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F.A.Z. exklusiv : Kaufhof prüft 3-Milliarden-Euro-Offerte von Karstadt

Eine Karstadt- und eine Kaufhof-Filiale in der Innenstadt von Trier. Bild: Reuters

Beide haben Probleme, nun ist die Fusion wieder Thema: Was aber wird aus den großen deutschen Warenhausketten?

          Die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof sondieren die Chancen für einen gemeinsamen Verbund, um die Erosion von Marktanteilen zu stoppen. Kenner der Konzerne bestätigen gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entsprechende Gespräche über ein mögliches Zusammenrücken der beiden Warenhausbetreiber. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters über Kontakte zwischen dem österreichischen Karstadt-Eigner René Benko und HBC, der kanadischen Muttergesellschaft von Kaufhof, berichtet.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Benko zeigte in jüngster Vergangenheit öfters Interesse, mit seiner Signa-Holding auch den Kölner Rivalen Galeria Kaufhof zu übernehmen. Doch der umtriebige Immobilieninvestor war mit seinen Offerten stets abgeblitzt. Angesichts des dramatischen Schwundes an Kunden und Marktanteilen verhandeln die Mutterkonzerne von Karstadt und Kaufhof über eine enge Zusammenarbeit im Kerngeschäft. Dabei steht angeblich auch die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Debatte, an dem sich Karstadt mit mindestens 51 Prozent beteiligen könnte, heißt es im Umfeld der Unternehmen.

          „Deutsche Warenhaus AG“

          Neu zur Diskussion stehe auch eine Kaufofferte für Kaufhof in Höhe von 3 Milliarde Euro, die die österreichische Signa-Holding vor Wochen unterbreitet hatte. Dieses Angebot hatte der Kaufhof-Eigentümer HBC zunächst abgelehnt. Stattdessen solle die erst im Oktober 2015 erworbene Kaufhof-Gruppe auf Erfolgskurs getrimmt werden, hieß es. Doch nach dem jüngsten Chefwechsel hat sich die Stimmung im Hause gedreht. Danach will sich die seit Februar amtierende HBC-Chefin Helena Foulkes von Verlustbringern trennen, um die Rendite des Mutterkonzerns zu steigern.

          Über die Möglichkeit eines Zusammengehens von Karstadt und Kaufhof – unter dem damaligen Arbeitstitel „Deutsche Warenhaus AG“ – ist in den Jahren zuvor viel spekuliert worden. Doch mit dem Blick auf die Folgen für die Belegschaft wurden solche Planspiele rasch verworfen. Danach ließen sich durch eine Fusion der Konzerne Kosten in Millionenhöhe etwa in Verwaltung und Einkauf einsparen. Auf der anderen Seite müsste in dem neu formierten Warenhaus-Konzern wohl jede dritte Filiale geschlossen werden, was landesweit zu hohem Stellenabbau führt, rechnet ein Manager vor.

          Hinzu kommt: HBC steht im Heimatmarkt ohnehin unter Druck. Im Auftaktquartal rutschte der kanadische Konzern noch tiefer in die Verlustzone. Foulkes teilte kurz danach mit, dass sie 10 der 48 Filialen der konzerneigenen Textilkette „Lord & Taylor“ schliessen will. Wann die Engagements im Ausland auf den Prüfstand kommen, scheint nur eine Frage der Zeit. So forderte der aktivistische HBC-Aktionär Land and Buildings die Führung auf, sich vom Europageschäft zu trennen. Eine mögliche Transaktion mit Karstadts Signa könne daher ein Schritt in die richtige Richtung sein.

          Viel Freude an der Kaufhof-Gruppe hatte HBC nicht. Das Traditionsunternehmen leidet am Siegeszug von Billiganbietern und Onlineversendern wie Amazon. Angesichts hoher Verluste sei der Jahresauftakt enttäuschend verlaufen, sagte Kaufhof-Chef Roland Neuwald. Ebenso wie Karstadt müsse daher auch Kaufhof seine Personalkosten senken. Nach der Insolvenz 2009 ist Karstadt durch einen tiefgreifenden Sanierungsprozess gegangen und hat im Geschäftsjahr 2016/17 einen kleinen Gewinn erwirtschaftet.

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