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Kommentar : Kein Ruhmesblatt

Beim Autokonzern Volkswagen droht wegen des Konfliktes mit einem Schlüsselzulieferer eine Ausweitung der Kurzarbeit. Den Schaden haben die Mitarbeiter.

          Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man das Ganze schnell als Posse abtun. Bei VW stehen jetzt schon die Bänder in Emden still, weil ein Zulieferer trotz einstweiliger Verfügung eines Gerichts Sitzbezüge für den VW-Passat nicht liefert. Ein anderes Tochterunternehmen derselben Zuliefergruppe stoppt jetzt die Lieferung wichtiger Teile für Autogetriebe von VW. Schon bald können deswegen auch bei VW in Wolfsburg, Kassel und Zwickau tausende VW-Mitarbeiter in den Zwangsurlaub geschickt werden.

          Und niemand weiß warum. Es geht nicht um Preise, sagt VW. Es geht nicht um Qualität, sagt VW. Der Zulieferer hat - trotz der dramatischen Folgen seines Lieferstopps - erst einmal gar nichts gesagt. Das Gericht berichtet von einer „letztlich nicht zustande gekommenen Geschichte“. Dass VW - auch wegen der finanziellen Lasten des Abgasskandals - den Preisdruck auf Zulieferer erhöht, ist ein offenes Geheimnis.

          Dass ein Zulieferer als Antwort darauf - oder aus anderen mysteriösen Gründen - vertraglich zugesicherte Teile nicht liefert, obwohl er davon vom Gericht aufgefordert worden ist, hat eine neue Qualität. Beide, VW und die Zuliefergruppe, haben sich nicht mit Ruhm bekleckert, dass sie ihren Konflikt so weit auf die Spitze getrieben haben, dass möglicherweise Zehntausende kurzarbeiten müssen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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