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Online-Klimagipfel : Biden ruft Weltgemeinschaft zu ehrgeizigeren Klimazielen auf

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Joe Biden Bild: AP

Amerikas Präsident mahnt bei seinem Klimagipfel schnelles Handeln an, um die Erderwärmung einzudämmen – und erinnert an die wirtschaftlichen Chancen. China macht Zusagen.

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          Der amerikanische Präsident Joe Biden hat zum Auftakt seines Online-Klimagipfels mit Dutzenden Staats- und Regierungschefs entschiedenes und schnelles Handeln zur Eindämmung der Erderwärmung angemahnt. „Die Zeichen sind unübersehbar. Die Wissenschaft ist nicht zu leugnen. Die Kosten des Nichtstuns werden immer höher“, sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. „Wir müssen uns bewegen. Wir müssen schnell handeln, um diese Herausforderungen zu meistern.“

          Biden warb dafür, in Klimaschutzmaßnahmen auch die wirtschaftlichen Chancen zu sehen: Die Energiewende, der Ausbau der Elektromobilität und Infrastrukturmaßnahmen böten die Gelegenheit, Millionen gut bezahlte Jobs zu schaffen.

          „Kein Land kann diese Krise allein lösen“, sagte Biden und mahnte zu ehrgeizigeren Zielen bei der Drosselung klimaschädlicher Treibhausgas-Emissionen. „Jeder von uns und besonders diejenigen von uns, die die größten Volkswirtschaften der Welt repräsentieren: Wir müssen uns anstrengen.“

          Amerika will Treibhausgasemissionen halbieren

          Die Vereinigten Staaten wollen bis zum Ende des Jahrzehnts ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2005 halbieren. Biden bekräftigte sein Ziel, Amerika  auf den Pfad bringen zu wollen, dass sie spätestens 2050 ihre CO2-Emissionen auf netto null drücken.

          Biden hat 40 Staats- und Regierungschefs zu dem Online-Klimagipfel eingeladen. Das Spitzentreffen soll die Dringlichkeit und den wirtschaftlichen Nutzen von stärkeren Klimaschutzmaßnahmen auf dem Weg zur Klimakonferenz der Vereinten Nationen im November in Glasgow unterstreichen. An dem zweitägigen Gipfel nehmen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, der russische Präsident Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping teil.

          Fachleute sind sich einig, dass sich bis 2030 global viel mehr tun muss, wenn die Erderwärmung, wie 2015 von knapp 200 Staaten in Paris vereinbart, deutlich unter zwei Grad bleiben soll. Denn schon jetzt hat sich die Erde um rund 1,2 Grad erwärmt, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

          „Das erfordert außergewöhnlich harte Anstrengungen“ 

          Am Nachmittag wurde bekannt, dass China eine Verringerung seines Kohleverbrauchs von 2025 an in Aussicht gestellt hat. Auf dem virtuellen Klimagipfel sagte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Donnerstag, sein Land wolle Kohlekraftwerke „streng kontrollieren“. Während des laufenden Fünf-Jahres-Planes bis 2025 solle der Anstieg des klimaschädlichen Kohleverbrauchs „streng begrenzt“ und während des folgenden Planes bis 2030 stufenweise verringert“ werden.

          Xi Jinping wiederholte seine Zusage, dass China den Höhepunkt seiner Emissionen vor 2030 anstrebe und Kohlendioxid-Neutralität vor 2060 erreichen wolle. Das bedeutet, dass kein Kohlendioxid ausgestoßen wird oder die CO2-Emissionen vollständig kompensiert werden. China habe sich verpflichtet, schneller vom Höhepunkt zur Neutralität zu gelangen, als es vielen entwickelten Länder gelingen könnte, sagte Xi Jinping. „Das erfordert außergewöhnlich harte Anstrengungen.“

          China wolle mit der globalen Gemeinschaft, einschließlich den Vereinigten Staaten, zusammenarbeiten, um die Verpflichtungen nach dem Pariser Klimaabkommen zu erfüllen. Es müsse der Grundsatz der „gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung“ gelten. Demnach müssten Industrieländer den Entwicklungsländern helfen.

          China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde sowie der größte Kohleverbraucher und Kohlendioxidproduzent. Während die Regierung wiederholt die Ziele im Kampf gegen den Klimawandel bekräftigt, bemängeln Kritik aber einen weiteren Ausbau der Kohleenergie auf lokaler Ebene und einen Zuwachs der Kohleförderung. Das Land stützt seine Energieversorgung zu rund 60 Prozent auf Kohle.

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