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Starke deutsche Wirtschaft : Die Einnahmen der Kirchen sprudeln wie nie

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Klosteranlage Neuzelle im Landkreis Oder-Spree: Das Bistum Görlitz wächst als eines der Wenigen in Deutschland. Bild: dpa

Die Kirche profitiert vom Wirtschafts-Boom. Die Kirchensteuer bemisst sich an der Lohnsteuer und ist so hoch wie selten. 2017 wird der nächste Rekord erwartet. Wie lange kann das so weitergehen?

          Der Bischof von Görlitz hat eine frohe Botschaft. Sein Bistum, gemessen an den Mitgliedern das kleinste in Deutschland, wächst wieder. Rund 400 neue Katholiken weist die Statistik für 2016 aus, die ihm seit wenigen Tagen vorliegt. Jetzt sind es wieder mehr als 29.000 nach 28.795 im Vorjahr. Er habe sich „sehr gewundert“, sagte Bischof Wolfgang Ipolt der F.A.Z.. Denn in fast allen deutschen Bistümern und evangelischen Landeskirchen sinken die Mitgliederzahlen seit Jahren, neben Görlitz ist Berlin wegen des starken Zuzugs von Katholiken aus aller Welt eine Ausnahme. In Görlitz sind die vielen katholischen Polen, die auf die deutsche Seite der Grenzregion umziehen, der Grund.

          Der Zuzug bedeutet aber nicht, dass es kleinen Bistümern im Osten wie Görlitz oder Magdeburg finanziell gutgehe. Sie hängen am Tropf der finanzstarken Kirchenregionen wie Köln, Trier und München. Sie leben vom innerkirchlichen Finanzausgleich. Von seinen Kosten wird Görlitz nur knapp ein Drittel durch eigene Steuereinnahmen decken können. Das Geld aus reichen West-Kirchen aber fließt – wohl so viel, wie niemals zuvor.

          Nach den zuletzt veröffentlichten Zahlen der Bistümer und Landeskirchen gab es 2016 vielerorts Rekordeinnahmen aus der Kirchensteuer. Und 2017 dürften die Einnahmen vielerorts nochmals steigen. Das größte und nach Paderborn zweitreichste katholische Bistum Köln (3,4 Milliarden Euro Vermögen) erwartet laut seiner Finanzprognose für 2017 die höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten – rund 877 Millionen Euro und damit ein Steuerplus von 2,3 Prozent gegenüber 2016. Das Bistum nimmt damit durch die staatlich erhobene Steuer schon 155 Millionen Euro mehr im Jahr ein als 2009. Die starke deutsche Wirtschafts- und Lohnentwicklung ist der Hauptgrund; die Kirchensteuer bemisst sich an der Lohnsteuer.

          Demographie macht Kirchen wenig Hoffnung

          Die Statistiken der großen Bistümer sind Dokumente einer äußerst komfortablen Finanzlage. Die evangelische Landeskirche in Württemberg beispielsweise nahm 2016 rund 710 Millionen Euro Kirchensteuer ein, ebenfalls ein Allzeithoch. Das Bistum Trier erwartet 2017 steigende Steuereinnahmen: von 311 auf 317 Millionen Euro, verkündete aber trotzdem eine gewaltige Spar-Reform mit der Fusion von 900 Pfarreien zu 35 Großpfarreien.

          Besonders üppig ist die Finanzlage im Bistum Rottenburg-Stuttgart. Es erwartet ein kräftiges Plus von 598 auf 642 Millionen Euro. Das Erzbistum Freiburg kalkuliert für 2017 mit rund 504 Millionen Euro beispiellos sprudelnder Steuereinnahmen (Vorjahr: 494 Millionen) und rechnet optimistisch weit in die Zukunft: Bis 2021 dürften die Steuereinnahmen laut der Prognose stetig weiter steigen.

          St. Peter und Paul Kirche in Görlitz – das kleine Bistum im Osten Deutschlands hat steigende Mitgliederzahlen. Diese kommen vornehmlich aus Polen und dem Baltikum. Bilderstrecke

          Und doch ist die Finanzlage der Kirchen je nach Region sehr unterschiedlich. Auch der hessen-nassauische Finanzdezernent Heinz Thomas Striegler sieht laut Meldung der Kirche für 2017 einen „Haushalt mit ersten Problemsignalen“. Wegen der vielen Austritte sinken die Einnahmen trotz der guten Wirtschaftslage. Und wegen der bevorstehenden Verrentung der geburts- und glaubensstarken Jahrgänge ist für die 2020er Jahre allerorts mit Einbrüchen zu rechnen. Die Landeskirche Hessen-Nassau erwartet ab 2018 stetig und dramatisch steigende Jahresverluste. Das Bistum Münster hat errechnet, dass bis 2037 die Kirchensteuereinnahmen um „35,6 Prozent plus x“ einbrechen werden. Vielleicht wird es dann aus Görlitz quersubventioniert.

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