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Knappes Bauholz : Der Holzmarkt spielt verrückt

Holzernte in der Rostocker Heide Bild: ZB

Die Preise sowohl für Bauholz als auch für Rohholz sind international deutlich gestiegen. Die Sägewerke arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze. Und ein immer größerer Anteil der Produktion wandert in den Export.

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          Während die Klagen über teures und knappes Bauholz nicht abreißen, meldet das Statistische Bundesamt am Montag eine „Holz-Bilanz,“ die so gar nicht zu den Mangelberichten der letzten Wochen zu passen scheint. Nach Zahlen der obersten Statistikbehörde wurde in deutschen Wäldern noch nie seit der Wiedervereinigung mehr Holz eingeschlagen. Weil viele von Trockenschäden und Käferbefall in Mitleidenschaft gezogene Bäume gefällt werden mussten, sei die Menge des Rohholzes im vergangenen Jahr von 69 Millionen auf mehr als 80 Millionen Kubikmeter gestiegen. Gut die Hälfte dieser Ernte ist demnach auf Schadholz zurückzuführen.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Holz ist also nicht knapp. Dass dennoch immer weniger „Konstruktionsholz“ – Balken und Latten – auf deutschen Baustellen ankommt, liegt zum einen an den Verarbeitungskapazitäten der Sägewerke. Zum anderen sind die Preise sowohl für Bauholz als auch für Rohholz international deutlich gestiegen. Die Sägewerke können nicht mehr verarbeiten. Und ein immer größerer Anteil ihrer Produktion wandert in den Export.

          Das Statistische Bundesamt bezeichnet Säge-, Hobel- und Imprägnierwerke als Profiteure der Entwicklung. Der Branchenumsatz habe 2020 einen Rekordwert erreicht. Bei den Waldbesitzern ist der Preisauftrieb hingegen nicht angekommen. Während verarbeitetes Holz teuer wurde, lagen die Preise für Rohholz nach Berechnung der Behörde leicht unter denen des Vorjahres – im Vergleich zu 2015 sogar um 27 Prozent niedriger.

          Jeder zweite Stamm geht nach China

          Immer mehr des nicht zu verarbeitenden Holzes ist ins Ausland gewandert, vor allem China hat die Situation genutzt und große Mengen Stammholz importiert. Die Ausfuhren von Rohholz aus Deutschland sind so binnen Jahresfrist um fast 43 Prozent gestiegen, jeder zweite Stamm davon landete in China. Viele Waldbesitzer haben die Billigpreise aus China wohl oder übel akzeptiert. Alternativ müssen sie das ohnehin geschädigte Holz in Nasslagern teuer lagern und hoffen, dass die Preise wieder steigen.

          Während Rohholz im Wald vor der Verrottung gerettet werden muss, klagen Baufirmen immer lauter über Materialengpässe. Bauvorhaben verzögern sich reihenweise, weil Holz für Dachstühle nicht rechtzeitig geliefert werden kann, Kostenvoranschläge werden nur noch unter dem Vorbehalt steigender Materialpreise verschickt. Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft befürchtet, dass wegen der Knappheit ungeachtet der guten Auftragslage immer mehr Unternehmen Kurzarbeit anmelden müssen. Holz und Dämmstoffe für den Dachstuhl „sind nicht vorhanden“, wie der Interessenverbund zuletzt lapidar mitteilte. Auch Rohre für Fundamente, Kunststoffe und Kupfer für Kabel sowie Folien seien knapp. Zudem gebe es Engpässe im Stahlbau.

          „Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Materialversorgung in den nächsten Wochen leider nicht normalisieren wird.“ Die Bauunternehmen fordern, die Erleichterungen beim Antrag auf Kurzarbeitergeld bis Jahresende zu verlängern. Öffentliche Auftraggeber sollten im Falle von Bauverzögerungen auf Sanktionen verzichten.

          Während große Teile des unverarbeiteten Rohholzes nach China wandern, gehen immer größere Mengen Bauholz nach Amerika, wo der Anteil der Holzbauhäuser hoch ist. Nach Branchenangaben haben die Amerikaner zwischenzeitlich mehr als das Dreifache für Konstruktionsholz gezahlt. Die DZ Bank nennt in einer Studie die immensen Waldbrände als einen Grund für die gestiegene Importnachfrage. Zudem habe der Bergkiefernkäfer Wälder im Lieferland Kanada befallen. Die Analysten gehen davon aus, dass der Preisauftrieb beim Holz die Baukosten in Deutschland weiter steigen lässt. Wegen der niedrigen Zinsen seien jedoch zunächst keine Auswirkungen auf die Wohnungsbaunachfrage zu erwarten.

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