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Caritas-Chef über KfW-Stopp : „Uns fehlen 2 Millionen Euro“

Andreas Bierod leitet die Caritas-SkF-Essen, eine Sozialorganisation mit 900 Mitarbeitern Bild: Caritas-SkF-Essen

Für ein Hospiz und eine Kita fehlt einer Sozialorganisation in Essen durch den KfW-Förderstopp viel Geld. Der Geschäftsführer überlegt, ob er nun weniger ökologisch bauen oder die Mieten für Senioren anheben muss.

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          Die KfW hat quasi über Nacht die Gebäudeförderung gekappt. Sie sind Geschäftsführer einer Sozialorganisation in Essen mit 900 Mitarbeitern und mehr als 50 Einrichtungen. Welche Auswirkungen hat der Förderstopp für Sie?

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

          Wir haben zwei Projekte, eines haben wir Mitte Januar eingereicht, eines wollten wir am Montag einreichen. Für eine Kita in einem Problemviertel in der Essener Nordstadt haben wir 504.000 Euro von der KfW beantragt. Das andere ist ein Hospiz mit altengerechten Wohnungen. Da wollten wir 1,5 Millionen Euro beantragen. Insgesamt fehlen uns also 2 Millionen Euro.

          Wie haben Sie von dem Förderstopp erfahren?

          Wir hatten für Montagnachmittag ein Treffen mit unserem Energieberater verabredet. Um 7:45 Uhr am Montag war der noch im Portal, 8:15 Uhr war das Portal down. Es fehlten nur noch wenige Dokumente. Der Energieberater hat angerufen: Herr Bierod, wir haben ein Problem. Es ist gerade völlig unklar, wie es weitergeht.

          Sind die Projekte damit in Gefahr?

          Nein, wir müssen aber schauen, wie wir alternative Finanzierungen hinbekommen. In Essen liegt das Geld nicht auf der Straße. Vielleicht müssen wir das Geld umlegen auf künftige Mieter. Für die Senioren könnten die Mieten damit steigen.

          Und die Kita?

          Da haben wir gerade noch keine gute andere Idee. Müssen wir die Energiestandards nochmal anpassen? Das wissen wir noch nicht. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wir bauen nach einem höheren Standard, um dafür die Förderung zu bekommen. Oder nach einem niedrigeren Standard. Das hängt vom Folgeprogramm ab. Je länger es dauert, bis das kommt, desto mehr werden sagen: Okay, dann bauen wir eben weniger gut.

          Wir haben bestimmte bauliche Maßnahmen nur gemacht, um den Standard zu erreichen. Man kann auch anders günstiger bauen. Der niedrigere Standard KfW 75 ist ja nicht verboten. Ob das ökologisch wirklich sinnvoll ist, weiß ich nicht.

          Sind Sie wütend?

          Ich bin enttäuscht. Aus Sicht der Rechtssicherheit ist das problematisch. Im November wurde angekündigt, dass die Förderung zum Januar ausläuft. Damit kann man planen. Klar, gibt es dann einen Run. Wenn man dann sieht, dass das stark steigt, kann man die Förderung früher schließen. Aber nicht von jetzt auf gleich. Das ist kein gutes Verwaltungshandeln und geht zu Lasten des Bürgers und karitativer Organisationen wie der unsrigen.

          Prüfen Sie rechtliche Mittel?

          Wir prüfen, ob wir rechtliche Möglichkeiten haben. Wir müssen in die Förderrichtlinie schauen. Wenn da steht, dass man sich vorbehält, das vorzeitig zu schließen, sind die rechtlichen Möglichkeiten begrenzt. Ich habe noch keine Antwort von unserem Anwalt erhalten.

          Halten Sie den Schritt politisch für richtig?

          Dass der Schritt langfristig nachvollziehbar ist, will ich gar nicht ausschließen. Aber er ist halt schlecht organisiert. Es geht um das Management, nicht die politische Richtung.

          Liegt das schlechte Management an den Grünen?

          Ich hoffe, dass unsere Ministerien parteiunabhängig so gut aufgestellt sind, dass sie die Auswirkungen eines solchen Schrittes im Blick haben.

          Andreas Bierod

          Andreas Bierod ist Geschäftsführer der Caritas-SkF-Essen gGmbH, die Kitas, Altenpflegeeinrichtungen, Angebote für Wohnungslose und weitere soziale Angebote in Essen betreibt. Insgesamt hat die Organisation etwa 900 Mitarbeiter und mehr als 50 Standorte in Essen. Gesellschafter sind der Caritasverband für die Stadt Essen und der Sozialdienst katholischer Frauen Essen-Mitte.

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