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Sportbusiness : Kinowelt-Talfahrt reißt Vereine in den Abgrund

  • Aktualisiert am

Mittendrin in den Kinowelt-Schwierigkeiten: die Akteure des FC Magdeburg Bild: dpa

Super-Gau im Fußball: Weil Mega-Sponsor Sportwelt keine Bürgschaften in Millionenhöhe leisten kann, droht Traditionsvereinen der finanzielle Kollaps.

          2 Min.

          Die Aktien stehen schlecht. Der Kurssturz um fast 20 Euro (39 Mark) allein in diesem Jahr hat die Kinowelt AG mitsamt ihrer Tochter Sportwelt auf dem glatten Börsenparkett ins Rutschen gebracht und droht vor allem die Regionalligen des deutschen Fußballs in ein Chaos zu stürzen.

          Gleich 13 Vereine von der Oberliga bis in die 1. Bundesliga haben ihre kompletten Vermarktungsrechte an die Sportwelt abgetreten. Nun aber geht es dem einstigen „Heilsbringer“ finanziell schlecht - und den Clubs damit erst recht. Denn die Sportwelt sieht sich außer Stande, für alle seine Vertragspartner die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) geforderte Bankbürgschaft in Millionenhöhe auszustellen.

          Union Berlin und Karlsruher SC nicht betroffen

          Während die Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Union Berlin und Karlsruher SC der kommenden Spielzeit beruhigt entgegenblicken können, sieht die Zukunft für die anderen Vereine düster aus. Die Regionalligisten FC Sachsen Leipzig und Fortuna Düsseldorf werden definitiv nicht mehr gefördert. „Die wirtschaftliche Zukunft wird aus unserer Sicht nicht positiv bewertet. Und deshalb werden wir unter den gegebenen Voraussetzungen keine weiteren Mittel investieren und auch nicht die Bürgschaft stellen“, erklärte Sportwelt-Geschäftsführer Hinrich Brands.

          Schon seit Wochen hatten sich hartnäckig Gerüchte gehalten, wonach sich Sportwelt aufgrund der nach dem Aktien-Kursverfall offenbar prekären finanziellen Situation des Mutter-Unternehmens Kinowelt von den „unrentablen“ Drittligisten im Sponsoring-Pool trennen wolle. Zweitliga-Aufsteiger Union Berlin hatte erst in letzter Minute die für die Lizenz fehlende Zusage über 3,6 Millionen Mark erhalten. Magdeburg fehlen nun die bis zum Wochenende sicher geglaubten vier Millionen Mark, den Leipziger Sachsen gar 5,5 Millionen. Essen, das den sportlichen Klassenerhalt in letzter Minute durch ein 3:2 in Braunschweig geschafft hatte, muss eine Lücke von 3,5 Millionen Mark stopfen.

          Magdeburg geschockt

          Bei Rot-Weiß Essen ist die Besorgnis groß. „Wir arbeiten Tag und Nacht daran, um für eine Ersatzlösung zu sorgen“, berichtete RWE-Präsident Rolf Hempelmann. Bis Dienstag muss der Regionalligist einen Bürgen für 3,5 Millionen Mark finden. Auch beim 1. FC Magdeburg erstickte der Jubel über den sportlich geglückten Regionalliga-Aufstieg durch einen 5:2-Sieg am Samstag gegen den Berliner FC Dynamo so schnell wie er ausbrach.

          Der Europapokalsieger von 1974 wurde am Freitag davon in Kenntnis gesetzt, dass Sportwelt die Bankbürgschaft von vier Millionen Mark nicht beim DFB hinterlegt. „Wir treten sicher noch einmal mit der Sportwelt in Verbindung und hoffen darauf, dass unser überzeugender Sieg gegen den BFC Dynamo unseren Partner umstimmt. Aber es sieht sehr schlecht aus“, bekannte FCM-Präsident Lutz Trümper. Der künftige Oberbürgermeister Magdeburgs schloss gleichzeitig aus, dass Mittel aus dem Rathaus fließen.

          Frust der Fans

          Das bröckelnde Sportwelt-Imperium, gegen dessen Mutter- Gesellschaft Kinowelt die Börsenaufsicht wegen des Vorwurfs von Insidergeschäften ermittelt, hat mit seiner rigorosen Entscheidung schon den Zorn der Fußball-Anhänger auf sich gezogen. Mit Transparenten „Tot und Hass der Kinowelt“ und „Sportwelt Hurensöhne“ machten sich die Düsseldorfer Fans beim Spiel in Babelsberg Luft.

          Für den Rechte-Großvermarkter jedoch liegt die Schuld für die prekäre Situation bei den Clubs, die sich auf ihren Partner verlassen haben und nun verlassen sind. „Eigentlich ist es die Aufgabe des Vereins, für die Bankbürgschaft zu sorgen“, verkündete Brands. Das drohende Lizenzchaos durch das wirtschaftlich unter Druck geratene Gespann Kinowelt/Sportwelt zieht sich quer durch die Fußball-Republik. Im Süden schwebt das Damoklesschwert des Lizenzentzugs über dem SSV Ulm, im Westen sind Essen und Regionalliga-Absteiger Düsseldorf betroffen. Eintracht Braunschweig muss ebenso bangen wie Leipzig und Magdeburg im Osten. Einzig die in Liga eins und zwei spielenden Mannschaften Borussia Mönchengladbach, Alemannia Aachen, Waldhof Mannheim sowie der Karlsruher SC mit einem Sondermodell scheinen derzeit nicht in Bedrängnis.

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