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Katja Kipping im Gespräch : „40.000 Euro im Monat sind genug“

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Das klingt nach den Debatten aus den achtziger Jahren, als man vom Ende der Arbeitsgesellschaft sprach. Heute reden wir von demographischem Wandel, globaler Konkurrenz und Fachkräftemangel.

Man sieht, wohin diese Konkurrenzkultur führt. Wir haben eine extreme Zunahme stressbedingter Krankheiten. Das ist nicht nur für die Betroffenen ein Problem, sondern auch für die Volkswirtschaft.

Ihre Stellvertreterin Sahra Wagenknecht wirbt für eine Rückkehr in die schöne heile Welt von Ludwig Erhards Sozialer Marktwirtschaft, in die Bundesrepublik der fünfziger und sechziger Jahre.

Ich bin mit Sahra Wagenknecht sicher nicht in allen Details einer Meinung, aber hier muss ich sie in Schutz nehmen: So hat sie das nicht formuliert. Natürlich möchte sie nicht in die Zeit von Ludwig Erhard zurück, ich auch nicht und die Linke schon gar nicht. Die Idee, dass die Ehefrau allenfalls ein bisschen Geld hinzuverdient, entspricht nicht meinem Bild einer gleichberechtigten Partnerschaft.

Haben Sie nicht bei dem einen oder anderen Ihrer westdeutschen Parteifreunde den Eindruck, er will zurück in die Zeit vor 1989?

Jeder und jede erinnert sich gern an die eigene Jugend. Das finde ich nicht verwerflich. Das wird mir mit fünfzig wohl genauso ergehen. Ich glaube aber nicht, dass das ein politisches Programm ist.

Lange Zeit haben Sie in einer Wohngemeinschaft gelebt, in Berlin-Kreuzberg und in Dresden in der Nähe des Szeneviertels Neustadt. Das klingt eher nach grünem Milieu als nach Linkspartei. Wie kamen Sie zur PDS?

Ich habe mir beide Parteien angeschaut. Damals, zur Zeit des Kosovo-Kriegs, gab der klare antimilitaristische Kurs PDS den Ausschlag. Heute bin ich froh, dass ich mich so entschieden habe. Als ich am vorigen Mittwoch zu den Gesprächen über den Fiskalpakt bei Frau Merkel saß, konnte ich beobachten, wie flexibel die Grünen da agierten.

Und trotzdem sagen Sie: Die Linke muss sich mehr ums urbane Milieu kümmern, um Latte Macchiato und Bionade-Biedermeier?

Die Linke braucht eine Doppelstrategie. Einerseits den Linkspopulismus. Nicht in dem Sinne, dass man Ressentiments bedient. Sondern als zugespitzte Ansprache der Armen und Entrechteten, aber auch der durchschnittlichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegen „die da oben“. Andererseits müssen wir das kreativ-alternative Milieu ansprechen.

Dieses Milieu denkt doch eher postmaterialistisch?

Am Ende des Tages muss sich auch der Künstler seine Spaghetti kaufen können. Selbst wenn er sagt, der BMW und die Villa im Grunewald sind mir schnuppe, braucht er eine materielle Basis.

Sie sagten einmal, niemand müsse mehr als 40.000 Euro im Monat verdienen. Ist das ein praktisches politisches Ziel?

Ja, es gibt da gute Vorbilder. Der französische Linkskandidat Mélenchon hat für Jahreseinkommen von mehr als 360.000 Euro einen Steuersatz von 100 Prozent gefordert. Er war damit sehr erfolgreich. Ich sage: ab 40.000 Euro im Monat gibt es kein Mehr an Lebensgenuss. Wenn es dann noch Einkommenszuwächse gibt, fließen sie in die Beeinflussung von politischen Entscheidungen durch Bestechung – oder in zerstörerische Finanzspekulationen.

Also 100 Prozent Reichensteuer auch bei uns?

Das ist keine Neiddebatte, sondern eine demokratietheoretische Frage. Es muss ein Mindestmaß an Sicherheit für alle geben. Wir sagen: Mindestsicherung und Mindestrente von 1050 Euro. Aber kein Mensch braucht mehr als das Vierzigfache des Mindesteinkommens. Alles was darüber liegt, kann man getrost mit 100 Prozent besteuern.

Sind Sie gegen Luxus?

Das ist nicht die Frage. Für mich entscheidet sich das Linkssein nicht daran, ob jemand einen großzügigen Lebensstil hat. Entscheidend ist: Zahlt er oder sie genügend Steuern, um auch anderen ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen?

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