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Kein Ortswechsel für den Job : Die Deutschen sind Umzugsmuffel

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Für viele Deutsche kein positives Symbol: Der Umzugswagen. Bild: dpa

Nur wenige Menschen hierzulande können sich vorstellen, für die Karriere umzuziehen. Das zeigt eine neue Befragung. Dabei ist das Pendeln ungesund für Körper und Seele. Andere Länder sind da weiter.

          Eine neue Befragung unter deutschen Arbeitnehmern zeigt, dass sie Umzugsmuffel sind: Nur rund jeder Vierte kann sich vorstellen, aus Karrieregründen umzuziehen. Wenn es ins Ausland gehen soll, ist dazu sogar nur etwa jeder Sechste bereit. In vielen anderen Ländern sind die Beschäftigten mobiler. Das hat eine Befragung des Personaldienstleisters Manpower Group ergeben, an der 14.000 Arbeitnehmer auf der ganzen Welt teilgenommen haben.

          Die Befragung passt zu Befunden anderer Studien, die den Deutschen eine hohe Freude am Berufspendeln bescheinigen. 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, also fast 18,5 Millionen Menschen wurden von der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2016 offiziell als Pendler registriert, weil sie auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz mindestens eine Gemeindegrenze übertreten. Im vergangenen Jahr registrierte der ADAC auf deutschen Autobahnen 694.000 Staus mit einer Gesamtlänge von knapp 1,4 Millionen Kilometern. Das waren 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Rekorde gibt es auch im öffentlichen Nahverkehr: Busse und Bahnen haben 2016 einen weiteren Fahrgastrekord verzeichnet.

          Risiken für Körper und Seele

          Forscher weisen schon länger darauf hin, dass das Pendeln mit Risiken für Gesundheit und Psyche verbunden ist und fordern die Berufstätigen dazu auf, ihre Pendelsituation regelmäßig zu hinterfragen und über einen Umzug nachzudenken. In anderen Ländern ist die Offenheit dafür der neuen Studie zufolge größer. Die Spanier etwa sind deutlich umzugsbereiter als die Deutschen. Dort schließen nur 21 Prozent einen berufsbedingten Umzug aus. Auch in China, Schweden oder den Vereinigten Staaten zeigten sich die Befragten offener für Umzüge als hierzulande. In Großbritannien allerdings war die Bereitschaft für die Karriere den Wohnort zu verlassen noch geringer als in Deutschland. Und das ausgerechnet in einer Zeit in der erwartet wird, dass durch den Brexit so mancher seinen Job in Zukunft in einem anderen Land wird ausüben müssen.

          Grundsätzlich zeigte sich in der Studie für Deutschland, dass jüngere Arbeitnehmer eher einen Ortswechsel in Betracht ziehen als ältere. Unter den 18-bis 34-Jährigen können 77 Prozent sich einen berufsbedingten Umzug vorstellen, weniger als ein Viertel (23 Prozent) lehnt ihn pauschal ab. Bei den über 50-jährigen Babyboomern ist es hingegen jeder Zweite (55 Prozent).

          Dabei sind die deutschen Männer etwas mobiler als die Frauen. 36 Prozent der männlichen Beschäftigten, aber 40 Prozent der weiblichen erteilen dem berufsbedingten Ortswechsel eine Absage. Allerdings sind Frauen wagemutiger, was den Sprung ins Ausland angeht. Den kann sich jede fünfte Frau vorstellen, während nur jeder siebte befragte Mann dazu bereit ist.

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