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Kinderbetreuung : Das Glück in der Krippe

  • -Aktualisiert am

Sollen Eltern, die ihr Kind nicht in eine Krippe geben, ein Betreuungsgeld vom Staat erhalten? Der Zeitgeist ist strikt dagegen und sucht das Heil in der Krippe. Aber jeder will Geld vom Staat.

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          Der Streit um das Betreuungsgeld wird immer erbitterter geführt. Wer noch dafür ist, dass Eltern, die ihr Kind nicht in eine Krippe geben, künftig monatlich 150 Euro erhalten, muss sich an diesen Ostertagen warm anziehen. Denn der Zeitgeist (ein ungewöhnliches Kartell aus Arbeitgeberfunktionären, FDP-Politikern und gendermäßig korrekten Fortschrittsfreundinnen) hält die Subvention für die Familien für rausgeschmissenes Geld, im besten Fall (Mittelschicht) unnötig, im schlechtesten Fall (Prekariat) schädlich, weil zum Kauf von Zigaretten und Alkohol zweckentfremdet. Der Zeitgeist sucht das Heil lieber in der Krippe und will alles Geld auf den Ausbau der aushäusigen Kinderbetreuung konzentrieren. Denn dann nur seien die Mütter zur Arbeit bereit und von Heim und Herd befreit.

          Letzteres ist, mit Verlaub, das blödeste Argument gegen das Betreuungsgeld: Wenn Arbeitskräfte knapp werden (was aus demographischen Gründen sicher bald der Fall sein könnte), müssen Arbeitgeber ihnen eben mehr Gehalt bezahlen. Das jedenfalls ist der bessere Arbeitsanreiz als der Entzug des Betreuungsgeldes. Es wäre jedenfalls schon viel gewonnen, wenn in der Debatte die beschäftigungspolitischen von den familienpolitischen Argumenten getrennt würden.

          Die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Eltern

          Familienpolitisch aber ist nicht einzusehen, dass (wenn man schon subventioniert) die aushäusige Betreuung der Kleinkinder großzügiger vom Staat unterstützt wird als die heimische Erziehung. Die fehlenden Krippen sind schließlich kein Indiz von Marktversagen, sondern nur Ausweis mangelnder Zahlungsbereitschaft der Eltern. Wären die Eltern bereit, echte Marktpreise zu bezahlen, gäbe es auch bald ein entsprechendes Angebot privater Krippen. Wenn aber, wie bei uns der Fall, erwartet wird, dass der Staat sich an den Kita-Kosten beteiligt, dann dürfen jene Eltern nicht diskriminiert werden, die auf die Krippe verzichten.

          Es sei denn, die Stigmatisierung des Betreuungsgeldes geschähe aus Lenkungsgründen. Das aber wäre nur statthaft, wenn sich einigermaßen zweifelsfrei zeigen ließe, dass Kinder glücklicher und lebenstüchtiger werden, wenn sie Zeiten ihrer frühen Kindheit in der Krippe verbracht haben. Bekanntlich lässt sich hier (unterstützt von Bergen wissenschaftlichen Papiers) so oder so argumentieren: Soziales Lernen in der Gruppe ist hilfreich, ein guter Kindergarten kompensiert ein verlottertes Elternhaus. Doch zugleich ist auch gewiss, dass die frühe Trennung von den Eltern ihre eigenen Traumata auslösen kann. Dass Krippenkinder mehr streiten, demolieren und bindungsunfähig werden können, darauf haben zuletzt, gut belegt, deutsche Kinderärzte hingewiesen. Wenn Nutzen und Nachteile frühkindlicher Erziehung aber derart uneindeutig sind, sollte der Staat sich raushalten und die Eltern selbst, frei von ökonomischen Anreizen, entscheiden lassen. Wenn der Staat fördern will, kann er die Eltern direkt subventionieren (bei Angst vor Missbrauch in Form von Gutscheinen).

          Das Betreuungsgeld ist die 161. Subvention für Familien. Fair ist das alles nicht.

          Rund 160 familienpolitische Maßnahmen lässt der deutsche Staat sich jährlich rund 200 Milliarden Euro kosten. Das Betreuungsgeld ist sozusagen die 161. Subvention in einem Förderzoo, der zu weiten Teilen von der Mittelschicht für die Mittelschicht veranstaltet und finanziert wird. Das System ist weder effizient noch transparent, noch fair: Die Bürger haben sich gleichwohl an das „große Pumpwerk der Einkommen“ (Wilhelm Röpke) gewöhnt, das ihnen das Geld in die rechte Tasche nur pumpen kann, nachdem zuvor um einiges mehr aus der linken Tasche gezogen wurde. Ein Staat, der Gerechtigkeit herstellen will und dafür 161 Maßnahmen braucht, läuft zwangsläufig in die Ungerechtigkeitsfalle und befeuert den Verteilungskampf, anstatt ihn zu befrieden. Ein einfaches Steuersystem (wenn gewollt mit hoher Privilegierung von Eltern) wäre gerechter. Es wahrte zugleich den Respekt vor der Entscheidungsfreiheit der Bürger.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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