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„Keine Eintrübung zu erkennen“ : Zahl der Arbeitslosen geht weiter zurück

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Bild: Bundesagentur für Arbeit

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im November überraschend um 24.000 auf 2,71 Millionen gesunken. Auch saisonbereinigt ging die Arbeitslosenzahl weiter zurück.

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          Die Zahl der Arbeitslosen ist in Deutschland noch einmal auf ein Rekordtief gesunken. Mit 2,713 Millionen rutschte die November-Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Wert seit 20 Jahren, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg berichtete. Im Vergleich zum Oktober ging die Zahl der Erwerbslosen dank der weiterhin guten Konjunktur um 24 000 zurück. Das ist ein Minus von 214 000 binnen Jahresfrist. Die Arbeitslosenquote nahm seit Oktober um 0,1 Punkte auf 6,4 Prozent ab, nachdem sie ein Jahr zuvor noch bei 6,9 Prozent gelegen hatte.

          Gemessen an der Entwicklung von September bis November fiel der Herbstaufschwung in diesem Jahr allerdings etwas schwächer aus als in den beiden Vorjahren, wie die Statistik der Bundesagentur zeigt. War in den Jahren 2009 und 2010 die Arbeitslosigkeit in diesem Drei-Monats-Zeitraum um fast 260.000 gesunken, lag der Rückgang in diesem Jahr lediglich bei rund 230.000.

          Die Bundesagentur sprach am Mittwoch dennoch von einer „anhaltend positiven Entwicklung“ auf dem Arbeitsmarkt. „Im November ist keine Eintrübung zu erkennen. Die Finanzmarkt-Turbulenzen schlagen sich noch nicht in der Realwirtschaft wieder“, kommentierte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt die jüngste Entwicklung. Zudem sei die wirtschaftliche Lage in Deutschland stabil: „Wir haben ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent, einen hervorragend funktionierenden Export und höhere Steuereinnahmen“, gab Alt zu bedenken.

          Auch Hartz-IV-Empfänger profitieren

          Trotzdem sehe die Bundesagentur durchaus die aktuellen Probleme: „Die Weltwirtschaft schwächt sich ab, und im Finanzsektor gibt es einige Probleme. Das hat aber auf den Arbeitsmarkt noch nicht durchgeschlagen - und wir hoffen, dass es noch einige Zeit so bleibt“, unterstrich Alt. Die 176 regionalen Arbeitsagenturen sähen jedenfalls keine Hinweise für eine deutliche Abschwächung des Jobaufschwungs, ergänzte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. „Die überwiegende Zahl der Agenturchefs sieht die Entwicklung neutral bis verhalten optimistisch. Nur 10 bis 15 rechnen mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit“.

          Nach Angaben von Alt, der im BA-Vorstands für Hartz IV zuständig ist, profitieren inzwischen auch zunehmend Hartz-IV-Empfänger von dem langanhaltenden Job-Aufschwung. So sei die Zahl der arbeitslos gemeldeten Hartz-IV-Empfänger innerhalb eines Jahres um 80 000 auf 1,94 Millionen gesunken. „Auch die Aufstocker wachsen nicht weiter“, betonte Alt. Zu den sogenannten Aufstockern gehören Beschäftigte, die wegen ihres geringen Lohn zusätzlich auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sind oder ihren Harz-IV-Bezug mit einem Nebenjob aufbessern.

          Glänzende Aussichten für Naturwissenschaftler

          Mit den Rekordtiefständen bei der Arbeitslosigkeit ist es nach Alts Einschätzung allerdings jetzt erst einmal vorbei. Mit dem beginnenden Winter dürfte schon im Dezember die Erwerbslosenzahl wieder steigen. „Im Januar und Februar werden wir dann die Drei-Millionen-Markt mit hoher Wahrscheinlichkeit überschreiten“, prognostizierte der BA-Manager. In den drei Wintermonaten sei ein Anstieg der Erwerbslosenzahl um 400.000 bis 500.000 üblich. Nach Abzug solcher jahreszeitlicher Effekte rechnet Alt allerdings mit einer Fortsetzung des Jobaufschwung im ersten Halbjahr 2012.

          Die noch immer stabile Lage auf dem Arbeitsmarkt belegt auch die Erwerbstätigenstatistik. Danach ist die Zahl der Erwerbstätigen nach den jüngsten Daten vom Oktober binnen Jahresfrist um 477 000 auf 41,55 Millionen gestiegen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs wuchs zuletzt im September sogar um 698.000 auf 28,97 Millionen. Gut die Hälfte davon sind Vollzeit-, die anderen Stellen Teilzeitjobs. Die Posten entstanden in allen Bundesländern und in den meisten Branchen. Leicht an Bedeutung verlor die Zeitarbeit; sie sei inzwischen gemessen an der Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze nur noch an vierter Stelle, berichtete Alt.

          Naturwissenschaftlich-technische Fachkräfte haben derzeit so gute Jobaussichten wie noch nie: In den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - die man auch als MINT-Fächer bezeichnet - waren im Oktober knapp 240.000 Stellen frei, wie aus dem MINT-Report 2011 hervorgeht, der am Mittwoch vorgestellt wurde.
          Gleichzeitig suchten aber auch rund 74.000 Menschen mit naturwissenschaftlicher oder technischer Qualifikation eine Arbeit. Damit ergibt sich eine Fachkräftelücke von 166.000 Personen.

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