https://www.faz.net/-gqe-6kmlr

Katholische Kirche : Richter rügen Entlassung wegen Ehebruchs

  • Aktualisiert am

Die Kündigung eines Chorleiters durch die Katholische Kirche ist unrechtsmäßig Bild:

Die katholische Kirche darf einem Angestellten nicht zwangsläufig kündigen, wenn er ein außereheliches Verhältnis hat. Zu diesem Urteil kam der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Kurios dabei: In einem ähnlichen Fall in der deutschen Mormonenkirche urteilten die Richter anders.

          Eine katholische Kirchengemeinde in Essen hat mit der Entlassung eines Chorleiters wegen einer außerehelichen Beziehung gegen die Achtung der Privatsphäre verstoßen. Zu diesem Urteil kam am Donnerstag in Straßburg der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). In einem zweiten ähnlich gelagerten Fall, bei dem es um die Kündigung eines leitenden Presse-Mitarbeiters der deutschen Mormonenkirche wegen außerehelicher Beziehungen ging, haben die Richter keine Grundrechtsverletzung festgestellt.

          Die beiden 53 und 51 Jahre alten Männer hatten gegen ihre Kündigung ohne vorherige Abmahnung geklagt und waren von deutschen Arbeitsgerichten abgewiesen worden.

          Im Fall des katholischen Kirchenmusikers hätten die deutschen Arbeitsgerichte nicht sorgfältig genug zwischen den Rechten des Klägers und des kirchlichen Arbeitgebers abgewogen, befanden die Straßburger Richter. Dem Mann war von der katholischen Kirche ohne
          vorherige Abmahnung. gekündigt worden, nachdem die Kirchenleitung erfahren hatte, dass der Mann in einer neuen Beziehung lebte und
          seine neue Lebensgefährtin ein Kind erwartete. Da er zu diesem Zeitpunkt zwar getrennt von seiner Frau lebte, aber noch verheiratet war, warf die Kirchenleitung dem Mann Ehebruch und Bigamie vor. Nach Auffassung seiner Arbeitgeber hatte er gegen die Grundordnung der katholischen Kirche für den kirchlichen Dienst verstoßen.

          Im Gegensatz dazu seien im Fall des Mormonen von den Arbeitsgerichten alle wesentlichen Gesichtspunkte berücksichtigt worden. Ihm wurde als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit für Europa gekündigt, nachdem er seinen Vorgesetzten eine außereheliche Beziehung offenbart hatte. Die Kündigung sei nachvollziehbar. Dem als Mormone aufgewachsenen Mann „hätte klar sein müssen, welche Bedeutung die eheliche Treue für seinen Arbeitgeber hat“, hieß es in der Begründung. Bei den Mormonen gilt Ehebruch als „gräulichste aller Sünden“.

          Das Straßburger Urteil berührt das Kirchenrecht in Deutschland, wonach die Kirchen unter anderem eigene Regeln für Kündigungen festlegen können. So können sie bislang Mitarbeiter für ein Verhalten außerhalb des Dienstes entlassen, das den Werten und Prinzipien ihrer Glaubensgemeinschaft widerspricht.

          Weitere Themen

          Wie teuer wird es für mich?

          FAZ Plus Artikel: Klimapaket : Wie teuer wird es für mich?

          Das Klimapaket der Bundesregierung kostet manche Leute Geld, anderen bringt es eine Ersparnis. Wir haben einige Fälle durchgerechnet. In manchen Fällen können Pendler zum Beispiel sogar Geld sparen.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Pendler auf der London Bridge

          Mobilität : Wie London die Verkehrsflut meistert

          Die größte Stadt Europas baut ihr Bahnnetz aus und nutzt Big-Data-Analysen, um die U-Bahn zu verbessern. Ein anderes Verkehrsmittel soll hingegen aus der City verbannt werden – und das schon diesen Sonntag.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          „Je suis climate“: Eine junge Frau protestiert fürs Klima.

          Bei Klimaprotesten : Ausschreitungen und Festnahmen in Paris

          Zerschlagene Fensterscheiben, brennende E-Scooter, geplünderte Geschäfte: In Paris haben sich Gewaltbereite unter Klimademonstranten gemischt und sich Gefechte mit der Polizei geliefert. Auch etliche „Gelbwesten“ zogen durch die Stadt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.