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„Flüssige Verkehrslage“ : Das Brexit-Chaos bleibt aus

Ein Lastwagen fährt am 4. Januar auf die Grenzkontrolle zu. Bild: Reuters

Die befürchteten Lastwagen-Staus vor Dover sind bislang ausgeblieben. Allerdings liegt das auch am geringen Verkehrsaufkommen nach Neujahr. Direkte Fährverbindungen zwischen Frankreich und Irland wurden aufgestockt.

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          Alles ruhig an der Brexit-Front in den ersten Tagen des Jahres. Die befürchteten kilometerlangen Staus wegen Verzögerungen an den Grenzübergängen sind bislang ausgeblieben. „Hier läuft alles völlig glatt“, sagte eine Sprecherin des Hafenbetreibers Dover am Montag auf Anfrage. Es gebe keine Staus, obwohl nach dem endgültigen Brexit jetzt Personen- und Zollkontrollen zwischen Großbritannien und der EU durchgeführt werden. DB Schenker, der größte europäische Logistikkonzern, teilte der F.A.Z. mit: „Unsere umfassenden Vorbereitungsmaßnahmen haben gegriffen. Sowohl auf französischer wie auch britischer Kanalseite gab es für unsere Transporte rund um den Jahreswechsel keine nennenswerten Verzögerungen an der Grenze zwischen UK und EU-Binnenmarkt.“ Auch der Eurotunnel-Betreiber meldet „flüssige Verkehrslage“.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Allerdings liegt das auch am geringen Verkehrsaufkommen nach Neujahr. In den ersten vier Tagen des Jahres haben 4500 Frachtgütertransporte den Hafen von Dover passiert, je Tag gut 1000, sagte die Hafen-Sprecherin. Das ist fast nichts im Vergleich zu den durchschnittlich 6000 Lastwagen am Tag und in Stoßzeiten bis zu 10.000 Transporten, die sonst durch den wichtigsten britischen Verbindungshafen am Ärmelkanal rollen. Wenn der Verkehr in den kommenden Wochen zunimmt, könnten doch erhebliche Verzögerungen drohen.

          Bislang werden nur Einzelfälle von Fahrern gemeldet, die nicht die nötigen Zollerklärungen dabei hatten und wegen fehlerhafter Dokumente oder fehlender Corona-Tests die Grenze nicht passieren konnten. Ein polnischer Lastwagen–Lenker mit einer Ladung Erdbeeren aus Belgien kam an Neujahr kurz nach Mitternacht ohne Papiere in Dover an – er hat die Frist knapp verpasst und musste lange warten, bis er die Papiere nachreichen konnte.

          Tausende Fahrer waren vor und auch nach Weihnachten wegen Frankreichs Corona-Sperre am Ärmelkanal gestrandet. 3000 Fahrzeuge mussten am Manston-Flughafen in der Grafschaft Kent parken. Britisches Militär und polnische Hilfskräfte versorgten die Fahrer, darunter viele Osteuropäer, die trübe Weihnachtstage in ihren Lastwagen-Kabinen verbrachten. Frankreich verlangt jetzt innerhalb von 72 Stunden nach Einreise einen Corona-Test.

          Stark aufgerüstet hat der Eurotunnel, um Stockungen zu vermeiden. An beiden Ausgängen der Zug-Röhre, in Folkestone nahe Dover und in Calais, werden die Fahrer jetzt in kurzen Boxenstopps vom Personal des Eurotunnel-Betreibers Getlink kontrolliert und vorbereitet. Das Personal macht kurze Sicherheitschecks und überprüft, ob jeder Lastwagen die nötigen Papiere für den Zoll hat. Das dauert je Fahrzeug nur wenige Sekunden. Um die Abfertigungssysteme auf den neuesten Stand zu bringen und Brexit-tauglich zu machen, hat Getlink insgesamt 47 Millionen Euro investiert.

          In Holyhead, dem wichtigsten Fährhafen für Verbindungen nach Irland, gab es bislang ebenfalls wenig Schwierigkeiten. Nur jeweils eine Handvoll Fahrer mussten in den ersten Tagen länger warten oder gar umkehren wegen fehlender Zollpapiere. Irische Unternehmen nutzen bislang die britische „Landbrücke“ für einen großen Teil ihrer Exporte zum europäischen Kontinent. Die Strecke führt per Fähre von Dublin nach Holyhead, dann über britische Straßen. Pro Jahr passierten etwa 150.000 irische Transporte das Vereinigte Königreich. Das war schneller und günstiger, gerade für leicht verderbliche Güter. In Vorbereitung auf den Brexit haben Fährunternehmen wie die Stena Line jetzt mehr direkte Verbindungen zum Kontinent eröffnet, vor allem vom südirischen Rosslare zu den französischen Häfen Cherbourg und Dunkerque (Dünkirchen). Die Fährroute dauert zwar länger, sie wollen damit aber eventuelle Verzögerungen und Zusatzkosten an britischen Grenzübergängen umgehen.

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