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Orange und Bouygues : Ein neuer Mobilfunk-Gigant in Frankreich

  • Aktualisiert am

Frankreich hat wohl bald einen Mobilfunk-Anbieter weniger. Bild: REUTERS

Frankreichs Industrie baut um: Alstom befindet sich im Übernahme-Poker mit Siemens und General Electric. Schon kündigt der Wirtschaftsminister eine Mobilfunk-Allianz an.

          Der Industriekonzern Alstom verhandelt gerade mit Siemens und dem amerikanischen Wettbewerber General Electric, da bahnt sich in Frankreich offensichtlich eine weitere Großallianz an. Mobilfunk-Branchenführer Orange und der Rivale Bouygues Telecom loten ein Zusammengehen aus, bestätigte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Die Verhandlungen könnten angeblich darauf hinauslaufen, dass Orange den Konkurrenten übernimmt, sagen mit der Sache vertraute Personen.

          Montebourg hatte wiederholt betont, die Regierung in Paris wolle die Zahl der großen Mobilfunk-Anbieter von vier auf drei verringern. Ziel sei auch, dass der harte Wettbewerb nicht zulasten von Arbeitsplätzen gehe. „Wir müssen die Telekom-Branche, die in Trümmern liegt, umbauen“, betonte er im Fernsehen.

          Dreh- und Angelpunkt einer solchen Umstrukturierung könnte die Telekom-Sparte des Mischkonzerns Bouygues werden. Denn zuletzt hatte das Unternehmen - trotz Rückendeckung der Regierung - im monatelangen Kampf um den Mobilfunk-Anbieter SFR den Kürzeren gezogen. Die Tochtergesellschaft des Medienkonzerns Vivendi ging schließlich an den Kabelkonzern Numericable.

          Auch der Staat steckt drin

          Bouygues betonte am Donnerstag dieser Woche, mögliche Partner für die Telekom-Sparte zu suchen. Priorität sei jedoch, den Bereich als unabhängiges Geschäft fortzuführen. Bis zum Jahr 2016 will Bouygues die Kosten um weitere 300 Millionen Euro drücken. Die Geschäftsführung sagte jedoch nicht, ob und wie viele Arbeitsplätze wegfallen sollen. Gewerkschaften fürchten, dass 2000 Mitarbeiter und damit gut ein Fünftel der Belegschaft gehen müssen.

          Orange-Chef Stephane Richard hat offenbar bereits mit seinem Kollegen Martin Bouygues über den Deal gesprochen. Demnach könnte Bouygues Telecom mehr als sechs Milliarden Euro wert sein, sagte ein Insider. Ein Verkauf, der über einen Aktientausch abgewickelt würde, könnte dazu führen, dass Bouygues und sein Großaktionär, der Außenwerber JCDecaux, letztlich rund zehn Prozent an Orange halten.

          „Wir loten unsere Optionen aus. Aber niemand seitens der Regierung hat mich aufgefordert, eine Übernahme von Bouygues Telecom zu prüfen“, zitierte die Zeitung „Les Echos“ Orange-Chef Richard. Frankreich ist mit 27 Prozent an Orange, dem ehemaligen Staatsmonopolisten France Telecom, beteiligt.

          Die mögliche Allianz beflügelt bereits die Phantasie der Investoren. Der Kurs der Bouygues-Aktien kletterte im Tagesverlauf um rund vier Prozent, der Wert der Orange-Papiere stieg zeitweise ähnlich stark.

          Der französische Telekommarkt ist aber auch an anderer Stelle in Bewegung. So kündigte Numericable an, man sei in exklusiven Verhandlungen zum Kauf von Virgin Mobile France. Das Unternehmen gehört zu je 46 Prozent Europas größtem unabhängigen Mobilfunk-Händler, Carphone Warehouse, und der Virgin Group des Milliardärs Richard Branson.

          Trotz der Neuausrichtung im Sektor sucht die Deutsche Telekom wiederum momentan nicht den Schulterschluss mit dem französischen Rivalen Orange. „Wir reden derzeit nicht über Fusionen, auch nicht mit Orange“, sagte Telekom-Chef Tim Höttges am Donnerstag auf der Hauptversammlung seines Unternehmens.

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