorischen Architektur voranzukommen, denn bislang sei ungeklärt, wer dafür hafte, dass das CO2 langfristig in den Lagerstätten bleibe. Eine Regulierung wie im Strom- und Gasbereich sei erforderlich.

          „Auch wenn wir schnell in die blaue Wasserstoffwirtschaft einsteigen wollen, braucht es CCS“, betonte Peter. In Deutschland taxiert er den Bedarf auf rund 70 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2050. Als Speicher böten sich in der Nordsee Kavernen oder alte Öl- und Gasfelder an. Die Vermengung von CCS und CCU sieht Peter aber kritisch. „CCU hat die Schwäche, dass es nur in geschlossenem Kreislauf wirklich klimafreundlich ist, wo CO2 langfristig in Produkten gespeichert wird“, sagte er.

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