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Laut neuer Studie : Deutschlands Kinder erhalten drei Milliarden Euro Taschengeld

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Nach einer neuen Kinder-Medien-Studie bekommen Kinder monatlich im Durchschnitt 20,52 Euro – etwa vier Euro weniger, als noch vor zwei Jahren. Bild: dpa

Deutschlands Kinder bekommen im Monat etwa vier Euro weniger Taschengeld als noch vor zwei Jahren. Das könnte mit ihrem Medienkonsum zusammenhängen.

          Kinder in Deutschland bekommen weniger Taschengeld als noch vor zwei Jahren – und sind trotzdem milliardenschwer. Das hat eine repräsentative Studie im Auftrag von sechs Zeitschriftenverlagen ergeben, die in diesem Jahr zum dritten Mal erschienen ist. Demnach verfügen die befragten 4 bis 13 Jahre alten Mädchen und Jungen insgesamt über knapp drei Milliarden Euro im Jahr; dazu zählen sowohl Taschengeld als auch Geldgeschenke. Im Monat bekommen die Kinder durchschnittlich 20,52 Euro Taschengeld. Das sind etwa vier Euro weniger als noch vor zwei Jahren.

          Insgesamt bekommen 95 Prozent der 6 bis 13 Jahre alten Kinder Taschengeld, im Alter zwischen 10 und 13 sogar nahezu jedes Kind. Der Großteil der Kinder darf dabei frei entscheiden, wofür sie ihr Taschengeld ausgeben. In Süßigkeiten investieren die meisten Kinder, nämlich 70 Prozent. Knapp die Hälfte der befragten Kinder geben ihr Taschengeld für Zeitschriften oder Comics aus – und das am liebsten sofort: Lange gespart wird bei den Kindern tendenziell nicht. Für Hörbücher geben nur 4,4 Prozent der Befragten Geld aus.

          Warum Kinder weniger Taschengeld bekommen, erklärt die Studie nicht. Experten gehen jedoch nicht davon aus, dass Kinder generell weniger konsumieren. Möglicher Grund könnte vielmehr sein, dass Familien zunehmend Handyverträge oder digitale Käufe für ihre Kinder abschließen. Dies können beispielsweise Filmdownloads oder Computerspiele sein, wie Malte Riken aus der Verlagsleitung beim Zeit-Verlag erklärt. Durch die Extraausgaben wird beim Taschengeld somit etwas gespart.

          Lesen beliebtestes Hobby

          Die sogenannte Kinder-Medien-Studie befasst sich zudem ausführlich mit dem Medienkonsum und dem Freizeitverhalten der Kinder. Lesen gehört zum beliebtesten Hobby bei den 6 bis 13 Jahre alten Befragten: 74 Prozent lesen mindestens eine der 46 abgefragten Kinderzeitschriften. Die Ablenkung durch andere Medien ist für sie dabei tabu. Die Eltern der Kinder haben deutlich höheres Vertrauen in Magazine als in Fernsehen, Radio oder Internet.

          Bei den Kindern nimmt jedoch vor allem die Beliebtheit von Fernsehen und Internet immer weiter zu. Eine große Mehrheit schaut in ihrer Freizeit Filme und Serien im Fernsehen. Gleichzeitig werden Streaming-Angebote im Internet immer interessanter. Besonders die älteren Kinder nutzen Plattformen wie Spotify oder Youtube. Oft werden dabei die Abos der Eltern genutzt. Mehr als die Hälfte der 10 bis 13 Jahre alten Kinder konsumiert Streamingdienste mehrmals in der Woche. Im Vergleich zum Vorjahr nahm das Konsumverhalten in allen Altersgruppen zu.

          Balance zwischen digital und analog

          Auch in der Kommunikation mit Freunden sind Kinder zunehmend digital unterwegs: 70 Prozent der 6 bis 13 Jahre alten Kinder gaben an, Textnachrichten zu schreiben. Dafür nutzen mehr als die Hälfte der Jungen und Mädchen Whatsapp, 13 Prozent Instagram. Wichtiger ist den Heranwachsenden im Austausch miteinander nur der Griff zum Hörer – gut neun von zehn Kindern telefonieren mit ihren Freunden. Jedes zweite befragte Kind zwischen 6 und 13 Jahren wünscht sich ein Handy oder Smartphone.

          Kinder finden der Studie zufolge eine gute Balance zwischen analoger und digitaler Welt. „Da sind Kinder besser drin, als man denkt“, sagt Malte Riken vom Zeit-Verlag. Zwar schaut fast jedes zweite Kind regelmäßig Youtube oder surft im Internet – Aktivitäten mit der Familie und draußen zu spielen stehen aber weiterhin hoch im Kurs. Rund acht von zehn Kindern spielen in ihrer Freizeit im Freien, 89 Prozent treffen sich mehrmals in der Woche mit Freunden.

          Für die Studie sind die Konsum- und Freizeitvorlieben im Zeitraum von Februar bis April diesen Jahres untersucht worden. Somit liefert die Studie repräsentative Daten in die Lebensrealität der 7,31 Millionen 4 bis 13 Jahre alten Kinder in Deutschland. Etwa 2000 Kinder wurden befragt. Auftraggeber waren unter anderem die Verlagshäuser Gruner + Jahr, der Spiegel sowie die Zeit.

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