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Kassenpatienten : Nie mehr lange warten auf den Facharzt-Termin

  • -Aktualisiert am

Schneller wieder schneller gehen: Bald soll es zügig Rat von Orthopäden und anderen Fachärzten geben Bild: F1online

Ein neues System soll garantieren: Wenn es dringend ist, bekommen auch Kassenpatienten schnell einen Termin beim Facharzt. Aber spielen die Ärzte mit?

          Leidgeprüfte Patienten dürfen aufatmen. Die Zeiten, in denen sie schon im Oktober oder Anfang November selbst bei Orthopäden oder nur für eine Ultraschalluntersuchung auf Termine für das nächste Jahr vertröstet wurden, sollen bald der Vergangenheit angehören. Denn nach langen Debatten und großer Unruhe unter Ärztevertretern gibt es nun Fortschritte bei den vom Gesetzgeber erzwungenen Terminservicestellen: Mit deren Hilfe soll vom 23. Januar an garantiert werden, dass jeder Kassenpatient mit einer „dringlichen Überweisung“ binnen einer Woche einen Terminvorschlag für die folgenden vier Wochen beim Facharzt bekommt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Einem pünktlichen Start des Systems dürfte nur noch wenig im Wege stehen. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung haben sich Ärzte und Kassen auf wichtige Details im Kern geeinigt. Zum Beispiel auf die Frage: Wie viele Termine soll die Servicestelle dem wartenden Patienten nennen? Antwort: voraussichtlich drei. Oder: Welcher Weg ist dem Patienten in Minuten oder Kilometern zuzumuten? Antwort: möglichst in 30 Minuten.

          Verhandlungen „auf einem guten Weg“

          Noch haben die Vorstände die auf Arbeitsebene ausgehandelten Punkte für die Änderung des Bundesmantelvertrags der Ärzte formell nicht beschlossen. Doch Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), spricht im „Deutschen Ärzteblatt“ davon, die Verhandlungen seien weit gediehen und „auf einem guten Weg“. Das wurde auch Zeit, denn die im Gesetz gesetzte Einigungsfrist bis zum 23. Oktober ist schon wieder vier Wochen verstrichen. Dabei verhalten sich die Ärzte zum Gesetz so defensiv wie die Koalition zu neuen Richtlinien der EU-Kommission: „Die Richtschnur ist die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben – und nicht mehr.“

          Für Kassenpatienten soll das Vermittlungsverfahren demnächst so laufen: Erkennt der Hausarzt einen „dringlichen“ Behandlungsbedarf beim Facharzt, dann stellt er nicht nur eine Überweisung aus, sondern versieht die auch noch mit einer zwölfstelligen Codenummer. Die Nummer generiert der Arzt entweder elektronisch oder bekommt sie von seiner Kassenärztlichen Vereinigung auf Klebeetiketten zur Verfügung gestellt. Zum Start sollen 15 Millionen Codes in Umlauf gebracht werden, sagt der bei der KBV dafür zuständige Telematikexperte Florian Fuhrmann im „Ärzteblatt“.

          Die Entwicklung der elektronischen Vermittlungsplattform, die er für die KBV gebaut hat, sei „fast abgeschlossen“. Findet der Patient keinen Facharzt, meldet er sich bei der von der Kassenärztlichen Vereinigung organisierten Terminservicestelle. Später sollen Patienten sich auch selbst einen Termin elektronisch buchen können. Dort wird – mit dem Code als Zugangsberechtigung – im elektronischen Verzeichnis nach freien Facharztterminen in nächster Zeit und im näheren Umfeld gesucht. Nur wer einen Augen- oder Frauenarzttermin sucht, braucht keine Überweisung. Ein Recht auf einen „Wunschtermin“ oder „Wunscharzt“ hat der Patient nicht. Die garantierte freie Arztwahl gilt hier nicht. Er muss nehmen, was es gibt.

          Anreize statt Sanktionen schaffen

          Was es an freien Terminen gibt, hängt aber davon ab, was die Ärzte melden. Das könnte zum Problem werden, wenn nicht genügend Fachärzte freiwillig freie Termine angeben. Zwingen wollen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ihre Ärzte nicht. Diese ungeliebte Regelung auch noch mit einem Zwang zu verknüpfen, das sei etwas, „das wir überhaupt nicht schätzten“, sagt der Orthopäde Gassen.

          Aber auf Landesebene, wo das alles umgesetzt werden muss, werden bereits Satzungsänderungen vorbereitet, mit denen eine Beteiligung an dem Bestellsystem zur Not auch zur Pflicht gemacht werden könnte. In Baden-Württemberg zum Beispiel. Über Sanktionen für jene, die das ablehnen, wird einstweilen nicht geredet. Eher über Anreize. Wie in Sachsen. Dort ist so ein elektronisches Facharztvermittlungssystem schon seit Ende 2014 in Betrieb. Dort bekommen teilnehmende Haus- und Fachärzte einen Honorarzuschlag. Gassen kann sich gut vorstellen, dass die eine oder andere KV ähnliche Projekte vorbereitet.

          Tatsächlich sind die 16 Kassenärztlichen Vereinigungen frei darin, wie sie die Vorgaben des Gesetzgebers für die Terminvergabestellen umsetzen. Nur eines werden auch sie nicht sicherstellen können, eine fachärztliche Beratung, wenn es dafür in der Gegend gar keine spezialisierten Fachärzte gibt. Die würden „durch die Terminservicestellen auch nicht hingezaubert“, merkt Gassen an. Möglicherweise werden einzelne KV dann mit Krankenhäusern Behandlungsverträge schließen, damit sie ihrem Auftrag nachkommen, die Versorgung der Patienten sicherzustellen. Das müssen sie sowieso und auf eigene Kosten in dem Fall tun, dass sie trotz bescheinigter Dringlichkeit keine ambulante Facharztbehandlung binnen vier Wochen vermitteln können.

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