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Kinder und Karriere : Ab dem dritten Kind wird es richtig teuer

Kita in Brandenburg. Welche Einkommensnachteile ergeben sich, wenn der Nachwuchs stattdessen zu Hause betreut wird? Bild: dpa

Kinder sind ein Quell der Freude – und hoher Kosten. Die staatlichen Förderinstrumente ändern daran nur wenig. Ein Rechenexempel.

          Kinder sind ein teures Vergnügen. Ich kann das bestätigen, ich habe drei. Wenn ich im Supermarkt einkaufe, stellt sich an der Kasse nie jemand hinter mir an, denn der Einkaufswagen ist immer randvoll. Die Rechnung fällt entsprechend aus: Unter 160 Euro sind es selten, selbst beim Discounter. Die Einkäufe verstaue ich in einem gebrauchten VW Passat. Der sechs Jahre alte Golf musste weichen, als die Familie auf fünf Mitglieder wuchs. Unser Sparschwein ist seit dem Autowechsel schlank; der erzwungene Austausch hat etwa 10.000 Euro gekostet.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Andere Paare müssen ebenfalls tief in die Tasche greifen, wenn die Familie größer wird. Einige brauchen ein größeres Auto, andere eine größere Wohnung, die meisten einen größeren Kleiderschrank. Und alle zahlen erheblich mehr für Lebensmittel.

          Das Statistische Bundesamt hat diese individuellen Erfahrungen schon vor Jahren in repräsentative Zahlen umgewandelt. Die Behörde hat nachgewiesen, wie teuer Kinder Monat für Monat sind. Dabei berücksichtigten die Statistiker alle Kosten – von den Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Freizeitausgaben. Den Daten zufolge kostet das erste Kind seine Eltern im Durchschnitt 550 Euro im Monat, für zwei Kinder werden insgesamt 948 Euro fällig, für drei 1.356 Euro. Die Ausgaben je Kind steigen nicht gleichmäßig, weil sich die jeweiligen Ausgabenblöcke unterschiedlich entwickeln. Für Kleidung etwa geben Eltern mit zunehmender Familiengröße immer weniger aus, weil die jüngeren Kinder die Jeans und Pullis ihrer älteren Geschwister auftragen. Auch Nahrung wird im Schnitt billiger, weil große Packungen nicht wesentlich teurer sind als kleine. Die Kosten fürs Wohnen und das Auto schnellen hingegen beim dritten Kind in die Höhe. Zwei Kinder lassen sich meist noch in die alte Wohnung und den alten Wagen quetschen, das dritte oft nicht.

          Kinder als mögliche Ursache für wirtschaftliche Armut

          Die Statistik zeigt auch, dass das Kindergeld nur rund ein Drittel der tatsächlichen Kosten abdeckt. Am Ende des Monats bleiben Eltern von einem Kind statistisch auf 366 Euro sitzen. Für zwei Kinder müssen sie insgesamt 580 Euro von ihrem Nettogehalt abzweigen, für drei 798 Euro. Wer seine Kinder nicht selbst betreut, muss noch mehr ausgeben. Die Betreuungskosten sind in Deutschland je nach Stadt zwar höchst unterschiedlich. Zumindest in westdeutschen Metropolen kostet ein Krippenplatz aber meist um die 500 Euro.

          Das Kindergeld beträgt nur ein Drittel der tatsächlichen Kosten

          Wer angesichts der hohen Beiträge oder aus Überzeugung selbst auf seine Kinder aufpasst, spart dadurch nur vordergründig. Elterngeld zahlt der Staat höchstens, bis das Kind 14 Monate alt ist. Die Unterstützung ist auf 1.800 Euro im Monat gedeckelt und ersetzt etwa zwei Drittel des wegfallenden Nettolohns. Spätestens nach 14 Monaten erhält derjenige, der weiter zu Hause bleibt und auf den Nachwuchs aufpasst, nur noch 100 Euro Betreuungsgeld. Der Rest seines früheren Einkommens entfällt. Diese Einbußen sind in der Rechnung des Statistischen Bundesamtes nicht aufgeführt. Nicht berücksichtigt sind zudem die Einkommensnachteile durch entgangene Karrierechancen und Abschläge in der späteren Rente.

          Einige werden diese Rechnung für kleinlich halten, für wehleidig oder materialistisch. Die Realität aber ist: In den Familien wird gerechnet. In den nächsten Monaten stehen meine Frau und ich vor der Wahl, auf unsere drei kleinen Kinder zu Hause aufzupassen oder sie in eine Kita zu geben. Im ersten Fall entgeht uns ein Akademikergehalt, im zweiten Fall werden für alle Kinder zusammen etwas mehr als 1.000 Euro Betreuungskosten im Monat fällig – 12.000 Euro im Jahr. Wohlgemerkt, das sind die Elternbeiträge einer staatlichen Krippe. Die Luxuskita mit besserem Betreuungsschlüssel und längeren Öffnungszeiten würde das Doppelte kosten: 23.760 Euro im Jahr.

          Angesichts solcher Ausgaben ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland 40 Prozent der Alleinerziehenden Hartz IV beziehen. In wissenschaftlichen Untersuchungen wird der Tatbestand „mindestens drei Kinder“ sogar als eine mögliche Ursache für wirtschaftliche Armut aufgeführt – genau wie Krankheiten und ein fehlender Berufsabschluss.

          In der öffentlichen Diskussion spielen die Kosten, die Kinder mit sich bringen, gleichwohl seit Jahren nur eine untergeordnete Rolle. Seit das Elterngeld vor sieben Jahren eingeführt wurde, ist sich das politische Berlin weitgehend einig, dass es mit der direkten staatlichen Unterstützung nun auch mal gut sein müsse. Das von der CSU durchgesetzte Betreuungsgeld wurde zusammengestrichen, die von der Union im Wahlkampf versprochene Kindergelderhöhung nur Tage nach der Wahl wieder abgeräumt. Stattdessen erhalten Rentner mehr Geld.

          Es sei ihnen gegönnt. Genauso sei es Doppelverdienern ohne Kinder gegönnt, wenn sie dreimal im Jahr Urlaub machen, schnellere Autos fahren und eher Karriere machen. Wer will seine Kinder schon gegen schnöden Mammon eintauschen? Ein viertes Kind wollte oder könnte zumindest ich mir aber nicht leisten – es ist schlicht zu teuer.

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