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Ambitionierte Milliardäre : Sonnenstrom für Asien aus Australiens Wüste

Doch der Nordstaat braucht dringend Investitionen, und die Nutzung einer Fläche für den Gewinn von Sonnenenergie hört sich weniger zerstörerisch an als für den Kohle-Tagebau, wie es im Nachbarstaat Queensland geschieht. So hoffen die Geldgeber bis zum Jahr 2023 auf grünes Licht, um dann ab 2026 Energie produzieren zu können, die ein Jahr später exportiert werden soll.

Im einsamen Norden des riesigen Landes liegt die Ebene an der einzigen Eisenbahnstrecke und in der Nähe der Nord-Süd-Autobahn – das Anliefern von Material ist damit machbar. Mit gut 120 Quadratkilometern soll die Anlage nur einen Bruchteil des Gesamtgeländes einnehmen. Zunächst aber sind Dutzende Genehmigungen einzuholen.

Das längste Strom-Unterseekabel der Welt

Rekorde werden hier leicht zu haben sein: Läuft die Anlage nach Plan und liefert nach Singapur, ist sie – nach heutigem Stand – nicht nur die größte der Welt. Sie nutzt auch das mit 3700 Kilometern von Darwin bis Singapur längste Strom-Unterseekabel der Welt. Bis Ende März nächsten Jahres erstellt das Forschungsschiff von Guardian Geomatics Karten für ihren Bau. Suncable plant aber auch, mit angedachten 100 Megawatt die größte Batterie der Welt in Darwin zu bauen.

Auch hier dürften Tesla und Musk nach ihrem Auftritt in Südaustralien und einem weiteren in Queensland wieder ins Spiel kommen. Vergangene Woche erst verkündete Taylor einen Auftrag für den Bau einer Tesla-Großbatterie in Sydney. Von der Solarfabrik zur Landeshauptstadt Darwin sind weitere 800 Kilometer mit einer Oberleitung durch den „Outback“ zu überbrücken. Mehr als tausendfünfhundert Menschen werden für den  Bau der Anlage eingesetzt werden, rund zwölftausend werden bei Zulieferern genutzt, und gut 300 braucht Suncable wohl für ihren späteren Betrieb.

Milliardäre geißeln Regierung

Der Finanzplatz Singapur, stark vom Klimawandel bedroht, könnte rund ein Fünftel seines Stromverbrauchs dank der Sonne über Australien decken. Rund zwei Drittel des produzierten Stroms will Australien den Singapurern verkaufen. Ein heikles Geschäft, denn derzeit ringt Canberra damit, dass es über langjährige Verträge so viel Erdgas nach Nordasien liefert, dass die Energiepreise im eigenen Land als viel zu hoch und damit politisch gefährlich gelten.

Die australische Regierung treibt das Projekt unter dem Druck der Klimaschützer und Milliardäre – Cannon-Brookes geißelt Morrisons und Taylors Energiepolitik als eine „Strategie ohne Ziel“ – nun voran. Taylor sprach gerade davon, Australien werde damit auch weiterhin der „führende Exporteur von Energie auf der Welt“ bleiben.

Der anvisierte Großabnehmer Singapur unterzeichnete am Montag eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit mit Australien bei „grüner Energie“. Taylor sagte bei der digitalen Unterzeichnung: „Unsere Vision lautet, Weltführer bei technischen Lösungen mit niedrigen Emissionen zu sein.“ Suncable wird nicht erwähnt, wohl aber Wasserstoff und der Energiehandel. Ähnliche Abkommen haben die Australier mit Japan, Südkorea und auch Deutschland geschlossen. Zwar habe man sich mit den Planern getroffen, heißt es bei der Singapurer Energiebehörde. Wie so oft im Stadtstaat redet man allerdings nicht über ungelegte Eier, sondern wartet ab, bis der Rahmen steht. Man werde, so hieß es bei der Behörde, „auf Kosten und Risiken achten“. Der größte unabhängige Stromlieferant der Insel, Iswitch, hat allerdings erstes Interesse als möglicher Abnehmer gezeigt.

Suncable hofft darauf, dass auf Dauer auch Indonesien als Kunde des Australian-ASEAN Power Link (AAPL) auftreten werde, so wie bei der Anlage in Westaustralien geplant. Das Kabel nach Singapur läuft sowieso entlang des dramatisch unterversorgten Staates. Suncable spricht schon davon, rund 2 Milliarden Australische Dollar Exportwert im Jahr zu erzeugen.

„Zweifel gibt es immer, wenn etwas zum ersten Mal angefasst wird, ob es nun die erste Telefonleitung durch den Atlantik war oder ein Unterseekabel, dass erneuerbare Energie von Australien nach Singapur liefert“, sagt Kane Thornton, Chef des Rates für Saubere Energie in Australien. „Aber wenn einige der erfolgreichsten Geschäftsleute Australiens entscheiden, das Projekt sei es wert zu investieren, könnte es sich lohnen aufzuhorchen.“

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