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Energieversorgung : Deshalb gibt es (k)eine Renaissance der Atomkraft

Philippsburg, Baden-Württemberg: Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks fallen nach der Sprengung zusammen. Bild: dpa

Der deutsche Atomausstieg ist praktisch unumkehrbar. Befürworter sind rar geworden. In vielen Ländern auf der Welt ist das Bild ein anderes.

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          Europas erstes Mini-Atomkraftwerk soll in Estland stehen. Die Pläne sind erst wenige Wochen alt und haben die Fachwelt aufhorchen lassen. Geplant ist ein „Small Modular Reactor“ (SMR) mit deutlich geringerer Leistung als gewöhnliche Reaktoren. Er soll in 10 bis 15 Jahren ans Netz gehen.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin
          Niklas Záboji
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die estnische Regierung steht hinter dem Vorhaben, geht es doch auch darum, in Zukunft unabhängig zu sein von russischem Öl und Gas – und sich nicht vollständig auf die schwankende Verfügbarkeit von Wind und Sonne zu verlassen. Die passende Studie für die Lagerung des Atommülls hat die Projektgesellschaft Fermi Energia schon anfertigen lassen.

          Auch in anderen Ländern reifen die Pläne für modulare Mini-Reaktoren. Die Internationale Atomenergie-Agentur berichtet von einem wachsenden Interesse und zählt 50 Projekte. SMR könnten die Atomkraft revolutionieren, glauben ihre Befürworter.

          Die Idee sei zwar alles andere als neu, hieß es im letzten Sachstandsbericht des Weltklimarats, doch böten jüngste Projekte dank der geringeren Leistungsdichte, Wärmeleistung und Wärmeabfuhr der Mini-Reaktoren „das Potential für eine verbesserte Sicherheit“. Zudem ermögliche die modulare Bauweise Einsparungen bei der Fertigung und spätere Erweiterungen. Maximal 0,3 Gigawatt Leistung haben SMR qua Definition. Zum Vergleich: Klassische Kraftwerke wie Leichtwasserreaktoren kommen auf 1 Gigawatt und mehr.

          Praktisch CO2-frei und rund um die Uhr verfügbar

          Blickt man auf die Weltkarte, haben aber selbst diese nicht ausgedient. Galt die Kernenergie in den neunziger und nuller Jahren als Auslaufmodell, ist seit einigen Jahren ein wachsendes politisches Interesse zu verzeichnen. Schon ist von einer „Atomrenaissance“ die Rede. Das liegt vor allem an dem verstärkten Bemühen um schnellen Klimaschutz. „Die wachsende Nachfrage nach Strom, Energiediversifikation und Klimaschutz motiviert den Bau neuer Kernreaktoren“, schreibt der Weltklimarat.

          Zwar gebe es nach wie vor Risiken im Betrieb, beim Uranabbau und in der Endlagerung sowie Bedenken in der Bevölkerung und hinsichtlich der Verbreitung von Kernwaffen. Doch seien neue Brennstoffkreisläufe und Reaktortechnologien, die einige dieser Probleme angehen, in der Entwicklung und Fortschritte in Bezug auf Sicherheit und Abfallentsorgung erzielt worden.

          Bild: F.A.Z.

          Da praktisch CO2-frei und rund um die Uhr verfügbar, betrachten viele Länder Atomkraftwerke als teure, aber wichtige Ergänzung zum Ausbau der Erneuerbaren – vorneweg die Vereinigten Staaten, wo nach Zahlen der Atomenergie-Agentur mit Abstand die meisten Kraftwerke stehen. Mit insgesamt 97 Gigawatt Leistung könnten sie Deutschland theoretisch rund um die Uhr mit Strom versorgen.

          Werden alle laufenden Vorhaben wie geplant umgesetzt, wird sich die installierte Leistung aller Atomkraftwerke auf der Welt bis zum Jahr 2030 um mehr als 10 Prozent erhöhen. Vor allem China verzeichnet eine rege Bauaktivität. Aber auch in Europa wird gebaut. Trotz Verzögerungen und Kostensteigerungen halten die Briten an der Erweiterung von Hinkley Point fest. In Frankreich schreitet der Bau des Druckwasserreaktors in Flamanville voran, auch wenn es seit Jahren Streit darum gibt. Die Kernkraft wird dort bis auf weiteres als unverzichtbar eingestuft. Mit 40 Prozent ist sie im französischen Energiemix eine wichtigere Quelle als Öl.

          Bild: F.A.Z.

          In der Türkei wurde am Mittwoch der Grundstein für den Bau des dritten von vier geplante Blöcken des Atomkraftwerks Akkuyu im Südosten des Landes gelegt. Der erste Reaktor der von Russland gelieferten Anlage soll im Jahr 2023 in Betrieb gehen. Die Zeremonie wurde von den Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, und der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, per Video begleitet.

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