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Atomkraft in Großbritannien : Kohlendioxid direkt aus der Luft saugen

Modell des geplanten Großkernkraftwerkes Sizewell C an der ostenglischen Küste Bild: F.A.Z.

Das neue britische Atomkraftwerk Sizewell C soll eine CO2-Entnahmeanlage erhalten. Doch die hohen Kosten der Technik sind problematisch.

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          Das geplante Großkernkraftwerk Sizewell C an der ostenglischen Küste soll um eine technische Innovation ergänzt werden. Die britische Regierung gibt Fördergeld, um eine Anlage zu entwickeln, die Kohlendioxid (CO2) direkt aus der Luft filtern und damit einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten soll. Die sogenannte „Direct Air Capture“-“Technik (DAC) wird schon in einigen Pilotanlagen in anderen Ländern erprobt. Mit einer Viertelmillion Pfund ist die jetzt genehmigte öffentliche Förderung zwar nicht besonders hoch, doch ein wichtiges Signal, dass die Londoner Regierung die Technik für vielversprechend hält.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          „Wir verstärken unser Waffenarsenal gegen den Klimawandel und unterstützten Innovationen und Unternehmen, die grüne Jobs im Vereinigten Königreich schaffen“, sagte die Energiestaatssekretärin Anne-Marie Trevelyan. Insgesamt hat die Johnson-Regierung eine Milliarde Pfund (1,15 Milliarden Euro) für die Errichtung von mehreren großen CO2-Speicher-Clustern im Land versprochen. Mit der geplanten DAC-Großanlage in Sizewell sollen, wenn sie einmal läuft, bis zu 1,5 Millionen Tonnen CO2 jährlich aus der Luft gesaugt und neutralisiert werden.

          Dies entspräche zwei Dritteln der Emissionsmenge der britischen Eisenbahnen, deren Elektro- und Diesel-Passagierzüge vor dem Corona-Einbruch etwa 2,4 Megatonnen CO2 im Jahr ausstießen. Das DAC-Projekt in Sizewell wird von einem Konsortium entwickelt. Zu diesem gehören Fachleute der Universität von Nottingham, die Ingenieur- und Baukonzerne Atkins und Strata Technology sowie das Energietechnikunternehmen Doosan Babcock.

          Energieintensiver Prozess

          Der im Bau befindliche Atomreaktor Sizewell C, den hauptsächlich der französische Staatskonzern EDF errichtet, ist wegen hoher Kosten von mehr als 20 Milliarden Pfund nicht unumstritten. Sizewell C soll nach neun Jahren Bauzeit 3,2 Gigawatt Leistung erbringen und damit 7 Prozent der nationalen Stromerzeugung, genug für 6 Millionen Haushalte, übernehmen. Die DAC-Anlage soll dann ein Extra-Klimaplus bringen. „Direct Air Capture mit Hitze aus Sizewell C zu betreiben kann das Kraftwerk CO2-negativ machen“, erklärt Sizewell-Finanzdirektorin Julia Pyke. Es sei wichtig, fügt sie hinzu, einen Weg zu finden, die Kosten für die Technik zu reduzieren.

          Bislang steckt die DAC-Technik noch in den Anfängen. Laut einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) von Mitte 2020 laufen erst 15 Anlagen in Europa, den Vereinigten Staaten und Kanada. Insgesamt entnehmen diese laut IEA etwa 9000 Tonnen CO2 im Jahr aus der Luft. Das gasförmige Kohlendioxid wird mit einem chemischen Prozess aus der Umgebungsluft gefiltert und entweder unterirdisch gespeichert, langfristig chemisch gebunden oder in synthetische Kraftstoffe verwandelt.

          Der Prozess ist aber energieintensiv, die Kosten sind bislang sehr hoch. Die IEA nennt nach Schätzungen in der Literatur eine Spanne von theoretisch 100 bis 1000 Dollar je Tonne CO2. Laut Prognose des World Resources Institute könnten die realen Kosten in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf 150 bis 200 Dollar sinken. Das ist aber immer noch deutlich teurer als Wiederaufforstung mit weit unter 50 Dollar je Tonne CO2. Trotzdem sehen Wissenschaftler und Unternehmen Potential in der DAC-Technik.

          In der Schweiz hat das Start-up Climeworks vor vier Jahren die erste gewerbliche Anlage in Hinwil, Kanton Zürich, auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage installiert. Sie absorbiert knapp 1000 Tonnen CO2 im Jahr. Es wird unter anderem an eine nahe Gärtnerei verkauft, die es als Düngemittel für Pflanzen nutzt. Vergangenes Jahr sammelte Climeworks von Investoren 110 Millionen Dollar ein, nun baut das Unternehmen in Island ein Geothermiekraftwerk mit DAC-Anlage, die 4000 Tonnen CO2 im Jahr absaugen und im Boden speichern soll.

          Um ein Vielfaches größer sind die Pläne von Carbon Engineering aus Kanada, an dem auch Bill Gates beteiligt ist. Zusammen mit dem texanischen Ölunternehmen Occidental hat es in den südlichen USA mit dem Bau von DAC-Anlagen begonnen, die bis zu eine Million Tonnen CO2 jährlich aus der Luft filtern sollen – etwa so viel, wie 40.000 Bäume bei ihrem Wachstum leisten. Carbon Engineering spricht von einem Preis von 100 Dollar je Tonne CO2. Das könnte interessant werden, wenn der Preis für Emissionszertifikate weiter steigt.

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