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Allzeithoch : Keine Angst vor dem Dax-Rekord

Die Hausse könnte noch andauern Bild: AP

Als der Dax im Jahr 2000 auf Höhenflug war, wurde gefeiert auf dem Börsenparkett. Umso heftiger war der Kater. Diesmal blieb die Party aus. Trotzdem spricht viel dafür, dass die Hausse am Aktienmarkt noch nicht zu Ende ist. Von Daniel Mohr.

          Es ist geschafft: Nach gut sieben Jahren hat der Deutsche Aktienindex Dax am Freitag einen neuen Rekord aufgestellt. Mit 8152 Punkten überbot er um kurz nach neun Uhr die am 7. März 2000 erreichten 8136 Punkte. Doch während vor sieben Jahren noch kräftig auf dem Börsenparkett gefeiert wurde, blieb die Party dieses Mal aus. Damals, auf dem Höhepunkt der letzten Hausse, präsentierten sich viele neue Millionäre stolz der Öffentlichkeit, und die Zahl der Börsengurus stieg ebenso schnell wie die Kurse. Der anschließende Kater war aber derart heftig – der Dax fiel bis auf 2188 Punkte –, dass viele Privatanleger bis heute misstrauisch geblieben sind und von Aktienanlagen nichts mehr wissen wollen.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Dabei gibt es jetzt viel eher Grund zur Freude. Während damals der Traum von ungeheuren Gewinnen durch Internet und Handys geträumt wurde, sind Phantastereien auf dem Parkett heute kaum zu finden. Reale Unternehmensgewinne rechtfertigen die gestiegenen Kurse. Die deutschen Aktiengesellschaften haben es verstanden, sich fit für die Zukunft zu machen, und ernten jetzt die Früchte ihrer Arbeit. Die Großkonzerne sind international gut vernetzt und profitieren so von dem starken Wirtschaftsaufschwung in China, Indien und Osteuropa. Sie sind konkurrenzfähiger geworden und verkaufen so viele Güter in die Welt wie niemand sonst.

          Faire Bewertung

          All das ließ und lässt die Unternehmensgewinne steigen, und zwar so stark, dass deutsche Aktien auch nach mehr als vierjähriger Hausse immer noch nicht teuer sind. Der deutsche Aktienmarkt gilt nach wie vor als einer der attraktivsten auf der Welt. Das Verhältnis aus Kurs und erwartetem Gewinn für das Jahr 2007 liegt für den Dax bei 14, was als faire Bewertung gilt. Im März 2000 lag der vergleichbare Wert bei mehr als 25. Anders als damals gibt es daher heute auch keine Warnungen, dass die Aktienmärkte heiß gelaufen seien und ein Absturz bevorstünde. Ein kräftiges Wachstum der Weltwirtschaft mit wenig Inflation nährt vielmehr die Erwartungen an weiter steigende Unternehmensgewinne, wenngleich wohl nicht mehr mit derselben Dynamik wie in den vergangenen Jahren. Da wurden die Erwartungen meist nicht nur erreicht, sondern noch weit übertroffen.

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          Ein zweiter Faktor, der für eine Fortsetzung der Hausse spricht, ist die reichlich vorhandene Liquidität. China hat Devisenreserven von mehr als 1,3 Billionen Dollar angesammelt. Sie sollen fortan nicht mehr nur in vergleichsweise schwach rentierliche amerikanische Staatsanleihen, sondern auch in Aktien angelegt werden. Hedge-Fonds und Beteiligungsgesellschaften haben viel Kapital und sind stets auf der Suche nach attraktiven Anlageobjekten. Und auch die Aktiengesellschaften selbst sorgen mit ihrem Wunsch nach Übernahmen und Fusionen für eine hohe Nachfrage nach Aktien. Meist kaufen sie die Papiere der Konkurrenz in bar auf. Das verknappt das Angebot der umlaufenden Aktien.

          Nicht das Ende der Hausse

          Für eine zusätzliche Nachfrage nach Dividendenpapieren könnten überdies die deutschen Versicherungen sorgen. Mit einer Aktienquote von derzeit rund zehn Prozent sind die Lebensversicherer weit weniger am Aktienmarkt investiert als üblich, im Jahr 1998 lag die Quote noch bei 21 Prozent, im Jahr 2000 sogar bei 26 Prozent.

          Viele Fakten sprechen also dafür, dass der neue Dax-Rekord nicht das Ende der Hausse markiert. Gleichwohl gibt es dafür keine Garantie. Eine Beschleunigung der Geldentwertung mit der Folge weiter steigender Zinsen, hohe Ölpreise oder starke Schwankungen der Wechselkurse könnten die Aktienmärkte erschüttern. Rückschläge und Korrekturen werden immer wieder kommen.

          Die Deutschen sind vorsichtig

          Eine Aktie ist und bleibt eine riskante Anlageform. Das macht sie bei den Deutschen unbeliebt. Das ist schade, denn so entgehen ihnen auch gute Chancen auf hohe Renditen. In Deutschland sinkt die Zahl der Aktionäre seit Jahren, auch aus Aktienfonds wird Geld abgezogen. Nur etwas mehr als zehn Millionen Deutsche legen ihr Geld direkt oder indirekt in Aktien an.

          Die Hausse wird daher vor allem von Anlegern aus dem Ausland getrieben, die von der starken Position vieler Dax-Konzerne an den internationalen Märkten profitieren wollen. Die Deutschen sind da vorsichtig. Dabei haben Aktien langfristig – bei allem Auf und Ab – im Durchschnitt wesentlich mehr Ertrag gebracht als Rentenpapiere, Tagesgeldkonten oder gar das Sparbuch.

          Aktien einfach liegen lassen

          Der Anleger muss eigentlich nicht viel tun, um daran teilzuhaben: Aktien kaufen – am besten von verschiedenen Unternehmen, denn ein breitgestreutes Portfolio mindert das Risiko – und dann Geduld haben. Wer die Aktien nicht selbst auswählen will, ist mit Aktienfonds oder Indexzertifikaten gut beraten. Hilfreich ist vielleicht noch ein sukzessiver Aufbau des Aktiendepots, um nicht zufällig komplett zum Höhepunkt einer Hausse einzusteigen.

          Aber selbst beim Kauf von Anteilen der größten deutschen Unternehmen zu den unglücklichsten Zeitpunkten – in den Jahren 1961 und 2000 – stellten sich nach wenigen Jahren Gewinne ein. Wer sein Geld in absehbarer Zeit nicht anderweitig braucht, sollte die Aktien einfach liegen lassen. Versuche, zu Hochpunkten auszusteigen, um bei Tiefpunkten wiedereinzusteigen, scheitern mangels vorheriger Kenntnis der Wendepunkte oft.

          Die Kursgewinne aus bis Ende 2008 gekauften Aktien sind zudem steuerfrei, wenn der Aktionär die Papiere mindestens ein Jahr hält. In den vergangenen 50 Jahren waren so durchschnittlich etwa neun Prozent Nachsteuerrendite im Jahr zu erzielen. Das schafft keine andere weitverbreitete Geldanlage.

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