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Klage gegen die Commerzbank : Der 4,5-Millionen-Euro-Banker

  • -Aktualisiert am

Mit einigen klagenden Bankern hat sich die Commerzbank inzwischen verglichen Bild: REUTERS

An diesem Donnerstag geht es vor dem Arbeitsgericht Frankfurt um 1,5 Millionen Euro Abfindung und 3 Millionen Euro Bonus für einen einzelnen Investmentbanker. Jens-Peter Neumann ist trotz des öffentlichen Aufschreis über die Gier der Banker nicht bereit, darauf zu verzichten.

          An diesem Donnerstag geht es vor dem Arbeitsgericht Frankfurt um 1,5 Millionen Euro Abfindung und 3 Millionen Euro Bonus für einen einzelnen Investmentbanker. Jens-Peter Neumann, früher Leiter der Kapitalmarktsparte von Dresdner Kleinwort, hat aus seiner Sicht auf dieses Geld Vertragsansprüche, und er ist trotz des öffentlichen Aufschreis über die Gier der Banker nicht bereit, darauf zu verzichten.

          Vielmehr klagt der 50 Jahre alte Neumann gegen die Commerzbank auf Auszahlung der Abfindung (siehe: Dresdner Bank: Investmentbanker klagt auf Millionenabfindung). Den Bonus von 3 Millionen Euro hat er im Januar schon erhalten, obwohl Neumanns Geschäftsbereich im Jahr 2008 rund 5,7 Milliarden Euro Verlust gemacht hat.

          Neumanns Hartnäckigkeit wirft viele Fragen auf

          Zum Termin vor dem Arbeitsgericht wird der inzwischen auf Zypern lebende Neumann nicht erscheinen. Aber der drahtige Investmentbanker weiß sich auch so zu verteidigen. Den Kampf gegen die öffentliche Meinung kann er zwar kaum gewinnen. Aber mit seiner Hartnäckigkeit wirft er doch auch Fragen jenseits von Gier und Moral auf. Zum Beispiel die, wer die Verträge angeregt, gestaltet und unterschrieben hat, auf die Neumann sich jetzt mit guten Chancen berufen kann?

          Wo einst der Schriftzug „Dresdner Kleinwort” prangte, sind längst die Commerzbanker eingezogen

          Die Geschichte beginnt im März 2008. Damals stellte der Versicherer Allianz die Kapitalmarktsparte der Tochtergesellschaft Dresdner Bank zum Verkauf, ohne einen Interessenten dafür zu haben. Die Finanzkrise hatte begonnen. Dennoch machte sich die britische Finanzaufsicht FSA vor allem Sorgen darüber, der Londoner Investmentbank Dresdner Kleinwort könnten wegen der Verkaufspläne der Allianz die Investmentbanker davonlaufen.

          400 Millionen Euro Halteprämie

          Angeblich schrieb die FSA im Mai 2008 einen entsprechenden Brief an Neumanns Vorgesetzten, Dresdner-Kleinwort-Chef Stefan Jentzsch. Der sorgt zumindest dafür, dass Allianz-Chef Michael Diekmann einen Topf mit 400 Millionen Euro Halteprämien bereitstellt. Im Investmentbanking-Rekordjahr 2007 flossen an die Mitarbeiter von Dresdner Kleinwort zwar noch 25 Prozent mehr Bonus. Doch für 2008 zeichnete sich schon ein Verlust von Dresdner Kleinwort ab.

          Dennoch wurden die 400 Millionen Euro Halteprämien wenig später in mündlichen Zusagen auf 75 einzelne, angeblich unentbehrliche Mitarbeiter heruntergebrochen, darunter an Neumann 3 Millionen Euro, wenn er denn bleibe. Neumann bleibt - auch als am 1. September die Commerzbank die Dresdner Bank einschließlich Dresdner Kleinwort kauft. Nach Neumanns Erinnerung hat dann Commerzbank-Kapitalmarktvorstand Michael Reuther am 16. September die Bonuszahlung von 3 Millionen Euro bekräftigt.

          Auflösungsvertrag unterschrieben

          Da die Commerzbank kein Interesse an einem großen Investmentbanking in London hatte, standen gleichwohl die Zeichen auf Trennung. Reuther soll schon damals über eine Abfindung mit Neumann gesprochen haben. Der Auflösungsvertrag wurde am 22. Dezember unterschrieben, von Seiten der Dresdner Bank durch Jentzsch und Personalvorstand Wulf Meier. Vereinbart wurde die Zahlung von 1,5 Millionen Euro Abfindung fällig im Februar 2009.

          Die Verluste der Dresdner Bank hatten Anfang November 2008, also sechs Wochen vor Unterzeichnung des Auflösungsvertrags mit Neumann, den Einstieg des Staates in die Commerzbank nötig gemacht (siehe: Commerzbank sucht Rettung beim Staat). Halteprämien und Abfindungen flossen noch bis Februar 2009. Neumann erhielt im Januar 3 Millionen Euro Bonus, im Februar aber nicht 1,5 Millionen Abfindung. Die Commerzbank versucht seither, wegen der angeblich erst im Februar offenkundig gewordenen hohen Verluste von Dresdner Kleinwort, von den zwanzig wichtigsten Investmentbankern Geld zurückzuholen. Mit dreien hat sie sich verglichen, einige Klagen in London verloren (siehe: Banker klagen auf Boni-Zahlungen). Neumann ist der einzige deutsche Fall.

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