https://www.faz.net/-gqe-9gqh3

Kommentar zu Subventionen : Keine Milliarden für Batteriezellen

Eine Batteriezellfabrik rechnet sich hierzulande nicht. Warum gibt die Politik dann Geld dafür aus? Bild: dpa

Mit einer Milliarde Euro will der Bundeswirtschaftsminister Batteriezellfabriken in Deutschland fördern. Der Haken: Die subventionierte Technologie ist nur eine Übergangslösung.

          3 Min.

          Die Bundesregierung hat Großes vor. Damit Deutschland nicht den Anschluss verliert im Rennen um die Elektromobilität, soll hierzulande eine eigene Batteriefabrik entstehen. Genauer gesagt, eine Batteriezellfabrik. Die Zelle ist der Energiespeicher der Batterie, komplette Batteriemodule werden längst auch in Europa zusammengebaut. Aber die Produktion der zentralen Zellen obliegt bislang ausschließlich einer Handvoll asiatischer Unternehmen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will das unbedingt ändern und hat gerade eine Milliarde Euro Fördermittel für die erste deutsche Zellfertigung ausgelobt. Bis zum Jahr 2030 soll nach dem Willen des Unionspolitikers knapp ein Drittel der globalen Nachfrage aus deutscher und europäischer Produktion kommen. Ein Minister steht unter Strom zur vermeintlichen Rettung der heimischen Schlüsselindustrie.

          Altmaiers industriepolitisches Streben mag zunächst einleuchten, offenbart bei genauerem Hinsehen allerdings gravierende Mängel: Zum einen stellt sich die Frage, warum die Politik als Financier und Antreiber für ein Projekt ranmuss, wenn die Privatwirtschaft dafür am Markt bislang kein Potential sieht. Wird hier Steuergeld für ein Projekt verschwendet, das in sich zusammenzufallen droht, sobald der Subventionsstecker gezogen wird? Zum anderen birgt die hohe Symbolik, welche die Standortfrage einer Batteriezellfabrik mittlerweile erfährt, die Gefahr, dass der Blickwinkel gefährlich verengt wird.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Der Stoff, aus dem sich viel mehr als eine leckere Suppe kochen lässt: Hokkaido-Kürbis

          Leckeres aus Kürbis kochen : Hitze tut ihm richtig gut

          Die Kürbissaison ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Aber was anstellen mit den Riesenbeeren? Köche sagen: in den Ofen schieben. Wir stellen ein Rezept von Johann Lafer vor und eines, das auf Paul Bocuse zurückgeht.

          Altmunition im Meer : Sprengstoff im Fisch

          1,6 Millionen Tonnen Munitions- und Sprengstoffreste werden in der deutschen Nord- und Ostsee vermutet. Sie lösen sich langsam auf – und belasten schon jetzt stellenweise Tiere und Pflanzen.
          Seit September 2017 gilt das WLTP, ein weltweit harmonisiertes Prüfprogramm. Hier eine Abgasprüfung beim TÜV Rheinland.

          Das Grenzwert-Drama : 95 Gramm

          Von 2020 an dürfen Neufahrzeuge in Europa im Schnitt nur noch vier Liter Benzin oder dreieinhalb Liter Diesel verbrauchen. Wie es zu einem Grenzwert kam, der die Grenzen der Physik sprengt.