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Kirch-Pleite : Das Ende eines Imperiums

  • Aktualisiert am

Leo Kirch, sein Lebenswerk gerät aus den Fugen Bild: dpa-Bildfunk

Die Kirch-Gruppe sitzt in der Schulden-Falle. Die Insolvenz ist amtlich. Über die Zukunft des Firmengeflechts verhandeln die neuen Geschäftsführer mit Banken und Investoren. Ein FAZ.NET-Dossier.

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          Auch nach dem Insolvenzantrag von Kirch-Media wird hinter den Kulissen weiter verhandelt. Die neuen Geschäftsführer, die Sanierungsexperten Wolfgang von Betteray und Hans-Joachim Ziems, haben drei Monate Zeit, um mit einem neuen Konzept Kirchs Firmengeflecht eine Grundlage für die Zukunft zu bereiten. Unklar ist weiter, was aus dem Bezahlsender Premiere wird. Bei der größten Firmenpleite Deutschlands wird erstmals ein neues Verfahren angewandt - ein Testfall für das neue Insolvenzrecht.

          Auf 6,5 Milliarden Euro beläuft sich der Schuldenberg der Kirch-Gruppe. Die Frage, ob millionenschwere Bürgschaften der öffentlichen Hand für die Bundesliga zur Verfügung gestellt werden dürfen, um möglicherweise fehlende Fernsehgelder auszugleiche, spaltete die Nation. Wie es bei den Bundesligavereinen weiter geht, ist noch nicht klar. Über die Zukunft der Formel 1 wird verhandelt.

          Die Politik sorgt sich zugleich um den wachsenden Einfluss des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in der deutschen Medienlandschaft. Über seine Medienfirma Mediaset, die Anteile an der Kirch-Gruppe hält, könnte ihm ein entscheidender Schritt gelingen. Denn die Suche nach Investoren in einer Auffanggesellschaft geht weiter.

          Von besonderem Interesse ist auch, wie sich der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch verhalten wird. Murdochs Konzern ist über seine britische Tochtergesellschaft BSkyB mit rund 22 Prozent an dem Kirch-Sender Premiere beteiligt. Jetzt könnte er beim Bezahlfernsehen zugreifen. Doch Murdoch kann sich mit den Banken noch nicht über die Verteilung der finanziellen Lasten einigen. Nur wenn die Banken eine Milliarde Euro investieren, will er ebenfalls dieselbe Summe zuschießen.

          Leo Kirch ist mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Der 75-Jährige hat sich per E-Mail-Rundschreiben von seinen 10.000 Mitarbeitern verabschiedet. „Es sind nicht allein die Zahlen, die eine Firma ausmachen, es sind vielmehr die Menschen“, schreibt er. Die Führung sei ihm nun aus der Hand genommen worden, so Kirch.

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