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Keine Zugfahrten am Morgen : Nach den Piloten streiken die Lokführer

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Gleise am Frankfurter Hauptbahnhof Bild: AP

Nach dem Streik ist vor dem Streik: Während die Piloten der Lufthansa am späten Abend ihren Ausstand beendet haben, legen an diesem Samstagmorgen die Lokführer der Bahn ihre Arbeit nieder.

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          Der Pilotenstreik bei der Lufthansa ist am Freitagabend nach sechs Stunden zu Ende gegangen. Insgesamt fielen 218 Flüge am Frankfurter Flughafen aus, wie das Unternehmen mitteilte. 59 davon waren an Deutschlands größtem Airport schon vor Streikbeginn abgesagt worden. 26.000 Passagiere seien von dem Ausstand betroffen gewesen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte von 17 bis 23 Uhr Kurz- und Mittelstreckenflüge bestreikt, die von Frankfurt abgehen sollten. „Ein Chaos ist ausgeblieben“, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels am Abend. Insgesamt seien etwa 14.000 Passagiere umgebucht worden.

          Die möglichen Strapazen zum Ferienende sind für Urlaubsheimkehrer in Deutschland allerdings noch nicht beendet: Nach den Piloten der Lufthansa streiken an diesem Samstagmorgen die Bahn-Angestellten. Die Lokführergewerkschaft GDL rief ab 6 Uhr zu einem dreistündigen Warnstreik auf. Bundesweit sollen Lokführer, Rangierführer und Zugbegleitpersonal im Personen- und Güterverkehr die Arbeit niederlegen. Getroffen werden damit auch Reisende im Rückreiseverkehr zum Ende der Schulferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die GDL fordert Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen nicht nur für die Lokführer, sondern auch für das Begleitpersonal.

          Am Frankfurter Flughafen hatten am Freitag um 17 Uhr die Lufthansa-Piloten die Arbeit niedergelegt. Der Ansturm am Flughafen selbst hielt sich aber in Grenzen, die Schlangen vor den Checkin-Schaltern waren nicht länger als sonst. Am Samstag werde der Flugbetrieb aber wieder weitgehend normal laufen, erklärte ein Lufthansa-Manager. Vorsichtshalber hat Lufthansa über 2000 Hotelzimmer für gestrandete Passagiere im Raum Frankfurt reserviert.

          Vor einer Woche traf der Ausstand bereits die Billigtochter Germanwings. Die 5400 Flugzeugführer kämpfen für die Beibehaltung ihrer betriebsinternen Frührente - die Lufthansa-Spitze hält die Regelung auf Dauer hingegen für unbezahlbar. Eine Annäherung ist nicht in Sicht, weshalb die Piloten betonen, dass es nach dem Ausstand am Freitag jederzeit zu neuen Streiks kommen kann. Kratky forderte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. „Der nächste Schritt muss sein, dass wir wieder Gespräche aufnehmen.“

          Analyst: Streik kostet Lufthansa fünf Millionen Euro

          Die Arbeitsniederlegung der Piloten kommt für die Lufthansa zur Unzeit, da der Konzern einen harten Sanierungskurs verfolgt. Die Kosten des neuen Streiks dürften Millionenhöhe erreichen, sagte eine Airline-Sprecherin. „In der Vergangenheit hat sich gezeigt, das allein die Ankündigung eines Ausstands zu Buchungsrückgängen führt.“ Nach Schätzungen von Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler gehen der Lufthansa fünf Millionen Euro Betriebsgewinn verloren. Der Konzern will in diesem Jahr eine Milliarde Euro operativen Gewinn einfahren.

          Im April hatte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit die Lufthansa mit einem Streik drei Tage lang so gut wie lahmgelegt: 3800 Flüge fielen aus, auch viele der lukrativen Langstreckenverbindungen. Die Gewinneinbußen für den Frankfurter Konzern beliefen sich damals auf insgesamt 60 Millionen Euro.

          Cockpit kämpft in dem Tarifclinch für die Beibehaltung einer betriebsinternen Frührente. Die Lufthansa kündigte den entsprechenden Tarifvertrag Ende vorigen Jahres. Seinerzeit bereits angestellte Flugzeugführer erhalten noch bis 2016 unter der alten Bedingungen Frührente - Berufsanfänger hingegen gehen bis zur Einigung auf eine neue Regelung leer aus. Cockpit pocht hingegen auf eine Gleichbehandlung von Jung und Alt und argumentiert, dass die langen Arbeitszeiten und Nachtflüge auf Dauer an der Gesundheit nagen. Bislang konnten die Piloten frühestens mit 55 Jahren das Steuer aus der Hand legen - durchschnittlich starten sie mit 59 Jahren in die Rente. Die Lufthansa will den Schnitt auf 61 Jahre erhöhen.

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