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Bis zu 20 Prozent : Fachleute erwarten höhere EEG-Kosten

Die meisten Betreiber von Windkraftanlagen erhalten in Deutschland eine Einspeisevergütung, die deutlich über dem Börsenstrompreis liegt. Bild: dpa

Die Mechanik der Ökostromförderung könnte den Strompreis für viele Unternehmen und Haushalte weiter steigen lassen – trotz geplanter Entlastungen.

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          Der krisenbedingte Einbruch der Stromnachfrage könnte Verbraucher in Deutschland noch teurer zu stehen kommen als erste Schätzungen vermuten lassen. Hintergrund ist die Mechanik der Ökostromförderung, wonach dauerhaft niedrige Großhandelspreise die EEG-Umlage in die Höhe treiben, damit Betreiber von Solar-, Windkraft- und Biomasse-Anlagen auf ihre zugesicherte Vergütung kommen.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu diesem Schluss kommen Berater von Enplify, der früheren Gesellschaft für Stromwirtschaft, zu deren Kunden viele Industriebetriebe gehören. Sie haben verschiedene Szenarien durchgerechnet mit einem ernüchternden Ergebnis: Nur in der aus ihrer Sicht günstigsten Entwicklung halten sie für möglich, dass die jährlich festgelegte EEG-Umlage auf dem gegenwärtigen Stand von 6,8 Cent je Kilowattstunde verbleibt.

          Bleibt der Strompreis im Großhandel hingegen noch viele Wochen sehr niedrig – zwischen Januar und der ersten Aprilhälfte halbierte er sich – werde die EEG-Umlage steigen, in ihrem schlimmsten Szenario sogar auf bis zu 8,3 Cent. Das wäre ein Plus von 20 Prozent.

          Im Mittel zahlen Privatkunden derzeit nach Angaben des Energieverbands BDEW 31,4 Cent für eine Kilowattstunde. Da Abgaben auf den Strompreis zusätzlich mit der Mehrwertsteuer belastet werden, macht die EEG-Umlage rund ein Viertel der Kosten aus.

          Brisant an der neuen Prognose ist der Umstand, dass geplante Strompreisentlastungen schon einberechnet sind. So will die Bundesregierung die Einnahmen aus der neuen CO2-Abgabe auf fossile Energieträger wie Heizöl und Benzin für die Senkung der EEG-Umlage verwenden. Statt wie von den Netzbetreibern bislang prognostiziert auf 7,3 Cent angehoben zu werden, sollte sich die Umlage für 2021 so auf 5,8 Cent reduzieren – doch das war vor Ausbruch der Pandemie. „Die Corona-Krise wird signifikante Auswirkungen auf die Entwicklung der EEG-Umlage als wichtigste Position im Bereich Energienebenkosten haben“, heißt in dem Papier, das der F.A.Z. vorliegt.

          Sollte die Einführung der CO2-Abgabe krisenbedingt verschoben werden, droht demnach gar eine Ökostrom-Umlage von bis zu 9,8 Cent. Der Grund: Das Defizit auf dem EEG-Konto, auf dem die Netzbetreiber Vergütungen und Einnahmen verrechnen, könnte zum Jahresende zwischen 3,3 und 7,8 Milliarden Euro betragen; in den Sommermonaten steigt das Defizit üblicherweise wegen der hohen Einspeisung von Sonnenstrom.

          Da auch die Netzausbaukosten und weitere Kosten wie die Offshore-Umlage und die Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz im kommenden Jahr zulegen dürften, erwarten die Enpflify-Berater in Summe höhere Energiekosten. Eine entlastende Wirkung der gegenwärtig niedrigeren Großhandelspreise schließen sie für Unternehmen aus, die Strom oft weit im Voraus kauften. Ob zumindest Privatverbraucher vom Preissturz an der Börse profitieren, ließen sie offen.

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