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Katastrophenhilfe : Nepal braucht deutsche Organisation

Die Kontrollen funktionieren, die Logistik nur bedingt: Am Flughafen von Kathmandu ist man auf deutsche Unterstützung angewiesen. Bild: Christoph Hein

Der Flughafen von Kathmandu hat nur eine Landebahn. Nach dem Erdbeben ist dort viel los. Das ist kaum zu organisieren. Deshalb haben die Vereinten Nationen die Deutsche Post DHL um Hilfe gebeten.

          Es war eine der ungewöhnlicheren Ansagen, die der erfahrene Pilot von Singapurs Silk Air in seinem Leben machen musste: „Wir setzen nun zum Sinkflug auf Kathmandu an. Aber wir können Ihnen nicht sagen, ob wir landen werden. Der Flughafen ist total verstopft, und der Tower kann uns auch jetzt noch keine Zusage geben.“ Dutzende Maschinen drängen sich auf dem Rollfeld und in den Parkpositionen des kleinen Flughafens im Himalajaland. Er ist das Nadelöhr der Rettungsaktion nach dem verheerenden Erdbeben vom 25. April, das bislang fast 8000 Menschen das Leben kostete und Hunderttausende obdachlos machte.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Auch Kapitän RK Sherchan kämpft mit der Lage in Kathmandu. Der Pilot von Nepal Airlines kreiste bei seinem Anflug aus Bahrein 30 Minuten über dem Rollfeld. „Der Tower sagte, es kann gut weitere 30 Minuten dauern. Also habe ich entschieden, zu wenden und nach Delhi auszuweichen, bevor der Treibstoff knapp wird. Auch dort mussten wir noch 20 Minuten kreisen. Es wurde richtig eng“, sagt Sherchan. Stunden später flog er dann abermals Kathmandu an. „Wir haben grundsätzlich 40 Prozent oder sieben Tonnen mehr Sprit an Bord, wenn wir in diesen Tagen nach Nepal fliegen. Das kostet richtig Geld.“

          Darum dreht sich hinter den Kulissen im krisengeschüttelten Nepal dieser Tage fast alles. Denn Geld ist knapp. Die Menschen spenden längst nicht so viel wie bei anderen Katastrophen mit dramatischen Fernsehbildern. Dabei steigen die Kosten des Hilfseinsatzes von Minute zu Minute. Alles kostet. „Nepal kann nicht preisgünstig mit Schiffen erreicht werden, es ist eingegrenzt von Achttausendern, das Elend spielt sich in großen Höhen ab, wo unsere Hubschrauber mehr Treibstoff brauchen und weniger Ladung einfliegen können, es gibt kaum Straßen und keine Flughäfen“, sagt Cassandra Gesecki, Sprecherin der Eingreiftruppe 505 der amerikanischen Marines. Seit Mittwoch fliegen sie mit ihren schweren C-17-Maschinen Hubschrauber, Zelte und Nahrung aus Guam und Hawaii ein. Die Erde wankt, wenn sie in Kathmandu landen.

          Die schweren Flugzeuge machen die Rollbahn kaputt

          Auch die Hilfsflieger mit Tonnen von Zelten und Lebensmitteln an Bord müssen Landegebühren in Nepals Hauptstadt zahlen. Weil die Rollbahn aber durch die Vielzahl der schweren Maschinen mit Rettungsgerät brüchig wird, können nur noch Transporter bis 196 Tonnen Gesamtgewicht landen. Jumbos oder die Frachter MD-11 sind nicht länger erlaubt.

          Überlebenswichtige Güter werden am Flughafen verladen.

          „Wir hatten in Bangkok zwei vollbeladene Jumbos mit Lebensmitteln stehen, sie mussten komplett umgeladen werden“, sagt Alex Marianelli, Asien-Logistikchef des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP). Auch in Delhi werden Maschinen gewechselt. Die Fracht einer MD-11 für Nepal muss auf drei Iljuschin 76 verladen werden. Das kostet Geld und Zeit. Weil es am Tribhuvan-Flughafen nur neun Parkpositionen gibt, kommt es immer wieder zu stundenlangen Verzögerungen.

          Immer weniger Landungen sind nachts möglich, weil seit Dienstag ab Mitternacht die Piste notdürftig repariert wird. Ist ein zugeteilter „Slot“ für eine Landung aber verstrichen, bekommt ihn das Flugzeug kaum noch einmal – andere springen in die Lücke. So kreisen die Maschinen hoch über Kathmandu und verbrennen teures Flugbenzin – was die Charterfluggesellschaften den Hilfsorganisationen in Rechnung stellen und über deren Spendeneinnahmen gedeckt werden muss. Ein Frachtflug von Bangkok nach Kathmandu kostet bis zu 200.000 Dollar.

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