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Kleinstserien : Vom Student zum Autobauer

  • Aktualisiert am

Herbert Funke, Philipp Will, Oliver Schweizer (v.l.n.r.) Bild: Funke & Will AG

Es klingt wie ein Traum: Die eigene Diplomarbeit zum Beruf zu machen, ist dem Team von YES geglückt. Es baut jetzt Autos.

          3 Min.

          Von der Fachhochschule zum Fahrzeugproduzenten - das klingt wie ein amerikanischer Traum. Real passiert ist das allerdings in Deutschland: Und zwar dem Team, das hinter dem Young Engineers Sportscar (YES) steckt. Die Konstrukteursduo Herbert Funk und Philipp Will sowie der Designer Oliver Schweizer dürfen sich zu den wohl jüngsten Automobilbauern zählen.

          Wie kommt man dazu, ein Auto zu konstruieren?

          Zwei von uns haben zusammen an der Fachhochschule Köln studiert und haben ihre Diplomarbeit über das Fahrzeug geschrieben, einer hat das Design entworfen. Die praktische Arbeit erledigen wir zu dritt.

          Das klingt ja wie ein Traum, der wahr geworden ist. Als Student gleich ein eigenes Auto zu bauen, ist ja eher ungewöhnlich.

          Man muss eine Vision verfolgen, und die Vision von Herbert Funk und Philipp Will war damals, ein möglichst radikales Fahrzeug zu entwickeln, dass den Fahrspaß?eines Motorrades imitiert - so weit das eben geht. Das Auto haben sie im Rahmen ihrer Diplomarbeit technisch entwickelt.

          Im Jahr 1999 war es dann so weit, dass wir einen Prototypen auf der IAA präsentieren konnten. Wir wurden aber dabei von über 30 Unternehmen aus der Industrie unterstützt, wobei diese Unterstützung nicht in Form von Geld erfolgt ist: Wir haben tatsächlich Teile von den Firmen geschenkt bekommen. Das Echo auf der IAA 1999 war so gewaltig, dass wir fast nicht mehr um die nächste Überlegung herumkamen: Lasst uns das doch in Kleinserie produzieren.

          Wie weit sind sie von konjunkturellen Faktoren abhängig?

          Unser Fahrzeug ist ein reines Luxusprodukt. Und Luxusprodukte sind zum Glück nicht so intensiv von Konjunkturschwankungen abhängig. Ein YES ist fernab von rationalen Überlegungen, das ist kein Auto, sondern eine Fahrmaschine. Es wird gekauft, um sich selbst darin zu verwirklichen. Wir haben eine Klientel, die das Auto hauptsächlich aus Leidenschaft kauft - da ist Geld dann zweitrangig.

          Inwieweit bekommt ihr Auto Konkurrenz durch Kleinserien von großen Herstellern?

          Vom Gedanken her sind sie natürlich sehr ähnlich angesiedelt. Trotzdem bewegen wir uns mit einer „Fahrmaschine“ in einem anderen Segment. Produkte wie der Opel Speedster haben einen ganz anderen Anspruch: Sie sind alltagstauglich. Diesen Anspruch erheben wir nicht. Wir beschneiden den Komfort und heben den Fahrspaß in den Vordergrund.

          Deutschland hat ja nicht das Image eines Produzenten von kleinen, feinen Sportwagen...

          Wir sind selbstbewusst genug zu sagen: Dann haben wir endlich einmal ein emotionales Auto gebaut. Wir haben unser Herzblut, unsere Leidenschaft in das Auto hineingesteckt. Das ist ja das Schöne, wenn man ohne Zwänge von außen ein eigenes Projekt verwirklichen kann.

          Verwenden Sie auch Serienteile oder werden alle Teile nach ihren Angaben gefertigt?

          Teils, teils. Der Motor stammt aus dem VW-Konzern, wir haben seine Leistung allerdings nachträglich auf 286 PS gesteigert. Es sind einige Großserien-Komponenten drinnen, anders lässt sich so ein Fahrzeug gar nicht realisieren. Wir haben aber eine hohe Anzahl von speziell abgestimmten oder auch selbstentwickelten Teilen.

          Wer ist denn der Kundenstamm für ihr Fahrzeug?

          Autobegeisterte Menschen. Das lässt sich schwer fokussieren. Das ist nicht nur der reiche Zahnarzt, der sich als Viert- oder Fünftwagen den YES leistet. Der tut sich natürlich etwas leichter. Es gibt aber genauso junge Menschen, die für ihr Auto leben. Eines unserer Hauptziele war: Das Auto muss in einem Rahmen bleiben, wo der Preis noch nachvollziehbar ist. Wir verkaufen unsere Autos ab 50.000 Euro - das ist noch im Rahmen des Erreichbaren.

          Unsere Kunden sind genauso vielfältig und so individuell, wie auch das Fahrzeug im gesamten Markt erscheint. Wir bieten eine hohe Individualität in der Ausstattung. Natürlich zeigen wir bestimmte Beispiele, generell ist es für den Kunden aber möglich, alles aus dem Auto zu machen, was er gerne hätte. Wenn er das australische Känguruleder in Doppelstichvariante genäht haben will, dann machen wir ihm das.

          Wie wird das Fahrzeug finanziert und produziert?

          Das Auto steht auf einer eigenen wirtschaftlichen Basis. Parallel dazu haben wir eine Engineering-Abteilung, die für andere Hersteller Fahrzeugteile entwickelt. Outsourcing ist nur bis zu einem gewissen Grad möglich, da ist schnell der Punkt erreicht, wo man einen sehr hohen logistischen Aufwand hat. Das ist eine diffizile Gratwanderung

          Wo sind die Nischen, die Kleinhersteller noch besetzten können?

          Das geht in jeder Lücke. In jeder Richtung noch extremer, sowohl onroad wie offroad. Berghänge mit siebzig Grad Hangneigung hinauffahren ist das eine Extrem, mit Überschallgeschwindigkeit geradeaus fahren ist das andere. Es ist ja nicht so, dass wir etwas angestoßen hätten, was noch nicht existent ist. Wir betreten ja bereits begangene Pfade, so innovativ waren wir auch wieder nicht. Es gibt aber Firmen, die ganz froh sind, dass wir so ein Auto gebaut haben - dann macht das wenigstens kein anderer.

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