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Kinderbetreuung : Wer Kitaplätze will, sollte Frauen wählen

Alles belegt: Kitaplätze sind gefragt. Bild: ZB

Politikerinnen setzen andere Schwerpunkte als ihre männlichen Kollegen: Sie machen viel mehr Geld für Kitas locker.

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          In Deutschland regiert eine Kanzlerin, vier von sieben großen deutschen Parteien haben eine weibliche Vorsitzende – doch in der Fläche sind Frauen in der deutschen Politik unterrepräsentiert. Das hat weitreichende Folgen. Denn Politikerinnen setzen andere finanzielle Schwerpunkte als ihre männlichen Kollegen, wie ein Diskussionspapier des Münchener Ifo-Instituts nun zeigt.

          Maja Brankovic

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Kommunen treiben demnach den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen deutlich stärker voran, sobald der Frauenanteil in ihren Gemeinderäten steigt. Setzte sich bei Kommunalwahlen eine Frau im direkten Duell gegen einen männlichen Kandidaten durch, stiegen die Ausgaben der Gemeinden für die Kinderbetreuung um 40 Prozent schneller als in anderen Kommunen.

          Kommunalwahlen in Bayern analysiert

          Für ihre Studie arbeiteten sich die Mannheimer Ökonomin Zohal Hessami und der Siegener Wirtschaftsprofessor Thushyanthan Baskaran durch die Ergebnisse der Kommunalwahlen in Bayern zwischen 2002 und 2014 und filterten all jene Fälle heraus, in denen sich Frauen im direkten innerparteilichen Konkurrenzkampf gegen einen männlichen Kandidaten durchgesetzt hatten. Außerdem analysierten sie anhand von 7700 Gesprächsprotokollen die politische Debatte in den monatlichen Gemeinderatssitzungen. Mit jeder weiteren Frau veränderte sich demnach die Gesprächskultur in den Sitzungen zugunsten der Familienpolitik – und zwar unabhängig davon, für welche Partei die Frau angetreten war.

          Weibliche Gemeinderäte meldeten sich grundsätzlich öfter zur Kinderbetreuung zu Wort. Durch ihren Einsatz gewann das Thema in der Kommunalpolitik insgesamt an Gewicht. Ob die Ergebnisse ihrer Studie nun für oder gegen eine Frauenquote sprechen, diese Frage lassen die Autoren offen. Einerseits zeige ihre Studie, dass die anhaltende Unterrepräsentation von Frauen dazu führe, dass bestimmte Themen strukturell vernachlässigt würden. „Andererseits kann schon eine kleine Zahl an Frauen einen Unterschied machen“, heißt es in der Studie.

          Bundesweit läuft der flächendeckende Kita-Ausbau trotz aller Bemühungen noch immer schleppend an. Der Grund ist der steigende Bedarf. Zwar steigt die Zahl der Betreuungsplätze für unter Dreijährige seit Jahren sukzessive an, nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes gingen 2019 37 Prozent der Einjährigen und fast zwei Drittel der Zweijährigen in die Kita. Dennoch fehlen allein für die unter Dreijährigen nach wie vor knapp 320.000 Plätze, wie eine Auswertung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln im vergangenen Herbst ergab.

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